Welcome to Mandalay

Heute früh um 6:45 klingelt der Wecker. Aufstehen, fertigpacken, auch nichts vergessen?
Eine halbe Stunde später verlassen wir das gemütliche ETZ-Hostel Bangkok. Vielen Dank, ich fand es wunderbar! Um die Ecke gleich ein Taxi gefunden. Das sollte in Berlin mal so einfach sein… Die Fahrt zum Bangkok Don Mueang Airport vergeht schneller als gedacht und kostet auch weniger. Wir sind wirklich früh dran, aber sicher ist sicher.

Check-in ist schnell erledigt, leider muss Micha seine Powerbank abgeben. Die hat wohl zu viel Power. Oder die konnten die gerade gut gebrauchen ;) Noch schnell was zu Essen und nen Kaffee, und dann gehts zum Gate 6 – Flug FD 244 nach Mandalay.

Für mich fühlt es sich an, als würde die Reise jetzt erst beginnen. Bangkok war schön, aber es war auch nur ein Zwischenstopp, zum ankommen, eingewöhnen, lernen, was Hitze bedeutet.

Im Flieger hinter uns sitzt eine junge Familie mit kleinem Kind. Das schreit und zieht mir an den Haaren. Papa tritt scheinbar zur Entschuldigung ständig in meine Rücklehne. Kaum bin ich eingeschlafen, stupst mich die – wirklich sehr hübsche und in ihrem feuerrotem Kostüm sehr adrett gekleidete – Stewardess an. Einreiseformular. Zum ausfüllen. Hätte man nicht direkt Micha in die Hand drücken können, der direkt neben mir sitzt. Gut, wird gemacht. Leider haben wir keine Ahnung, ob wir wirklich eine Adresse angeben müssen. Wir haben natürlich noch kein Hostel gefunden. Also bleibt das Feld frei. (Für Thailand funktioniert das übrigens nicht – bei Einreise stand neben uns ein Paar dass kein Hotel eingetragen hatte, das fanden die Thailänder nicht sehr witzig.)
Wer glaubt, nun würde ich endlich zum Schlafen kommen – nein, natürlich gibt es vorher noch was zu essen. Aber jetzt. Leider muss ich feststellen, dass mein Nackenkissen ein Loch hat. Es ist zweimal die Luft rausgegangen. So muss fliegen sein ;)

Als wir über Mandalay langsam landen, fällt gleich ins Auge, wie trocken es ist, kaum Grün zu sehen. Wir sind gespannt und haben ein wenig Respekt vor der Hitze die da über uns hineinbrechen mag. Gewonnen haben wir eine halbe Stunde Zeit. Die Uhren gehen hier nämlich anders als in Bangkok. Die Einreise gestaltet sich sehr einfach. Keinen stört es, dass wir kein Hostel eingetragen haben. Auch als beim Gepäck-Check auffällt dass wir einen wohl wichtigen Zettel nicht haben, wird zwar zweimal nachgefragt, aber letztendlich werden wir mit einem offenen Lachen durchgewunken. Das ist dann halt so.

Geldbeschaffung ist ein anderes Thema. Wir haben zwei Automaten probiert, der erste nimmt unsere VISA Karten nicht, der zweite gibt uns aus uns unerklärlichen Gründen kein Geld. Micha ist genervt und geht zum Wechselschalter um seine Dollar zu tauschen. Ich probiere es mit Automat Nummer 3. Aha, offenbar ist das Problem, dass wir mehr Geld haben wollten, als die Automaten haben. Beide mit frischen Kyat ausgestattet wagen wir einen ersten Schritt nach draußen. Es ist heiß, sehr heiß, aber nicht drückend. Ein Glück – es ist erträglich!

Irgendjemand hat behauptet, in Myanmar wären die Menschen nicht so arg aufdringlich wie in Thailand. Das wissen die guten Taxifahrer am Flughafen offenbar aber nicht. Nachdem wir alle abgewehrt haben, spricht uns ein junger Mann an und möchte uns mit dem Bus mit in die Stadt nehmen. Der Preis scheint fair und er hat sogar einen Übernachtungstipp für uns. Wir lassen uns darauf ein, denn eine bessere Idee haben wir nicht und wie sich rausstellt, war dass das beste was wir machen konnten.

