Drei mal rechts ist einmal links, warum es kein Geld gibt und auf zum Inle See

Nach dem Wasserfall-Fall hat mich erstmal eine schöne Erkältung erwischt. Mir war das in dem Moment klar, als der Laster losfuhr und ich im Zug saß.
Scheinbar ist das eine meiner speziellen Geheimkräfte, denn ich habe offenbar ein Talent dazu, bei besonders hohen Temperaturen eine Erkältung zu bekommen.
Das ist einer der Gründe für die vorübergehende Funkstille, denn trotz Erkältung geht das Leben ja weiter und einfach im Bett liegen ist nicht drin. Deswegen haben wir nur etwas langsamer gemacht, aber nicht nichts.

Am Montag haben wir uns Fahrräder geliehen. Das Problem mit den Fahrrädern habe ich ja beim Königspalast schon mal angeschnitten. Meins war so klein, dass meine Knie fast an den Lenker kamen und der Sattel so blöd platziert, dass ich stets vorn runterzurutschen begann. Meine von Gliederschmerzen und oder Muskelkater (woher der Schmerz kommt, ist ja dann eigentlich auch egal) geplagten Beine hatten also besonders gut zutun. Aber, laut Micha, ist Fahrradfahren viel weniger anstrengend als durch die Stadt zu laufen. Bei der Hitze und so.
Mein Ziel war es, noch einmal zu den Steinmetzen zu fahren, denn in dieser wundersamen Straße, die ganz von weißem Staub überzogen ist, hatte ich etwas gesehen, das ich gern mitnehmen würde. Darüber hinaus liefen wir langsam Gefahr, an die Grenzen unseres Bargeldes zu stoßen und so beschlossen wir, unterwegs noch nach ATMs zu suchen um dieses Problem schnell zu beheben. Außerdem hätten wir gern die Post besucht.
Da wir vom Guest House eine kleine Karte mit vermerkten ATMs bekommen hatten, beschlossen wir, dies als erstes anzugehen. Auf die Räder geschwungen und los!
Eine sehr wackelige Angelegenheit, vor allem in einem Verkehr, dessen Regeln wir noch lernen müssen.

Am Anfang ist es am einfachsten, sich beim Überqueren einer Straße an das dickste Auto zu hängen, dass sich finden lässt. Naja, Hauptsache Auto. Alle halten, wenn ein Auto fährt. Links abbiegen war auch nicht gleich unsere bevorzugte Richtung, daher probierten wir es so lange mit rechts um den Block fahren, bis wir links angekommen waren. Geht doch auch.
Beim ATM wieder das gleiche Spiel wie am Flughafen… der erste nimmt die Karte nicht, der zweite hat gar kein Geld, was sich erst durch mehrfaches ausprobieren rausfinden lässt, beim dritten haben wir Glück. Wir bekommen zwar nicht so viel wie erhofft, aber immerhin so viel, dass wir das Hotel bezahlen können. Vielleicht finden wir ja unterwegs einfach nochmal einen.
Die eingezeichnete Post gibt es schon gar nicht mehr. Dafür sind wir sogar einmal links abgebogen!
Dafür müssen wir jetzt erstmal was Essen und halten beim nächst besten Stand an um erstmal eine Pause zu machen und uns zu erholen. Es gibt irgendwas mit Hühnchen und Reis. Schmeckt.
Auf dem Weg zu den Steinmetzen, Micha ist sich ziemlich sicher, dass er weiß wo es langgeht, kommen wir an einer Eisdiele vorbei. Ich kann nicht anders, selbst als Nicht-Eis-Fan muss ich das ausprobieren. Es gibt Tuttifrutti-Eis in schillernden Farben. Ich stehe nicht auf Tuttifrutti aber wer kann bei der Farbe nein sagen? Als Creme-De-La-Creme streut der liebe Eismann noch bunte Streusel oben drauf!
Der Popo fängt langsam an wehzutun vom Fahrradsitz. Oder noch von gestern, lässt sich nicht so klar definieren. Wir kommen bei der Pagode an, neben der die Steinmetze ihre Straße haben. Natürlich fahren wir so, dass wir einmal drumrum fahren müssen. Nun ist es so spät, dass die guten Steinmetze ihre Stände schon abgebaut haben und ich weiß nicht mehr so recht, wo genau ich das gute Stück gefunden habe. Ich hole meine Kamera aus dem Gepäck, denn ich habe den Stand ja fotografiert, und schaue, was in etwa so aussehen könnte. Mit dem Foto gehe ich auf eine junge Frau zu und zeige darauf. Sie fängt an zu strahlen, bedeutet mir reinzukommen und die ganze Familie steht strahlend um mich rum. Sie packen nochmal alles aus, bis ich finde, was ich suche. Am Ende sagen sie mir, wie schön ich bin und bedanken sich. Ich strahle auch, denn mein Ziel ist erreicht. Nun kann es zurück gehen und ich gut schlafen.
Wir geben die Fahrräder ab (und wie gern ich das mache!) und essen noch einmal zu Abend im Shan-Buffet.

Am Dienstag wollen wir nur noch mal zu Fuß nach weiteren ATMs suchen. Wir mussten das Zimmer bis 12 Uhr räumen, da wir entschieden haben, abends zum Inle See zu fahren. Das Busticket haben wir im Guest House bekommen und werden da um 18:30 abgeholt.
Das mit dem Geld haben wir uns irgendwie anders vorgestellt. An wie vielen Automaten wir waren, kann ich gar nicht mehr sagen. Zweimal hat Micha eine kleine Summe bekommen. ALLE anderen waren LEER. Selbst das Personal der Banken konnte uns nicht weiterhelfen. Nach dem Gefühlt 100. Versuch wurde mir die Sache zu bunt, ich war sichtlich genervt und schlug vor, zurück zum Guest House zu gehen. Fahren wir halt ohne Geld zum Inle See. (Das Problem war, dass ich mich nicht erinnern konnte, was im Reiseführer bezüglich Geldautomaten am Inle See stand. In einigen Orten bekommt man halt einfach kein Geld) Ich setzte mich in die Hotellobby und schlief da tatsächlich auch ein. Micha ging nochmal allein los um Geld zu holen… und kam mit leeren Händen zurück. Leeren waren sie nicht, er hatte einen Stapel ATM-Quittungen dabei auf denen stand „Automat leer“ (das stand da natürlich nicht… aber vom Sinn her das gleiche). Jetzt war sogar er genervt.

