Mandalay, Ava und Amarapura

Die letzten beiden Tage haben wir uns vertrauensvoll in die Hände unserer Mopedfahrer Kyaw Soe und, nennen wir ihn Mr. Aung, das ist der Name, der auf seiner Karte steht, die er sich wahrscheinlich mit seinem Bruder teilt, genauso wie seinen Job, denn Mr. Aung 1 war unser Mann am Donnerstag, sowie heute, sein Bruder, Mr. Aung 2 war gestern mit von der Partie. Alle drei waren unglaublich freundlich und immerzu bemüht uns unsere Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. Egal wie lange wir sie haben warten lassen, sobald wir nur in die Nähe vom Ausgang kamen, standen sie mit strahlendem Lächeln bereit. Da stellt sich die Frage… woher wissen die das?

Die genaue Reihenfolge lässt sich für uns leider nicht mehr ganz Revue passieren… dazu haben wir gefühlt zu viele Pagoden gesehen und, seien wir ehrlich, für uns ist eine Pagode eine Pagode, lediglich in der Art ihrer Bausubstanz für uns zu unterscheiden. Vielleicht, ja vielleicht, lernen wir ja noch dazu, ein paar Tage haben wir ja noch. Da, wie gesagt, die Reihenfolge sowieso hinfällig ist, berichtet ich nun nicht chronologisch sondern thematisch zusammenhängend. :)

Beeindruckend waren die Werkstätten. In akribischer Feinarbeit wird hier stundenlang Holz zu feinen Schnitzereien verarbeitet, aufwändige Muster in Stoffe verwebt und Gold zu Blattgold geschlagen. Ein Straßenzug kam ganz in weiß daher – dort wurden die Buddhafiguren aus weißem Stein (?) gemeißelt. Man fragt sich, wie das sein kann. Wieso dieses Volk so arm ist, warum die Waren so günstig, wo sie so viel Mühe und Arbeit in so liebevoll gemachte Stücke investieren. Unsere maschinell hergestellten Produkte können dagegen doch gar nicht ankommen, sie wirken langweilig und fade.

Recht zu Anfang waren wir am Sagaing Hill. Bestimmt ist die Aussicht von dort oben super, für mich waren es aber nach dem Mandalay Hill am Abend zuvor einfach zu viele Stufen und die Luft zu heiß, ich habe mich schließlich auf halber Höhe auf eine Bank gesetzt, den Ausblick genossen, ein bisschen Musik gehört, während ich auf Micha gewartet habe. Belohnt wurde ich mit einem sehr netten Gespräch mit einem Mönch in seiner wunderschönen dunkelroten Robe. Er war sehr neugierig und aufgeschlossen und hat mir zum Abschied die Hand gegeben. Mich hat das ein wenig verwundert, so hatte ich nach ausgiebiger Lektüre meiner Reiseführer gelesen, dass gerade Frauen nicht unbedingt die Leute anfassen sollen, gerade bei Kindern (vor allem deren Köpfen) und Mönchen sei Vorsicht geboten.
Wahrscheinlich haben die Mönche aber diese Reiseführer nicht gelesen, denn auch später stellten sie sich als recht körperkontaktfreudig heraus ;)

Schließlich ging es nach Ava. Kyaw Soe und Mr. Aung fuhren uns zur Fähre, die uns ans andere Ufer brachte. Dort nahmen wir, zusammen mit Anna aus Tschechien eine Pferdekutsche und wurden ca. 2 Stunden durch Ava gefahren mit vielen Stopps an diversen Pagoden und einem Wachturm. Die erste Zeit wurden wir von der süßen Ay-Ay (variable Schreibweise) auf ihrem Fahrrad begleitet, die sich in den Kopf gesetzt hatte, uns Souvenirs „ganz günstig“ zu verkaufen. Sie entpuppte sich als prima Guide, da sie ziemlich gut Englisch sprach und uns über alles mögliche etwas zu erzählen hatte. Wir begannen den Fehler, ihr zu früh etwas abzukaufen – dann war unser freundlicher Guide dahin.
Insgesamt ist das Leben in Ava sehr einfach und landwirtschaftlich geprägt. Überall laufen Hunde und Katzen herum und am Straßenrand stehen Kühe. Es gibt eine Schule, aber die schien gerade geschlossen zu haben. Alternativ bekommen die Kinder Zugang zur Bildung, wenn sie in das Bagaya-Kloster gehen.

Den Sonnenuntergang haben wir uns auf der U Bein Brücke angesehen. Ich versuche, die richtigen Worte zu finden, damit Papa sich nachträglich keine Sorgen machen muss, aber es ist gar nicht so einfach. Laut Wikipedia ist sie die älteste (von 1850) und längste (1200m) Teakholzbrücke der Welt. Der Zustand ist „generell gut“, aber eine zunehmende Anzahl verfaulender Pfähle gibt Anlass zu Sorge. Einige werden bereits nur noch über seitliche Querträger gehalten, ihr unterer Teil ist gänzlich verrottet. Gut, dass ich das nicht vorher gewusst habe!
Trotzdem habe ich es nicht geschafft, weit zu gehen. Die Brücke ist ca. 2m breit, gefühlt 10m hoch (ok, ist übertrieben) und von einem Geländer gibt es keine Spur. Ja, die Menschen gehen sehr respektvoll miteinander um und man wird nicht angerempelt. Trotzdem, wenn man kurz stehenbleibt spürt man wie sehr der Bau wackelt. Zu meinem Glück fand ich Platz auf einer der Bänke, neben zwei netten Herren aus Deutschland. Lars versprach, die Brücke würde die nächsten Jahre nicht einstürzen, aber ich wollte dennoch lieber dort sitzen bleiben. Micha ging derweil weiter.
Spektakel wurde mir auch so genug geboten. Die vorbei ströhmenden Menschenscharen brachten viel Unterhaltung, ein junges Pärchen wollte gern mit uns fotografiert werden und prompt saß das Mädchen fast auf meinem Schoß und hatte die Arme um mich geschlungen. Soviel zur Zurückhaltung ;)