Wie lange die Fahrt bis zur Stadt dauert, kann ich nicht mehr sagen. Ich schaue aus dem Fenster und überlege mir, wie ich den Anblick später am besten beschreibe. Erstaunlicherweise habe ich bereits begonnen, auf Englisch zu denken und muss jetzt versuchen, einen sinnvollen deutschen Text zusammenzuschreiben und nicht alles zu vergessen, was ich eigentlich sagen wollte.
Auffällig ist, wie schon der Blick aus dem Flugzeug versprach, die große Trockenheit. Alles scheint in Sand und Staub versunken. Trotzdem, dann und wann, scheinen die goldenen Dächer der Pagoden durch die Bäume. Was für ein Kontrast, das saftige, glänzende Goldgelb zu dem staubigen Rest. Am Straßenrand stehen einige sehr einfache Überdächer. Micha meint, es sind Bushaltestellen (für sehr kleine Leute? ;) ), ich denke, es sind Verkaufsstände. Quasi das birmanische Äquivalent zur Erdbeerbox. Vielleicht finden wir ja noch raus, wer recht hat.
Schließlich erreichen wir die Stadt. Ein Mix aus alt und heruntergekommen – mehr noch als in Bangkok – und neu und hochglanzpoliert. Dazwischen ein paar Bauten im Kolonialstil. Es herrscht Rechtsverkehr – auch wenn die meisten Autos das Steuer auf der rechten Seite haben. Wer würde da nicht verrückt werden.

Der Bus nimmt seinen Weg durch die Straßen, Orientierung gibt es für uns keine. Nach und nach steigen unsere Mitreisenden aus bis fast nur noch wir übrig bleiben. Wir warten einfach, bis man uns anspricht. Auch das scheint vernünftig, denn beim nächsten Halt wird uns freundlich zugenickt – wir sind da. Das Royal Guest House. Der Beifahrer steigt mit aus um sicher zu gehen, dass wir mit der Auswahl zufrieden sind (und um wahrscheinlich eine Provision klarzumachen?). Das Guest House ist gepflegt, sehr eng und gemütlich. Wir entscheiden zu bleiben und nehmen das minimal teurere Zimmer mit eigenem Bad. Vielleicht einfach auch deshalb, weil wir dann eine Etage weniger hoch laufen müssen ;)
Zum Zimmer dazu gibt es freies Wifi und Frühstück und um unsere Wäsche kümmert man sich auch. Was will man mehr? Gut, ab und an möge der Strom ausfallen, und das Internet ist nicht das stärkste, wir haben auch keine Schränke, aber die Wertsachen kann man zur Aufsicht bei der freundlichen Damen am Empfang abgeben.
Wer es genau wissen möchte, das Royal Guest House liegt quasi um die Ecke vom Königspalast, 41, 25th St. (82/83).

Nachdem wir uns kurz gesammelt haben, beschließen wir noch kurz vor die Tür zu gehen und mal zu schauen, was es hier so im Viertel gibt. Wirklich nur kurz. Sie Verkehrssituation ist nicht so leicht zu durchschauen und wir wechseln ein paar mal die Straßenseite, keine Ahnung wohin wir wollen. Schließlich werden wir von zwei sehr freundlichen Mopedfahrern angesprochen, natürlich wollen die uns irgendwo hin fahren. Wir lassen uns in ein Gespräch verwickeln, auch wenn wir versuchen direkt deutlich zu machen, dass wir gerade erst angekommen sind und „nur mal schauen“ wollen. Der Tipp, zum Mandalay Hill zu fahren, da ja bald Sonnenuntergang ist, ist aber leider zu verlockend. Und die beiden ja auch so nett. Sie versprechen uns, uns für einen Spottpreis (gefühlt) dorthin zu fahren, auf uns zu warten und uns zurück zum Guest House zu bringen. Ja, warum eigentlich nicht. Ich bin zwar etwas nervös, weil ich noch nie auf einem Moped mitgefahren bin (hoffentlich falle ich nicht runter?!), aber wir bekommen einen Helm geliehen und los gehts.