Um 18:30 wurden wir wie versprochen abgeholt und mit einem Kleinbus zum Busbahnhof gefahren. Dort durften wir dann bis 20:30 warten, bis unser Reisebus losfuhr. Die Wartezeit versüßte uns eine kleine Einheimische Familie, die ihren Jüngsten dazu anstiftete, Fotos von und mit uns zu machen. Der kleine Mann, vielleicht 3 Jahre alt, traute sich natürlich nicht so recht. Aber er hielt sein riesiges Smartphone tapfer in der Hand.
Die Reise war eine Wohltat. Der Sitze sehr bequem, mit viel Beinfreiheit, es gab Wasser und Snacks und eine Decke. Die Decke war das wichtigste – der Bus wurde auf 18° runtergekühlt und wir froren wie im Winter. Warum die das machen? Man weiß es nicht!
Anfangs habe ich versucht, mein neues Buch mit dem Kindle zu lesen, leider verschwammen irgendwann die Buchstaben im ewigen Auf und Ab. Dann habe ich den Bericht über den Wasserfall-Fall angefangen, aber auch da verschwamm irgendwann alles. Also habe ich geschlafen. Irgendwann wurde ich geweckt und es hieß, wir müssen den Bus wechseln. Mitten in der Nacht, im absoluten Nirgendwo steigen also wir und ein paar andere Leute aus und sitzen dann in einer kleinen Hütte und warten.
Und, als hätte ich es nicht geahnt, kommt ein Pritschenwagen! Immerhin waren die Sitze diesmal gepolstert… ein kleiner Trost. Wir werden gefragt, wo wir hin wollen. Micha antwortet, wir haben nichts gebucht. Kurzes Lachen, dann wird uns was empfohlen. Den Wagen teilen wir uns mit einem italienischen Pärchen und dem Besitzer des indischen Restaurants „Diamond“, der uns erzählt, dass er zwar Birmane ist, aber 17 Jahre in Thailand gelebt hat und nun mit seiner Thailändischen Frau und den zwei Kindern zurückgekommen ist um das Restaurant zu führen. Er steigt als erstes aus und wir erhaschen einen kurzen Blick auf sein Lokal.
Als nächstes sind wir dran. Das Hostel Win Nyunt Inn gefällt uns auf den ersten Blick, auch wenn es keine Klimaanlage gibt und das Licht im Bad nicht funktioniert. Aber das Zimmer hat so schöne Steine an den Wänden. Es ist 5 Uhr früh als ich ins Bett falle. So ungefähr. Internet funktioniert nicht. Aber darum wird sich morgen gekümmert.

Dass das Internet dann doch irgendwann ging, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Sonst hätte ich ja nicht posten können.
Der Mittwoch war dann ganz entspannt. Lange schlafen – hatte ich ja auch echt mal nötig – und dann nur ein bisschen durch den Ort laufen. Und siehe da, hier steht einfach so ein ATM und wir bekommen die Höchstsumme ohne murren und knurren ausgezahlt. *Ohne Worte*
Essen gibts dann indisch. Natürlich im Diamond. Die thailändische Frau des Besitzers ist der Hammer, eine unglaublich sympathische Mischung aus durchgeknallt und verrückt. Sie spricht ein paar Sätze Deutsch (wie sich später herausstellt spricht sie von gefühlt JEDER Sprache zumindest ein paar Sätze) und man möchte sie gleich ins Herz schließen. Beim Bestellen schreit sie nach jedem geäußerten Wunsch in die Küche und klatscht in die Hände.  Nach dem vorzüglichen Mahl nimmt sie uns das Versprechen ab, am nächsten Tag wiederzukommen.
Als wir zurückgehen, geht gerade der rote Mond auf. Wir holen schnell die Stative und versuchen unser Glück. Er ist zwar nicht mehr rot, als wir bereit sind, aber voll und wunderschön.
Insgesamt ist die Gegend hier wunderschön. Zwar immer noch staubig, aber sehr viel ruhiger als das hektische Mandalay.
Jetzt sind wir fast wieder up to date :)

Anbei ein Foto vom Eis und eins vom Mond. Viel Freude :)

~ Jule ~

Der Wasserfall-Fall

Ich habe jetzt ein paar Tage nicht geschrieben, aber das heißt nicht, dass wir nichts erlebt haben. Ehrlich gesagt, haben wir eine ganz nette Geschichte erlebt, aber Micha hat mir das Versprechen abgenommen, dass ich diese nicht poste, bis er nicht mit seiner Mutter (an dieser Stelle einen lieben Gruß) gesprochen hat und ihr versichern konnte, dass wir noch am Leben sind.

Da dies nun geschehen ist, kann ich nun also allen berichten, was wir erlebt haben. Am Sonntag, nachdem wir endlich einmal ausgeschlafen haben, wollte Micha Wasserfälle sehen. Dies gestaltete sich nicht so einfach, wie vielleicht erwartet. Kyaw Soe hatte ihm auf unserer letzten Tour davon berichtet, aber da wir schon viel zu viel Geld ausgegeben haben, wollten wir diesmal den lokalen Busverkehr testen. An der Rezeption nachgefragt, wusste man dort nicht gleich, was wir sehen wollen, meinte dann, dass sei ganz schön weit und wir sollten zur Bushaltestelle 82/27 gehen.

