Drei mal rechts ist einmal links, warum es kein Geld gibt und auf zum Inle See

Nach dem Wasserfall-Fall hat mich erstmal eine schöne Erkältung erwischt. Mir war das in dem Moment klar, als der Laster losfuhr und ich im Zug saß.
Scheinbar ist das eine meiner speziellen Geheimkräfte, denn ich habe offenbar ein Talent dazu, bei besonders hohen Temperaturen eine Erkältung zu bekommen.
Das ist einer der Gründe für die vorübergehende Funkstille, denn trotz Erkältung geht das Leben ja weiter und einfach im Bett liegen ist nicht drin. Deswegen haben wir nur etwas langsamer gemacht, aber nicht nichts.

Am Montag haben wir uns Fahrräder geliehen. Das Problem mit den Fahrrädern habe ich ja beim Königspalast schon mal angeschnitten. Meins war so klein, dass meine Knie fast an den Lenker kamen und der Sattel so blöd platziert, dass ich stets vorn runterzurutschen begann. Meine von Gliederschmerzen und oder Muskelkater (woher der Schmerz kommt, ist ja dann eigentlich auch egal) geplagten Beine hatten also besonders gut zutun. Aber, laut Micha, ist Fahrradfahren viel weniger anstrengend als durch die Stadt zu laufen. Bei der Hitze und so.
Mein Ziel war es, noch einmal zu den Steinmetzen zu fahren, denn in dieser wundersamen Straße, die ganz von weißem Staub überzogen ist, hatte ich etwas gesehen, das ich gern mitnehmen würde. Darüber hinaus liefen wir langsam Gefahr, an die Grenzen unseres Bargeldes zu stoßen und so beschlossen wir, unterwegs noch nach ATMs zu suchen um dieses Problem schnell zu beheben. Außerdem hätten wir gern die Post besucht.
Da wir vom Guest House eine kleine Karte mit vermerkten ATMs bekommen hatten, beschlossen wir, dies als erstes anzugehen. Auf die Räder geschwungen und los!
Eine sehr wackelige Angelegenheit, vor allem in einem Verkehr, dessen Regeln wir noch lernen müssen.

Am Anfang ist es am einfachsten, sich beim Überqueren einer Straße an das dickste Auto zu hängen, dass sich finden lässt. Naja, Hauptsache Auto. Alle halten, wenn ein Auto fährt. Links abbiegen war auch nicht gleich unsere bevorzugte Richtung, daher probierten wir es so lange mit rechts um den Block fahren, bis wir links angekommen waren. Geht doch auch.
Beim ATM wieder das gleiche Spiel wie am Flughafen… der erste nimmt die Karte nicht, der zweite hat gar kein Geld, was sich erst durch mehrfaches ausprobieren rausfinden lässt, beim dritten haben wir Glück. Wir bekommen zwar nicht so viel wie erhofft, aber immerhin so viel, dass wir das Hotel bezahlen können. Vielleicht finden wir ja unterwegs einfach nochmal einen.
Die eingezeichnete Post gibt es schon gar nicht mehr. Dafür sind wir sogar einmal links abgebogen!
Dafür müssen wir jetzt erstmal was Essen und halten beim nächst besten Stand an um erstmal eine Pause zu machen und uns zu erholen. Es gibt irgendwas mit Hühnchen und Reis. Schmeckt.
Auf dem Weg zu den Steinmetzen, Micha ist sich ziemlich sicher, dass er weiß wo es langgeht, kommen wir an einer Eisdiele vorbei. Ich kann nicht anders, selbst als Nicht-Eis-Fan muss ich das ausprobieren. Es gibt Tuttifrutti-Eis in schillernden Farben. Ich stehe nicht auf Tuttifrutti aber wer kann bei der Farbe nein sagen? Als Creme-De-La-Creme streut der liebe Eismann noch bunte Streusel oben drauf!
Der Popo fängt langsam an wehzutun vom Fahrradsitz. Oder noch von gestern, lässt sich nicht so klar definieren. Wir kommen bei der Pagode an, neben der die Steinmetze ihre Straße haben. Natürlich fahren wir so, dass wir einmal drumrum fahren müssen. Nun ist es so spät, dass die guten Steinmetze ihre Stände schon abgebaut haben und ich weiß nicht mehr so recht, wo genau ich das gute Stück gefunden habe. Ich hole meine Kamera aus dem Gepäck, denn ich habe den Stand ja fotografiert, und schaue, was in etwa so aussehen könnte. Mit dem Foto gehe ich auf eine junge Frau zu und zeige darauf. Sie fängt an zu strahlen, bedeutet mir reinzukommen und die ganze Familie steht strahlend um mich rum. Sie packen nochmal alles aus, bis ich finde, was ich suche. Am Ende sagen sie mir, wie schön ich bin und bedanken sich. Ich strahle auch, denn mein Ziel ist erreicht. Nun kann es zurück gehen und ich gut schlafen.
Wir geben die Fahrräder ab (und wie gern ich das mache!) und essen noch einmal zu Abend im Shan-Buffet.