Schnell wird mir bewusst, die Jungs wissen was sie tun und auch das festhalten klappt ganz gut. Wir kommen allerdings nicht weit, da braucht mein Fahrer frisches Benzin. Hier fährt man dazu nicht an eine klar erkennbare Tankstelle sondern zur nächsten Kreuzung und winkt hektisch den Leuten am Stand zu. Die kommen mit einer alten Wasserflasche voll Benzin an und befüllen den Tank. So gehts auch.
Es geht an zwei Seiten des Königspalastes vorbei – mit kurzer Fotopause am schönsten Aussichtspunkt – und schon sind wir am Mandalay Hill. Begrüßt werden wir von zwei riesigen weißen Löwen die allein schon unheimlich beeindruckend sind.
Unsere Fahrer versprechen zu warten, erklären uns, man käme in optimistischen 20 Minuten den Berg hoch (ca. 240 Meter – 1700 Stufen) und wir sollen uns bitte keine Gedanken um die Zeit und um die beiden machen, sie werden auf jeden Fall warten.

Am Eingang geben wir einem süßen kleinen Mädchen unsere Schuhe für umgerechnet je 15 Cent und machen uns barfuß an den Aufstieg. An das barfuß laufen kann man sich gewöhnen, bis auf die Stellen, wo den ganzen Tag die Sonne scheint und die Steine so heiß sind, dass Europäer nur hüpfend vom Fleck kommen. Unterwegs treffen wir die Hälfte aller Mitreisenden aus unserem Flugzeug. Oder vielleicht auch alle. Es geht vorbei an allerlei kleinen Ständen mit kalten Getränken, Schuhen, Stoffen, Essen und allen möglichen Kleinigkeiten. Jede Treppe führt zu einer kleinen Sehenswürdigkeit, einem besonders großem Buddha oder einer Stupa, oder Pagode… wo ist der Unterschied? An jedem Ende einer Treppe kommt der Gedanke auf, das könnte es doch gewesen sein… oder? Lange werden wir enttäuscht, denn nach jedem Aufstieg finden wir einen weiteren. Die Aussicht ist unglaublich, selbst für Höhenängstliche. Schnell wird klar, die vielen Leute die an den Ständen ihre Ware feil bieten, die wohnen hier auch. Hinter kleinen Holz- oder Blechhütten findet man aufgehängte Wäsche, Kochstellen und alles was man zum Leben braucht. Überall spielen kleine Kinder, schlafen Katzen und Hunde und freundliche Menschen lächeln einem entgegen. Natürlich sehen sie uns unsere Qual an, gerade mir, die ich mit hochrotem Kopf versuche tapfer durchzuhalten.
Wir kommen an einer großen, etwas verfallenen Halle an, die auf vielen Metallsäulen steht. Ich hoffe, dies ist das Ende unseres Weges. Doch kaum biegen wir um die Ecke taucht eine weitere Treppe auf. Die Stufen sind so hoch, ich frage mich, wie die kleinen Menschen hier die Treppe erklimmen können. Am Ende der Treppe landen wir auf einer Plattform mit Steinsäulen in deren Bögen Schriften gemeißelt sind. Ein beeindruckender Anblick – aber bei weiten nicht das Ziel. Auf der nächsten Ebene folgen Bögen aus glänzenden und spiegelnden Mosaiken. Ich kenne jemanden, dem das gefallen würde.
Noch ein Aufstieg… und wir sind tatsächlich da. Die Aussichtsplattform ist erreicht. Touristen werden aufgefordert, hier oben 1000 Kyat zu zahlen. Natürlich zahlen alle – wer läuft schließlich so weit – nur um kurz vor dem Ziel umzudrehen?

Aus Lautsprechern schallt ununterbrochen ein Gebetsingsang. Die gesamte Pagode ist golden und mit Spiegelmosaiken bestückt und glitzert im Licht der untergehenden Sonne. Man hat eine wundervolle Aussicht auf Mandalay und die Shan-Berge. Während wir auf den Sonnenuntergang warten fotografieren wie die niedlichen kleinen Eichhörnchen die in einer Baumkrone über dem Abgrund nach Futter suchen. Mittlerweile haben sich alle Passagiere des Flugzeugs eingefunden. Der Sonnenuntergang ist atemberaubend. Der Abstieg auch. Denn wie vorhin erwähnt, die Stufen waren teilweise sehr hoch. Und wo ich nun oben stehe, fällt es mir schwer weiterzugehen – Höhenangst lässt grüßen.
Sobald die Sonne weg ist, wird es angenehm kühler. Also nicht kalt. Nur ein bisschen kühler. Bevor wir zu unseren Schuhen kommen, möchte Micha erwähnt haben, dass er einen Hahn gesehen hat. Auch die leben am Berg.