Dort angekommen verstanden wir nur Bahnhof, denn von einer Haltestelle war weit und breit nichts zu sehen. Also in den Elektronikmarkt reinspaziert, nachfragen. Sofort scharte sich das gesamte weibliche Personal um mich, neugierig, nichts verstehend. Einer der Angestellten konnte mit ein bisschen Englisch weiterhelfen, bat mich, ihm zu folgen, begleitete mich auf die Straße und sagte „da sind wird“. Also waren wir soweit wie vorher. Micha hatte sich in der Zwischenzeit auf die andere Straßenseite gewagt, Cola kaufen und ich wartete auf ihn. Der freundliche Elektromarktfachangestellte gesellte sich kurz darauf wieder zu mir, fragte, ob er mir helfen könne und ob alles ok sei. Ich frage ihn, woran ich denn bitte einen Bus erkennen könnte und wann der fährt. Das war wohl zu viel Englisch auf einmal. Er entschuldigte sich lächelnd und zog sich in seinen Laden zurück.
Auf der Gegenüberliegenden Straßenseite sah ich schließlich ein Hotel und hielt die Idee für ganz angebracht. Dort versteht man uns vielleicht besser und weiß wo eine Bushaltestelle ist. Der freundliche Hotelier schickte und zurück und deutete auf einen kleinen Laster mit Holzbänken auf der Ladefläche. Das ist also der Bus.

Der Chef des Busunternehmens saß im Schatten und sprang gleich motiviert auf, als wir Interesse kund taten. Leider verstand er das Wort Wasserfall nicht. Das größte Problem in der Kommunikation mit den Einheimischen ist vor allem, meiner Meinung nach, die etwas alternative Aussprache. Vielleicht verwechseln sie gern Englisch mit Französisch und denken, 2/3 des Wortes einfach zu verschlucken, wäre der richtige Weg. Am schönsten ist mein Beispiel mit Mr. Aung 1, der dachte, wenn er „Bädeee“ einfach 20 mal wiederholt, wird es klarer. Er mit ein bisschen rumrätseln wurde klar, dass er „Birthday“ meinte. Naja, nicht mal nah dran, aber die Franzosen würden ihn lieben! ;)
Schließlich versuchte ich es ihm aufzuzeichnen und ihm ging ein Licht auf. Ja, für 1500 Kyat pro Person (ca. 1,11€) würden wir in 1 ½ Stunden zum Wasserfall kommen. Er bot uns zwei Plastikhocker an und wir hockten uns an die Straße, bis nach und nach weitere Mitreisende auftauchten. Darunter eine junge Mutter mit ihren beiden Söhnen. Der Laster wurde mit Paketen und Beuteln beladen und schließlich wurde uns zu verstehen gegeben, wir sollten einsteigen. Man hielt respektvoll Abstand zu uns und auf ging das Abenteuer nach wir wissen auch nicht wohin.

Bereits nach einer halben Stunde tat mir mein Popo von der Holzbank und der Rücken von der unglücklich platzierten Rückenlehne so weh dass ich mich fragte, was ich hier eigentlich mache. Micha wirkliche nicht sehr viel glücklicher. Ich versuchte meinen Körper irgendwie sinnvoll zu verkeilen, ohne dass diverse Körperteile dabei einzuschlafen drohten und versuchte selber ein wenig Schlaf zu finden. Bei der jungen Mutter sag das so einfach aus. Ein paar mal hielten wir irgendwo im Nirgendwo an, Leute stiegen ein, Leute stiegen aus, es wurde mal eng, dann mal wieder leerer. Die junge Mutter kaufte ihren Kids Eis. Mit Angry Birds drauf. Kleine Kinder freuen sich überall gleichermaßen über Eis.

Nach drei Stunden wurde uns das alles ein bisschen suspekt. Wir beschlossen, den nächsten Halt auf jeden Fall auszusteigen und nach Mandalay zurückzufahren solange wir noch die Chance dazu hätten. Ulkigerweise hielt just in dem Moment der „Bus“ an, der Fahrer stieg aus und deutete auf uns. Ah, wir sind also doch da. Nur doppelt so lange gebraucht wie versprochen. Na macht ja nix.
Kaum war der Bus weg, sprachen uns Mopedfahrer an, wohin wir denn wollten. Auch diesmal wieder ein kleines Rätselraten was „waterfalls“ sein könnten, dann hatten wir aber die Auswahl aus „dem Kleinen“ oder „dem Großen“. Wir entschieden uns für den Großen und gaben unsere Leben in die Hände der beiden Fahrer. Wirklich. Unser Leben. Und gefahren sind sie wie die Teufel. Die Hügel runtergeheizt, durch Schlaglöcher und über kaputte Straßen. Ich habe mich bereits tot auf der Straße liegen sehen oder mit nur einem Bein nach Hause kommend. Auch wenn ich mich mit aller Kraft am Rücksitz festgekrallt habe (ich befürchtete  schon, das Metall durchzubrechen), bin ich einmal fast vom Sitz gefallen. Fast hätte ich den Boden geküsst, als wir endlich da waren.
Dort, wo der Abstieg zum Wasserfall begann, ließen uns die Fahrer endlich absteigen und auf die Frage, ob sie auf uns warten sollen, konnten wir einstimmig mit „Nein danke“ antworten. Um nichts auf der Welt würde ich da wieder aufsteigen! Wir mussten auch gar nicht diskutieren über die Frage, ob wir mit Taxi nach Mandalay zurückfahren. So ein richtiges, ein Auto, mit Sitzen, bequem halt.

