Time flies…

… wundervolle Tage voller Schnee, Kälte und Fotos liegen hinter uns. Und jetzt, so hin- und hergerissen zwischen „bleib ich einfach wach“ oder „schlafe ich wenigstens zwei Stunden“ blicke ich zurück und kann gar nicht fassen, wie wunderschön und viel zu kurz die Zeit hier war…

Tag zwei und drei sind arg verschneit. Am Montag fahren die Jungs und ich nach dem Mittagessen zumindest bis zum Hai-Museum (ca. 15km entfernt) und probieren todesmutig ein paar Stücke Hakarl (Gammelhai). Die Isländische Spezialität schmeckt gewöhnungsbedürftig, aber weitaus besser als Peter uns vorher weiß machen will. Dem Eigentümer, einem kleinen rundlichen und stets strahlenden Isländer entgeht die Ironie nicht, dass die Deutschen in ihrem Sprachgebrauch 3 Worte für den Gammelhai (Grönlandhai/Eishai) haben, obwohl dieser Hai in unseren Gewässern gar nicht existiert.

Nach einem kurzen Ausstecher zur Trockenhütte in der noch viele Stücke des Hais vor sich hin trocknen und reifen und ganz zauberhaft dabei duften, machen wir uns wieder auf den Weg ins Hotel. Statt Fototour gibt es Fotoschulung – wir machen das Beste aus der schlecht-Wetter-Situation und lernen viel dabei.

Dienstag herrscht ähnlich schlechtes Wetter – sofern man Schnee als schlecht bezeichnen möchte. Die Straßen sind vereist und teilweise gesperrt. Wir fahren bis Olafsvik, trinken einen Kaffee und fahren dann doch wieder zurück. Schneetreiben sorgt für schlechte Sicht und weiter westlich tobt ein Orkan. Sicherheit geht vor! Zum Mittag gibt es Fischsuppe – das beste Essen überhaupt und später wage ich mich mit Cornelia zusammen ein Stück hinter das Hotel Richtung Hafen um auf eigene Faust zu fotografieren. Klappt supergut und wir kehren happy zurück.

Nach dem Abendessen, so ca. gegen 21 Uhr packen wir uns superwarm ein und kehren zu „unserem“ Wasserfall (Kirkjufellsfoss) zurück um auf das Polarlicht zu warten. Leider erfolglos. Es windet so stark, dass es superkalt wird und wir brechen die Jagd ab. Morgen ist auch noch ein Tag.

Mittwoch klart es endlich auf. Zum Sonnenaufgang geht es zum Wasserfall. Das erhoffte Farbenspiel bleibt aus – dennoch ist die Aussicht unschlagbar. Nach einer kurzen Kaffeepause – Kaffeetante Rudi hätte sicher nicht ohne ausgehalten! – fahren wir erneut nach Olafsvik und von dort aus Richtung Südküste der Halbinsel zur Búðakirkja (Budir Kirche). Bei der Kirche machen wir einige schöne Aufnahmen im Sonnenlicht und werden Zeugen von Dreharbeiten zu einem Musikvideo. Da die Dreharbeiten kein Ende finden, findet unser Ausflug dorthin ein schnelleres.

In einem Café in Arnarstapi machen wir Mittagspause. Fühlt sich an wie bei Oma – keine Tasse passt zur anderen, Teppiche liegen vor dem Kamin und Stühle und Tische sind wild zusammengewürfelt. Wie gemütlich! Für mich gibt es Lammsuppe und eine heiße Schokolade.

Zum Sonnenuntergang begeben wir uns zum Bogenfelsen Gatklettur, der an der Küste aus dem Meer ragt. Gegen halb sechs brechen wir dann wieder auf und kehren ins Hotel zurück. Nach dem Abendessen vertrauen wir auf die schlechte Polarlichtvorhersage. Als wir es schließlich am Nachthimmel entdecken und zu unserem Wasserfall eilen verpassen wir es knapp. Die Wolken ziehen sich so schnell zu, so dass wir ohne Bild schließlich aufgeben müssen.

Den Donnerstag beginnen wir mit einer Fahrt über den Pass, erneut an die Südküste und einem superschönen Sonnenaufgang über den Felstürmen von Lóndrangar. Zum Mittag gibt es erneut Lammsuppe in Arnarstapi und statt einer schwarzen eine weiße Kirche mit rotem Dach. Den ganzen Tag über ist es bewölkt, was unseren Fotos gut tut. Doch auch Nachts ist es wieder bewölkt und wir müssen unsere Polarlichtsuche erneut abbrechen.

Der Freitag ist Abschiedstag. Abschied vom Hotel Framnes und Grundarfjördur. Unterwegs auf unserem Weg zurück Richtung Keflavík machen wir noch einmal bei den Islandpferden halt. Wahrscheinlich hält Peter uns schon für verrückt, denn während der ganzen Reise war das Geschrei nach den „süßen Hottehüs“ größer als das nach den Polarlichtern. Und ja, wir haben Glück, die gleichen Ponys wie auf der Hinfahrt stehen am Zaun und nehmen uns freudig in Empfang und knabbern was das Zeug hält an Haaren, Jacken, Händen und Kameragurten. Wir können uns gar nicht mehr losreißen.