Wir werden von unseren freundlichen Fahrern in Empfang genommen und genießen die rasante Fahrt durch die frische Brise nach Hause. Langsam verstehe ich auch das ständige gehupe. Hier ist davon niemand genervt, und niemand hupt, weil er genervt ist. Es ist ein einfaches „Hallo, hier bin ich, bitte überfahr mich nicht!“ Es scheint zu funktionieren, denn der Verkehr fließt reibungslos. An einer Kreuzung kommen von allen Seiten zur gleichen Zeit Mopedfahrer und jeder weiß genau wie er zu fahren hat, dass sie einfach aneinander vorbeikommen. Vielleicht entwickeln wir ja sowas wie ein Gefühl dafür. Momentan trauen wir uns nicht mal zu Fuß da rein ;)

Nach einem kurzen frischmachen (und dem halben Verfassen dieses Textes) gehen wir noch mal auf die Straße und suchen was zu essen. Der einzige Laden den wir finden ist kurz vorm Königspalast, ein „Europäisches Restaurant“. Wir bestellen grünes Thaicurry mit Lamm und sind froh, dass unsere Zungen nicht ganz verbrannt sind, so scharf war das. Aber – trotzdem sehr lecker! Micha bekommt sein erstes Myanmar-Bier und wir können nun endlich nach Hause gehen und uns vom Tag erholen.

Mal sehen, was wir morgen sehen.

Anbei die Eindrücke vom Tag :)

P.S.: Ja Mama, wir sind gut angekommen ;)

~ Jule ~

5 Gedanken zu „Welcome to Mandalay

  1. Liebe Jule, es ist so herrlich, deine Erlebnisse mit verfolgen zu können. Deine malerisch verfassten Eindrücke beamen mich nach Asien. Und die grandiosen Fotos bestaune ich mit Gier. Bitte mehr von alle dem wann immer es geht !!!

    Gefällt 1 Person

  2. Jetzt muss ich alles neu schreiben, weil dem Bernd die Tastentöne gestört haben. Grrrr
    Also noch mal
    Bernd und ich hatten gestern auch einen schönen Tag. Im 5.20 Uhr bin ich mit dem M 41 zum Bahnhof gefahren ( und der Nus war voll – alles Putzleute, die zur Arbeit wollten. Unglaublich um die Uhrzeit). Um 6.04 gings mit dem Sorinter Richtung Karlsruhe und Bernd hat mich um 11 Uhr abgeholt. Dann gab es erst einmal einen Kaffee. Bei herrlichem Sonnenscheim, endlich mal nicht mehr so kalt. Dann kurz zur Wohnung meine Sachen wegbringen und dann in die Stadt. Bernd hat sich eine neue Sonnenbrille gekauft (für ca 190 Euro – das ist bei einem Gebrauch von 10 Jahren monatlich etwas mehr als nem Euro- also ganz billig).
    Danach sind wir rumgelaufen und schließlich beim Schloss gelandet. Dort sind wir 157 Stufen den Turm hochgelaufen, um die tolle Aussicht zu genießen. Leider gab es für Deine Mutter keinen Augzug. Es hat sich gelohnt und danach gab es lecker essen beim Chinesen und ich habe meine riesige Portion ganz aufgegessen. Danach zurück zur Wohnung zum Abhängen und quatschen. Gegen 22 Uhr kam noch eine Mitbewohnerin und der Abend endete gegen 1 Uhr. Ein sehr erholsamer Schlaf folgte.
    Jetzt sitzen wir in der Küche bei Kaffee und rauchen…
    Mal schauen, was der Tag heute bringt. Um 18.57 geht’s wieder zu den Katzen, die Dich sehr vermissen. Sie laufen viel durch die Wohnung und suchen Dich.
    So, das wars mal. Ganz liebe Grüße von Onkel Bernd und Deiner Mutter

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