Als wir losgefahren sind, hat leider niemand was von Bergsteigen gesagt. Daher hatten wir beide nur unsere FlipFlops an, die sich nun als nicht die optimalste Wahl herausstellten. Es ging bergab auf einem unebenen Weg mit schön vielen Steinen und Ausrutschmöglichkeiten. Bereits an der ersten Serpentinenbiegung bei einer Hütte fand Micha einen noch aufregenderen Abstieg zu einem kleinen Wasserfall. Ich versprach zu warten, denn auf gebrochene Beine hatte ich noch immer keine Lust. Ich setzte mich zu einer kleinen Familie in die Hütte und genoss eine kalte Cola während sich die beiden kleinen Mädels gestritten haben, wie kleine Mädels sich manchmal eben streiten wenn sie Geschwister sind.
Micha kam, nass wie ein begossener Pudel zurück und wir machten uns auf den gesamten Berg hinunterzuklettern. Wie oft ich beinahe hingefallen bin, kann ich nicht zählen. Und die ganze Zeit ging mir zunehmend auf, dass wir a) das ja auch alles wieder hochlaufen müssen. In FLIPFLOPS und b) es dann aller Wahrscheinlichkeit nach stockfinster sein wird. Und hier ist ja auch nirgends Licht.
Unterwegs stießen wir auf einige weitere Touristen und viele Einheimische, die uns stets anlächelten und auch gern mit uns fotografiert werden wollten. Seit ich auf eine Gruppe junger Birmanen gestoßen bin, die alle einzeln Fotos mit mir haben wollten, führe ich die Liste nun wohl an ;)
Mitunter waren auch einige Mopedfahrer unterwegs, die anboten, die Leute den Berg runter oder auch wieder rauf zu fahren. Mir kam das nach unserem letzten Mopederlebnis mehr als fragwürdig aber durchaus sinnvoll vor. Ich machte mir im Hinterkopf eine Notiz „unbedingt nutzen“.

Der Wasserfall war ganz klar die Strapazen wert. Also schon irgendwie. Ja, er war wirklich schön. Allerdings begann es bereits zu dämmern als wir unten waren und viel Zeit zum Fotografieren blieb nicht. Micha ist noch kurz schwimmen gegangen und ich hab mich mit ein paar Langzeitbelichtungen versucht. Im Nachhinein ist mir aufgegangen dass ich dort dann wohl meine wundervolle lila Sonnenbrille verloren haben muss. Wenigstens liegt sie nun an einem schönen Ort.
Viel zu bald mussten wir uns wieder an den Aufstieg machen. Zwei Mopedfahrer fragten uns, ob sie uns hochbringen sollten. Ich verstehe gar nicht, warum wir nein gesagt haben und hätte ich gewusst dass es die letzte Möglichkeit ist, wäre ich ihnen schreiend nachgelaufen (zumindest drei Meter…). Schnell stellte sich heraus, dass die Dunkelheit viel schneller kommt, als erwartet und wie die Letzten waren, die den Aufstieg noch vor sich hatten. Plötzlich war alles wie ausgestorben, nur ab und zu sahen wir einen der vielen Hunde die uns vorher schon aufgefallen waren. Einer sah uns an als seien wir was zu essen, ich bin mir ganz sicher. Wie ich den Aufstieg geschafft habe, ist mir ein Rätsel. Jeder weiß, wie unsportlich ich bin. Besonders in FlipFlops. Micha musste meine Tasche zusätzlich tragen (man nennt das auch Gewichtsausgleich…) und wir mussten ständig anhalten, damit ich sowas wie Luft bekomme. Wo sind die ganzen Fahrer, wenn man sie wirklich braucht? Die letzte Motivation, die mich oben ankommen ließ war, nicht im Dreck zu schlafen und möglicherweise Hundefutter zu werden. Oder Schlangenfutter, das wäre gar schlimmer.
Leider bedeutete das Ende des Berges noch nicht das Ende des Weges für uns. Der schien irgendwie erst begonnen zu haben. Schließlich mussten wir noch zur Straße nach Mandalay kommen, und die schien noch sehr weit weg, wir konnten sie nicht mal hören. Und sehen ja auch nicht viel, nur das, was der Mond uns zu sehen gab. Es waren auch kaum Menschen unterwegs, und die, die unterwegs waren, verstanden uns nicht. Schließlich fanden wir einen Taxifahrer. Der musste erst seine Gäste wegbringen, versprach dann aber zu wenden und zurückzukommen. Also blieben wir auf dem kleinen Platz stehen wo nicht lange zuvor noch Leben war und warteten. Ein älterer Herr gesellte sich zu uns und bat um Feuer.
Der Taxifahrer kam zu uns zurück, aber die Frage, uns nach Mandalay zu bringen verneinte er. Morgen. Er könne uns aber zur Straße fahren. Wir fanden, dass wir das Stück auch noch laufen könnten.
Zurück zur Straße sah die Welt schon wieder etwas lebendiger aus. Wir fragten zwei junge Männer auf ihrem Moped, ob es irgendwo ein Taxi nach Mandalay gäbe. Sie waren wirklich hilfsbereit und bemüht und dachten wirklich darüber nach. Stellten dann aber fest, dass es keins gäbe und zogen von dannen. Also liefen wir weiter, bis wir an eine Tankstelle kamen. Also eine richtige, mit Zapfsäulen statt Wasserflaschen. Da müsste man uns doch helfen können. Wir sprachen einen Mann mittleren Alters an. Er erklärte uns, es würde kein Taxi nach Mandalay geben. Er könne uns zu einem Hotel bringen. Aber das hatten wir ja schon. In Mandalay. Schließlich bot er uns an für ca. 30$ selbst nach Mandalay zu fahren. Damit wäre unsere Idee, mal etwas günstiger über den Tag zu kommen zwar zunichte gewesen, aber auch das war mit in dem Moment egal. Hauptsache zurück ins Bett und nicht wieder auf Holzbänken reisen.
Letztlich fand sich eine aufgeregte Familie – hier kommen alle hilfsbereiten Menschen stets im Rudel – und bedeutete uns, ihr Sohn (an dieser Stelle mal so angenommen) würde mit seinem kleinen Laster nach Mandalay fahren und wir sollen bitte einsteigen. Wir durften von auf der Bank sitzen, eine richtige, so bequem und so. Es dauerte noch eine kleine Weile, bis es losging und Mutti lächelte uns stets an und freute sich. Der junge Mann sah aus wie 15, zeigte uns aber bereitwillig seinen Führerschein und es stellte sich heraus, er war schon 19 und durfte tatsächlich Autofahren. Die Fahrt zurück dauerte genau die mittags angedeuteten 1 ½ Stunden und was so unglaublich angenehm, weil bequem und recht zügig, auch wenn wir mit offenen Fenstern fuhren und mir absolut klar war, dass ich, die ich im Zug saß, davon krank werden würde. Unser Fahrer war stets bemüht mit uns zu reden. Leider war sein Englisch auf ein paar Worte beschränkt. Er hielt ein paarmal an und jedes mal schien es, als würden ihn alle dazu beglückwünschen, uns als Beifahrer zu haben. An einem Halt ließ er sich auf Englisch Fragen an uns in sein Handy tippen. Wohin wir genau wollten, wo er uns rauslassen kann. Wir gaben ihm die Karte von unserem Hotel und er fuhr uns bis vor die Haustür. Ganz selbstverständlich. Als wir ihm zum Dank etwas Geld gaben, sah er uns total verdutzt an. Wir wussten nicht, wie wir ihm sonst zeigen sollten, wie dankbar wir ihm waren.
Stelle sich einer diese Situation in Deutschland vor. Wie wären dort im Nirgendwo gestrandet. Und dann ausgeraubt und verprügelt worden. Weil wir ein bisschen fremd aussehen und die Sprache nicht sprechen. So oder so ähnlich.