Schließlich erreichen wir das Lighthouse Inn, checken ein und machen uns auf den Weg zum nahegelegenen Leuchtturm für ein paar letzte Aufnahmen.

Die abschließende Bildbesprechung fällt milde aus und wir sind alle begeistert – vor allem von der Vielfalt der Aufnahmen. Ein letztes Mal gehen wir gemeinsam Essen und sitzen später noch bei einem Glas Wein im Hotel zusammen. Tauschen uns aus, schwärmen von der schönen Zeit. Ein letzter Blick nach draußen – nein, auch heute haben wir kein Polarlichtglück. Ein herzlicher Abschied im Flur.

Ich werde in aller Früh den Anfang machen, mein Flug ist der erste, um 6 Uhr in der Früh. Seien wir ehrlich, da lohnt sich schlafen doch gar nicht mehr. Gleich öffne ich meinen letzten Skyr und warte auf einen neuen Tag.

Und wie das auf Reisen so ist, man lernt nie aus. Neben all den fotografischen Dingen, die ich dazu gelernt habe (auch das hört nie auf), weiß ich jetzt: ich liebe Fischsuppe, wenn es kalt ist kann man so viel essen und muss kein schlechtes Gewissen dabei haben, für manche Autotüren braucht es starke Männer, man kann der Höhenangst dann und wann ins Gesicht lachen – und es braucht nur sieben Tage um aus Fremden Freunde zu machen.

~ Jule ~

Träume…

… muss man manchmal einfach wahr werden lassen. Und am besten funktioniert das Hals über Kopf spontan.

Manchmal gerät das Leben ein bisschen aus den Fugen und man muss mit der Faust auf den Tisch hauen, Ordnung machen und Entscheidungen treffen. Manchmal weiß man auch nicht, ob diese Entscheidungen die richtigen sind, aber sie sind nun getroffen und für so viel Mut muss man sich belohnen und vielleicht noch einmal etwas verrücktes machen bevor es losgeht.

Und so brachte mich Google auf der Suche nach einer spontanen Reise möglichst-weit-weg zu Peter Fischer und einer Fotoreise nach Island. Spontan heißt, ich schickte am 27.12. eine Anfrage, ob noch ein Platz frei sei – ein wenig in der Hoffnung eine negative Antwort zu bekommen um dann nicht weiter darüber nachdenken zu müssen, ob ich mir den Spaß überhaupt leisten kann. Natürlich wurde diese Hoffnung nicht erfüllt, also sagte ich am 30.12. zu und nun lieg ich hier auf meinem Bett in einem kleinen, lauschigen Hotel in Grundarfjördur und schreibe diese Zeilen.

Anreise ist am 12.01. mit einem wundervollen lilafarbenen Flugzeug von WOW air. Das der Flughafen Schönefeld zunehmend eine Zumutung ist, muss ich an dieser Stelle wahrscheinlich nicht erwähnen – tue es aber trotzdem. Vom Flughafen Reykjavik gehts mit dem Flybus zum Hotel. Ich bin der letzte Fahrgast und der Busfahrer gönnt mir eine „extra Sightseeing-Tour“ und bringt mich direkt bis vor die Tür, auch wenn ich die letzten 300 Meter auch hätte laufen können.

Um 18:30 treffe ich die Reisegruppe: Peter, Wojciech, Rudolf, Sonja und Cornelia. Wir machen uns bekannt, sprechen über den Verlauf der Reise und gehen schließlich ums Eck (wortwörtlich: aus der Hoteltür raus und zwei Meter nach links ins Restaurant) Pizza essen.

Am Sonntag geht es dann richtig los. Um 10 Uhr checken wir aus, verstauen unser Gepäck im 7-Mann-Bus und fahren Richtung Grundarfjördur. Unterwegs machen wir Stopp an zwei Tankstellen, einem Restaurant im Nirgendwo, wo es super gute Gemüsesuppe gibt und bei den ersten Foto-Spotts: Landschaft, Islandpferde und Wasserfall. Die Pferde sind zutraulich und neugierig und halten mich für was zu Essen, denn sie knabbern mit vorliebe an meiner Jacke (vielen Dank an Cornelia für das schöne Foto mit meinem neuen Freund).

Das Hotel haben wir für uns ganz allein, nicht einmal der Besitzer ist da – die Schlüssel haben wir am Abend zuvor in Reykjavik übergeben bekommen. Wir beziehen unsere Zimmer, gehen zu Abend essen und machen uns dann gegen halb 10 auf zu unserem Berg – Polarlichter fotografieren. Die lassen eine ganze Weile auf sich warten und verstecken sich hinter den Wolken. Als wir schon aufgegeben haben und vom Wasserfall hinunter zum Auto maschiert sind, checkt Peter noch einmal den Himmel und schickt uns wieder zurück. Die Anstrengung den Hügel hinauf bringt die nötige Wärme und wir harren noch bis ca. 1 Uhr aus und werden fürstlich entlohnt: Meine ersten Polarlichtfotos, ein Traum wird wahr.

~ Jule ~