Am Dienstag wollen wir nur noch mal zu Fuß nach weiteren ATMs suchen. Wir mussten das Zimmer bis 12 Uhr räumen, da wir entschieden haben, abends zum Inle See zu fahren. Das Busticket haben wir im Guest House bekommen und werden da um 18:30 abgeholt.
Das mit dem Geld haben wir uns irgendwie anders vorgestellt. An wie vielen Automaten wir waren, kann ich gar nicht mehr sagen. Zweimal hat Micha eine kleine Summe bekommen. ALLE anderen waren LEER. Selbst das Personal der Banken konnte uns nicht weiterhelfen. Nach dem Gefühlt 100. Versuch wurde mir die Sache zu bunt, ich war sichtlich genervt und schlug vor, zurück zum Guest House zu gehen. Fahren wir halt ohne Geld zum Inle See. (Das Problem war, dass ich mich nicht erinnern konnte, was im Reiseführer bezüglich Geldautomaten am Inle See stand. In einigen Orten bekommt man halt einfach kein Geld) Ich setzte mich in die Hotellobby und schlief da tatsächlich auch ein. Micha ging nochmal allein los um Geld zu holen… und kam mit leeren Händen zurück. Leeren waren sie nicht, er hatte einen Stapel ATM-Quittungen dabei auf denen stand „Automat leer“ (das stand da natürlich nicht… aber vom Sinn her das gleiche). Jetzt war sogar er genervt.

Um 18:30 wurden wir wie versprochen abgeholt und mit einem Kleinbus zum Busbahnhof gefahren. Dort durften wir dann bis 20:30 warten, bis unser Reisebus losfuhr. Die Wartezeit versüßte uns eine kleine Einheimische Familie, die ihren Jüngsten dazu anstiftete, Fotos von und mit uns zu machen. Der kleine Mann, vielleicht 3 Jahre alt, traute sich natürlich nicht so recht. Aber er hielt sein riesiges Smartphone tapfer in der Hand.
Die Reise war eine Wohltat. Der Sitze sehr bequem, mit viel Beinfreiheit, es gab Wasser und Snacks und eine Decke. Die Decke war das wichtigste – der Bus wurde auf 18° runtergekühlt und wir froren wie im Winter. Warum die das machen? Man weiß es nicht!
Anfangs habe ich versucht, mein neues Buch mit dem Kindle zu lesen, leider verschwammen irgendwann die Buchstaben im ewigen Auf und Ab. Dann habe ich den Bericht über den Wasserfall-Fall angefangen, aber auch da verschwamm irgendwann alles. Also habe ich geschlafen. Irgendwann wurde ich geweckt und es hieß, wir müssen den Bus wechseln. Mitten in der Nacht, im absoluten Nirgendwo steigen also wir und ein paar andere Leute aus und sitzen dann in einer kleinen Hütte und warten.
Und, als hätte ich es nicht geahnt, kommt ein Pritschenwagen! Immerhin waren die Sitze diesmal gepolstert… ein kleiner Trost. Wir werden gefragt, wo wir hin wollen. Micha antwortet, wir haben nichts gebucht. Kurzes Lachen, dann wird uns was empfohlen. Den Wagen teilen wir uns mit einem italienischen Pärchen und dem Besitzer des indischen Restaurants „Diamond“, der uns erzählt, dass er zwar Birmane ist, aber 17 Jahre in Thailand gelebt hat und nun mit seiner Thailändischen Frau und den zwei Kindern zurückgekommen ist um das Restaurant zu führen. Er steigt als erstes aus und wir erhaschen einen kurzen Blick auf sein Lokal.
Als nächstes sind wir dran. Das Hostel Win Nyunt Inn gefällt uns auf den ersten Blick, auch wenn es keine Klimaanlage gibt und das Licht im Bad nicht funktioniert. Aber das Zimmer hat so schöne Steine an den Wänden. Es ist 5 Uhr früh als ich ins Bett falle. So ungefähr. Internet funktioniert nicht. Aber darum wird sich morgen gekümmert.

Dass das Internet dann doch irgendwann ging, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Sonst hätte ich ja nicht posten können.
Der Mittwoch war dann ganz entspannt. Lange schlafen – hatte ich ja auch echt mal nötig – und dann nur ein bisschen durch den Ort laufen. Und siehe da, hier steht einfach so ein ATM und wir bekommen die Höchstsumme ohne murren und knurren ausgezahlt. *Ohne Worte*
Essen gibts dann indisch. Natürlich im Diamond. Die thailändische Frau des Besitzers ist der Hammer, eine unglaublich sympathische Mischung aus durchgeknallt und verrückt. Sie spricht ein paar Sätze Deutsch (wie sich später herausstellt spricht sie von gefühlt JEDER Sprache zumindest ein paar Sätze) und man möchte sie gleich ins Herz schließen. Beim Bestellen schreit sie nach jedem geäußerten Wunsch in die Küche und klatscht in die Hände.  Nach dem vorzüglichen Mahl nimmt sie uns das Versprechen ab, am nächsten Tag wiederzukommen.
Als wir zurückgehen, geht gerade der rote Mond auf. Wir holen schnell die Stative und versuchen unser Glück. Er ist zwar nicht mehr rot, als wir bereit sind, aber voll und wunderschön.
Insgesamt ist die Gegend hier wunderschön. Zwar immer noch staubig, aber sehr viel ruhiger als das hektische Mandalay.
Jetzt sind wir fast wieder up to date :)

Anbei ein Foto vom Eis und eins vom Mond. Viel Freude :)

~ Jule ~

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