Auch wenn es noch gar nicht so spät war, war der ganze Tag eine ziemliche Odyssee und wir wollte nur noch was essen und dann ins Bett. Leider hatte das tolle Shan-Buffett vom Vortag schon zu, daher gingen wir ins Rainbow Restaurant wo ich mein bestes Hähnchen süß-sauer überhaupt hatte. Ich werde wahrscheinlich zuhause nie wieder Spaß an asiatischem Essen haben. Es ist halt einfach nicht das gleiche.

Und so ging unser Fall mit dem Wasserfall zum Glück glücklich zu Ende.

~ Jule ~

Da wir nun schon am Inle See sind und hier das Netz leider sehr… unzuverlässig und langsam, kann ich leider nicht so viele Bilder hochladen. Daher nur eins von besagtem Wasserfall.

0825

Mandalay, Ava und Amarapura

Die letzten beiden Tage haben wir uns vertrauensvoll in die Hände unserer Mopedfahrer Kyaw Soe und, nennen wir ihn Mr. Aung, das ist der Name, der auf seiner Karte steht, die er sich wahrscheinlich mit seinem Bruder teilt, genauso wie seinen Job, denn Mr. Aung 1 war unser Mann am Donnerstag, sowie heute, sein Bruder, Mr. Aung 2 war gestern mit von der Partie. Alle drei waren unglaublich freundlich und immerzu bemüht uns unsere Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. Egal wie lange wir sie haben warten lassen, sobald wir nur in die Nähe vom Ausgang kamen, standen sie mit strahlendem Lächeln bereit. Da stellt sich die Frage… woher wissen die das?

Die genaue Reihenfolge lässt sich für uns leider nicht mehr ganz Revue passieren… dazu haben wir gefühlt zu viele Pagoden gesehen und, seien wir ehrlich, für uns ist eine Pagode eine Pagode, lediglich in der Art ihrer Bausubstanz für uns zu unterscheiden. Vielleicht, ja vielleicht, lernen wir ja noch dazu, ein paar Tage haben wir ja noch. Da, wie gesagt, die Reihenfolge sowieso hinfällig ist, berichtet ich nun nicht chronologisch sondern thematisch zusammenhängend. :)

Beeindruckend waren die Werkstätten. In akribischer Feinarbeit wird hier stundenlang Holz zu feinen Schnitzereien verarbeitet, aufwändige Muster in Stoffe verwebt und Gold zu Blattgold geschlagen. Ein Straßenzug kam ganz in weiß daher – dort wurden die Buddhafiguren aus weißem Stein (?) gemeißelt. Man fragt sich, wie das sein kann. Wieso dieses Volk so arm ist, warum die Waren so günstig, wo sie so viel Mühe und Arbeit in so liebevoll gemachte Stücke investieren. Unsere maschinell hergestellten Produkte können dagegen doch gar nicht ankommen, sie wirken langweilig und fade.

Recht zu Anfang waren wir am Sagaing Hill. Bestimmt ist die Aussicht von dort oben super, für mich waren es aber nach dem Mandalay Hill am Abend zuvor einfach zu viele Stufen und die Luft zu heiß, ich habe mich schließlich auf halber Höhe auf eine Bank gesetzt, den Ausblick genossen, ein bisschen Musik gehört, während ich auf Micha gewartet habe. Belohnt wurde ich mit einem sehr netten Gespräch mit einem Mönch in seiner wunderschönen dunkelroten Robe. Er war sehr neugierig und aufgeschlossen und hat mir zum Abschied die Hand gegeben. Mich hat das ein wenig verwundert, so hatte ich nach ausgiebiger Lektüre meiner Reiseführer gelesen, dass gerade Frauen nicht unbedingt die Leute anfassen sollen, gerade bei Kindern (vor allem deren Köpfen) und Mönchen sei Vorsicht geboten.
Wahrscheinlich haben die Mönche aber diese Reiseführer nicht gelesen, denn auch später stellten sie sich als recht körperkontaktfreudig heraus ;)

Schließlich ging es nach Ava. Kyaw Soe und Mr. Aung fuhren uns zur Fähre, die uns ans andere Ufer brachte. Dort nahmen wir, zusammen mit Anna aus Tschechien eine Pferdekutsche und wurden ca. 2 Stunden durch Ava gefahren mit vielen Stopps an diversen Pagoden und einem Wachturm. Die erste Zeit wurden wir von der süßen Ay-Ay (variable Schreibweise) auf ihrem Fahrrad begleitet, die sich in den Kopf gesetzt hatte, uns Souvenirs „ganz günstig“ zu verkaufen. Sie entpuppte sich als prima Guide, da sie ziemlich gut Englisch sprach und uns über alles mögliche etwas zu erzählen hatte. Wir begannen den Fehler, ihr zu früh etwas abzukaufen – dann war unser freundlicher Guide dahin.
Insgesamt ist das Leben in Ava sehr einfach und landwirtschaftlich geprägt. Überall laufen Hunde und Katzen herum und am Straßenrand stehen Kühe. Es gibt eine Schule, aber die schien gerade geschlossen zu haben. Alternativ bekommen die Kinder Zugang zur Bildung, wenn sie in das Bagaya-Kloster gehen.