Abendessen gab es an einem indischen Straßenstand. Dort sitzt man auf Plastikstühlen am Straßenrand und bekommt serviert, was vor unseren Augen zubereitet wird. Meinem Vorhaben, vegetarisch zu essen zum trotz gab es für uns beide Chicken Curry. Man möchte ja vergleichen können mit dem Essen zuhause. Was uns da für umgerechnet 3,70€ serviert wurde steht in keinem Verhältnis, wir haben bei weitem nicht alles geschafft – und es war unglaublich lecker. (Toitoi, der Magen hält sich auch ganz gut, siehst Du Thomas – alles kein Problem ;) )

Heute gab es dann wieder ganz viele Pagoden und Klöster. Also nicht falsch verstehen, die sind wirklich alle unglaublich beeindruckend und es ist unfair, dass sie hier nur kurz Erwähnung finden. Aber ich müsste die ganze Nacht durchschreiben, würde ich jede einzelne ausreichend beschreiben.
Wovon ich aber berichten möchte, ist der Königspalast. Dieses riesige Areal ist nahe unseres Guest House gelegen und durch eine Mauer und einen Wassergraben von der restlichen Stadt abgegrenzt. Für Ausländer ist nur ein kleiner Bereich des Geländes begehbar da der größte Teil Militärgelände und somit verboten ist. Schon am Eingang wird man von den strengen Blicken der Militärs mit ihren Waffen begrüßt, was sicher nicht nur mir ein mulmiges Gefühl bereitet. Der Weg zum Palast ist sehr einfach – wir dürfen ja nur gerade aus. Kaum haben wir das Tor passiert, werden uns Fahrräder angeboten. Was irgendwie witzig ist, denn diese Fahrräder dürften sich bei uns zuhause kaum als solche schimpfen. Wir sind nur minimal schneller als zu Fuß und Bremsen sind zwar netterweise verbaut – funktionieren aber nicht. Aber gut, wenigstens sitzen ;)
Kurz vor dem Palast kehren wir in eines der Straßenlokale ein und genießen eine kalte Pepsi. Ein Militär gesellt sich zu uns und stellt sich als echt nette Type raus, sehr kontaktfreudig und bemüht Englisch zu reden. Bald dazu kommt auch sein Kumpel dazu, Taxifahrer, der ein bisschen übersetzt und uns erklärt, wie wenig so ein Soldat verdient.

Im Palast selber waren erstaunlich wenig Europäer vertreten. Wir kamen uns vor, als seien wir die Sehenswürdigkeit, nicht die Anlage selbst. Ich will gar nicht wissen, auf wie vielen Fotos meine grünen Haare nun gelandet sind. Am skurrilsten war ein Mönch, der uns mit Zeichensprache fragte, ob er ein Foto mit uns mit seinem Smartphone machen könnte. Bald machen wir uns T-Shirts mit der Aufschrift „Foto = 1000 Kyat“, dann kommen wir mit mehr Geld nach Hause als wir vorher hatten.

Zum Abendessen gab es dann typisches lokales Essen im Shan Buffet. Wir haben keine Ahnung, was wir da gegessen haben, aber es war unglaublich gut. Vor allem die Suppe, die hat es mir angetan.

Und nun ist es kurz vor elf und ich hoffe, ja ich hoffe wirklich, diese Nacht kann ich mal vernünftig schlafen.

Anbei sende ich ein paar Bilder von gestern, die von heute warten noch auf Selektion und Bearbeitung. Folgt vielleicht, wenn die Nacht wieder schlaflos bleibt.

@ Thomas: Leider habe ich noch keine Fotos von Bussen oder Haltestellen, da ich mich nicht traue, auf dem Moped mit der Kamera zu hantieren. Ich hoffe, das Pferde-Taxi tut es auch erstmal ;)

~ Jule ~

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4 Gedanken zu „Mandalay, Ava und Amarapura

  1. Ich möchte eben mal kurz sagen, dass die Brücke locker 4m Breit und nur vlt. 5m hoch ist und man kann dort im lockeren schländerschritt drüberlaufen und es hat fast nicht gewackelt.
    Die Pfähle standen auch einen Meter über, so dass man von einem halben geländer sprechen kann…..
    Dazu kommt noch das die Brücke über einen See führt, d. h. selbst wenn man runterfallen sollte, was höst unwarscheinlich ist., dann fällt man ins Wasser!

    mit besten grüßen
    dein Reisebegleiter

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    • Recherche hat ergeben, die Brücke ist 3 m breit, womit keiner Recht hatte, aber einen Versuch ist es natürlich wert meine Höhenangst in Grund und Boden zu reden.

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  2. Liebe Julia, ich bin total begeistert von deinen Reise/Abenteuerberichten, vielen lieben Dank für die ausführliche Berichterstattung. Wenn ich abends von der Arbeit komme, erst mal Leppi an uns lesen, was Julia wieder spannendes erlebt hat.
    Heute fahre ich in Urlaub an die Nordsee, ohne Leppi, einfach mal Ruhe und Erholung tanken.
    Ich freue mich, wenn ich wiederkomme und all deine tollen Erlebnisse nachlesen kann.
    Hab noch eine wunderschöne Zeit mit vielen spannenden Abenteuern.

    Hab dich lieb, pass auf dich auf und ich bin dann auch mal weg

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