Den Sonnenuntergang haben wir uns auf der U Bein Brücke angesehen. Ich versuche, die richtigen Worte zu finden, damit Papa sich nachträglich keine Sorgen machen muss, aber es ist gar nicht so einfach. Laut Wikipedia ist sie die älteste (von 1850) und längste (1200m) Teakholzbrücke der Welt. Der Zustand ist „generell gut“, aber eine zunehmende Anzahl verfaulender Pfähle gibt Anlass zu Sorge. Einige werden bereits nur noch über seitliche Querträger gehalten, ihr unterer Teil ist gänzlich verrottet. Gut, dass ich das nicht vorher gewusst habe!
Trotzdem habe ich es nicht geschafft, weit zu gehen. Die Brücke ist ca. 2m breit, gefühlt 10m hoch (ok, ist übertrieben) und von einem Geländer gibt es keine Spur. Ja, die Menschen gehen sehr respektvoll miteinander um und man wird nicht angerempelt. Trotzdem, wenn man kurz stehenbleibt spürt man wie sehr der Bau wackelt. Zu meinem Glück fand ich Platz auf einer der Bänke, neben zwei netten Herren aus Deutschland. Lars versprach, die Brücke würde die nächsten Jahre nicht einstürzen, aber ich wollte dennoch lieber dort sitzen bleiben. Micha ging derweil weiter.
Spektakel wurde mir auch so genug geboten. Die vorbei ströhmenden Menschenscharen brachten viel Unterhaltung, ein junges Pärchen wollte gern mit uns fotografiert werden und prompt saß das Mädchen fast auf meinem Schoß und hatte die Arme um mich geschlungen. Soviel zur Zurückhaltung ;)

Abendessen gab es an einem indischen Straßenstand. Dort sitzt man auf Plastikstühlen am Straßenrand und bekommt serviert, was vor unseren Augen zubereitet wird. Meinem Vorhaben, vegetarisch zu essen zum trotz gab es für uns beide Chicken Curry. Man möchte ja vergleichen können mit dem Essen zuhause. Was uns da für umgerechnet 3,70€ serviert wurde steht in keinem Verhältnis, wir haben bei weitem nicht alles geschafft – und es war unglaublich lecker. (Toitoi, der Magen hält sich auch ganz gut, siehst Du Thomas – alles kein Problem ;) )

Heute gab es dann wieder ganz viele Pagoden und Klöster. Also nicht falsch verstehen, die sind wirklich alle unglaublich beeindruckend und es ist unfair, dass sie hier nur kurz Erwähnung finden. Aber ich müsste die ganze Nacht durchschreiben, würde ich jede einzelne ausreichend beschreiben.
Wovon ich aber berichten möchte, ist der Königspalast. Dieses riesige Areal ist nahe unseres Guest House gelegen und durch eine Mauer und einen Wassergraben von der restlichen Stadt abgegrenzt. Für Ausländer ist nur ein kleiner Bereich des Geländes begehbar da der größte Teil Militärgelände und somit verboten ist. Schon am Eingang wird man von den strengen Blicken der Militärs mit ihren Waffen begrüßt, was sicher nicht nur mir ein mulmiges Gefühl bereitet. Der Weg zum Palast ist sehr einfach – wir dürfen ja nur gerade aus. Kaum haben wir das Tor passiert, werden uns Fahrräder angeboten. Was irgendwie witzig ist, denn diese Fahrräder dürften sich bei uns zuhause kaum als solche schimpfen. Wir sind nur minimal schneller als zu Fuß und Bremsen sind zwar netterweise verbaut – funktionieren aber nicht. Aber gut, wenigstens sitzen ;)
Kurz vor dem Palast kehren wir in eines der Straßenlokale ein und genießen eine kalte Pepsi. Ein Militär gesellt sich zu uns und stellt sich als echt nette Type raus, sehr kontaktfreudig und bemüht Englisch zu reden. Bald dazu kommt auch sein Kumpel dazu, Taxifahrer, der ein bisschen übersetzt und uns erklärt, wie wenig so ein Soldat verdient.

Im Palast selber waren erstaunlich wenig Europäer vertreten. Wir kamen uns vor, als seien wir die Sehenswürdigkeit, nicht die Anlage selbst. Ich will gar nicht wissen, auf wie vielen Fotos meine grünen Haare nun gelandet sind. Am skurrilsten war ein Mönch, der uns mit Zeichensprache fragte, ob er ein Foto mit uns mit seinem Smartphone machen könnte. Bald machen wir uns T-Shirts mit der Aufschrift „Foto = 1000 Kyat“, dann kommen wir mit mehr Geld nach Hause als wir vorher hatten.

Zum Abendessen gab es dann typisches lokales Essen im Shan Buffet. Wir haben keine Ahnung, was wir da gegessen haben, aber es war unglaublich gut. Vor allem die Suppe, die hat es mir angetan.

Und nun ist es kurz vor elf und ich hoffe, ja ich hoffe wirklich, diese Nacht kann ich mal vernünftig schlafen.

Anbei sende ich ein paar Bilder von gestern, die von heute warten noch auf Selektion und Bearbeitung. Folgt vielleicht, wenn die Nacht wieder schlaflos bleibt.

@ Thomas: Leider habe ich noch keine Fotos von Bussen oder Haltestellen, da ich mich nicht traue, auf dem Moped mit der Kamera zu hantieren. Ich hoffe, das Pferde-Taxi tut es auch erstmal ;)

~ Jule ~

Welcome to Mandalay

Heute früh um 6:45 klingelt der Wecker. Aufstehen, fertigpacken, auch nichts vergessen?
Eine halbe Stunde später verlassen wir das gemütliche ETZ-Hostel Bangkok. Vielen Dank, ich fand es wunderbar! Um die Ecke gleich ein Taxi gefunden. Das sollte in Berlin mal so einfach sein… Die Fahrt zum Bangkok Don Mueang Airport vergeht schneller als gedacht und kostet auch weniger. Wir sind wirklich früh dran, aber sicher ist sicher.

Check-in ist schnell erledigt, leider muss Micha seine Powerbank abgeben. Die hat wohl zu viel Power. Oder die konnten die gerade gut gebrauchen ;) Noch schnell was zu Essen und nen Kaffee, und dann gehts zum Gate 6 – Flug FD 244 nach Mandalay.

Für mich fühlt es sich an, als würde die Reise jetzt erst beginnen. Bangkok war schön, aber es war auch nur ein Zwischenstopp, zum ankommen, eingewöhnen, lernen, was Hitze bedeutet.

Im Flieger hinter uns sitzt eine junge Familie mit kleinem Kind. Das schreit und zieht mir an den Haaren. Papa tritt scheinbar zur Entschuldigung ständig in meine Rücklehne. Kaum bin ich eingeschlafen, stupst mich die – wirklich sehr hübsche und in ihrem feuerrotem Kostüm sehr adrett gekleidete – Stewardess an. Einreiseformular. Zum ausfüllen. Hätte man nicht direkt Micha in die Hand drücken können, der direkt neben mir sitzt. Gut, wird gemacht. Leider haben wir keine Ahnung, ob wir wirklich eine Adresse angeben müssen. Wir haben natürlich noch kein Hostel gefunden. Also bleibt das Feld frei. (Für Thailand funktioniert das übrigens nicht – bei Einreise stand neben uns ein Paar dass kein Hotel eingetragen hatte, das fanden die Thailänder nicht sehr witzig.)
Wer glaubt, nun würde ich endlich zum Schlafen kommen – nein, natürlich gibt es vorher noch was zu essen. Aber jetzt. Leider muss ich feststellen, dass mein Nackenkissen ein Loch hat. Es ist zweimal die Luft rausgegangen. So muss fliegen sein ;)

Als wir über Mandalay langsam landen, fällt gleich ins Auge, wie trocken es ist, kaum Grün zu sehen. Wir sind gespannt und haben ein wenig Respekt vor der Hitze die da über uns hineinbrechen mag. Gewonnen haben wir eine halbe Stunde Zeit. Die Uhren gehen hier nämlich anders als in Bangkok. Die Einreise gestaltet sich sehr einfach. Keinen stört es, dass wir kein Hostel eingetragen haben. Auch als beim Gepäck-Check auffällt dass wir einen wohl wichtigen Zettel nicht haben, wird zwar zweimal nachgefragt, aber letztendlich werden wir mit einem offenen Lachen durchgewunken. Das ist dann halt so.

Geldbeschaffung ist ein anderes Thema. Wir haben zwei Automaten probiert, der erste nimmt unsere VISA Karten nicht, der zweite gibt uns aus uns unerklärlichen Gründen kein Geld. Micha ist genervt und geht zum Wechselschalter um seine Dollar zu tauschen. Ich probiere es mit Automat Nummer 3. Aha, offenbar ist das Problem, dass wir mehr Geld haben wollten, als die Automaten haben. Beide mit frischen Kyat ausgestattet wagen wir einen ersten Schritt nach draußen. Es ist heiß, sehr heiß, aber nicht drückend. Ein Glück – es ist erträglich!

Irgendjemand hat behauptet, in Myanmar wären die Menschen nicht so arg aufdringlich wie in Thailand. Das wissen die guten Taxifahrer am Flughafen offenbar aber nicht. Nachdem wir alle abgewehrt haben, spricht uns ein junger Mann an und möchte uns mit dem Bus mit in die Stadt nehmen. Der Preis scheint fair und er hat sogar einen Übernachtungstipp für uns. Wir lassen uns darauf ein, denn eine bessere Idee haben wir nicht und wie sich rausstellt, war dass das beste was wir machen konnten.

Wie lange die Fahrt bis zur Stadt dauert, kann ich nicht mehr sagen. Ich schaue aus dem Fenster und überlege mir, wie ich den Anblick später am besten beschreibe. Erstaunlicherweise habe ich bereits begonnen, auf Englisch zu denken und muss jetzt versuchen, einen sinnvollen deutschen Text zusammenzuschreiben und nicht alles zu vergessen, was ich eigentlich sagen wollte.
Auffällig ist, wie schon der Blick aus dem Flugzeug versprach, die große Trockenheit. Alles scheint in Sand und Staub versunken. Trotzdem, dann und wann, scheinen die goldenen Dächer der Pagoden durch die Bäume. Was für ein Kontrast, das saftige, glänzende Goldgelb zu dem staubigen Rest. Am Straßenrand stehen einige sehr einfache Überdächer. Micha meint, es sind Bushaltestellen (für sehr kleine Leute? ;) ), ich denke, es sind Verkaufsstände. Quasi das birmanische Äquivalent zur Erdbeerbox. Vielleicht finden wir ja noch raus, wer recht hat.
Schließlich erreichen wir die Stadt. Ein Mix aus alt und heruntergekommen – mehr noch als in Bangkok – und neu und hochglanzpoliert. Dazwischen ein paar Bauten im Kolonialstil. Es herrscht Rechtsverkehr – auch wenn die meisten Autos das Steuer auf der rechten Seite haben. Wer würde da nicht verrückt werden.

Der Bus nimmt seinen Weg durch die Straßen, Orientierung gibt es für uns keine. Nach und nach steigen unsere Mitreisenden aus bis fast nur noch wir übrig bleiben. Wir warten einfach, bis man uns anspricht. Auch das scheint vernünftig, denn beim nächsten Halt wird uns freundlich zugenickt – wir sind da. Das Royal Guest House. Der Beifahrer steigt mit aus um sicher zu gehen, dass wir mit der Auswahl zufrieden sind (und um wahrscheinlich eine Provision klarzumachen?). Das Guest House ist gepflegt, sehr eng und gemütlich. Wir entscheiden zu bleiben und nehmen das minimal teurere Zimmer mit eigenem Bad. Vielleicht einfach auch deshalb, weil wir dann eine Etage weniger hoch laufen müssen ;)
Zum Zimmer dazu gibt es freies Wifi und Frühstück und um unsere Wäsche kümmert man sich auch. Was will man mehr? Gut, ab und an möge der Strom ausfallen, und das Internet ist nicht das stärkste, wir haben auch keine Schränke, aber die Wertsachen kann man zur Aufsicht bei der freundlichen Damen am Empfang abgeben.
Wer es genau wissen möchte, das Royal Guest House liegt quasi um die Ecke vom Königspalast, 41, 25th St. (82/83).

Nachdem wir uns kurz gesammelt haben, beschließen wir noch kurz vor die Tür zu gehen und mal zu schauen, was es hier so im Viertel gibt. Wirklich nur kurz. Sie Verkehrssituation ist nicht so leicht zu durchschauen und wir wechseln ein paar mal die Straßenseite, keine Ahnung wohin wir wollen. Schließlich werden wir von zwei sehr freundlichen Mopedfahrern angesprochen, natürlich wollen die uns irgendwo hin fahren. Wir lassen uns in ein Gespräch verwickeln, auch wenn wir versuchen direkt deutlich zu machen, dass wir gerade erst angekommen sind und „nur mal schauen“ wollen. Der Tipp, zum Mandalay Hill zu fahren, da ja bald Sonnenuntergang ist, ist aber leider zu verlockend. Und die beiden ja auch so nett. Sie versprechen uns, uns für einen Spottpreis (gefühlt) dorthin zu fahren, auf uns zu warten und uns zurück zum Guest House zu bringen. Ja, warum eigentlich nicht. Ich bin zwar etwas nervös, weil ich noch nie auf einem Moped mitgefahren bin (hoffentlich falle ich nicht runter?!), aber wir bekommen einen Helm geliehen und los gehts.

Schnell wird mir bewusst, die Jungs wissen was sie tun und auch das festhalten klappt ganz gut. Wir kommen allerdings nicht weit, da braucht mein Fahrer frisches Benzin. Hier fährt man dazu nicht an eine klar erkennbare Tankstelle sondern zur nächsten Kreuzung und winkt hektisch den Leuten am Stand zu. Die kommen mit einer alten Wasserflasche voll Benzin an und befüllen den Tank. So gehts auch.
Es geht an zwei Seiten des Königspalastes vorbei – mit kurzer Fotopause am schönsten Aussichtspunkt – und schon sind wir am Mandalay Hill. Begrüßt werden wir von zwei riesigen weißen Löwen die allein schon unheimlich beeindruckend sind.
Unsere Fahrer versprechen zu warten, erklären uns, man käme in optimistischen 20 Minuten den Berg hoch (ca. 240 Meter – 1700 Stufen) und wir sollen uns bitte keine Gedanken um die Zeit und um die beiden machen, sie werden auf jeden Fall warten.

Am Eingang geben wir einem süßen kleinen Mädchen unsere Schuhe für umgerechnet je 15 Cent und machen uns barfuß an den Aufstieg. An das barfuß laufen kann man sich gewöhnen, bis auf die Stellen, wo den ganzen Tag die Sonne scheint und die Steine so heiß sind, dass Europäer nur hüpfend vom Fleck kommen. Unterwegs treffen wir die Hälfte aller Mitreisenden aus unserem Flugzeug. Oder vielleicht auch alle. Es geht vorbei an allerlei kleinen Ständen mit kalten Getränken, Schuhen, Stoffen, Essen und allen möglichen Kleinigkeiten. Jede Treppe führt zu einer kleinen Sehenswürdigkeit, einem besonders großem Buddha oder einer Stupa, oder Pagode… wo ist der Unterschied? An jedem Ende einer Treppe kommt der Gedanke auf, das könnte es doch gewesen sein… oder? Lange werden wir enttäuscht, denn nach jedem Aufstieg finden wir einen weiteren. Die Aussicht ist unglaublich, selbst für Höhenängstliche. Schnell wird klar, die vielen Leute die an den Ständen ihre Ware feil bieten, die wohnen hier auch. Hinter kleinen Holz- oder Blechhütten findet man aufgehängte Wäsche, Kochstellen und alles was man zum Leben braucht. Überall spielen kleine Kinder, schlafen Katzen und Hunde und freundliche Menschen lächeln einem entgegen. Natürlich sehen sie uns unsere Qual an, gerade mir, die ich mit hochrotem Kopf versuche tapfer durchzuhalten.
Wir kommen an einer großen, etwas verfallenen Halle an, die auf vielen Metallsäulen steht. Ich hoffe, dies ist das Ende unseres Weges. Doch kaum biegen wir um die Ecke taucht eine weitere Treppe auf. Die Stufen sind so hoch, ich frage mich, wie die kleinen Menschen hier die Treppe erklimmen können. Am Ende der Treppe landen wir auf einer Plattform mit Steinsäulen in deren Bögen Schriften gemeißelt sind. Ein beeindruckender Anblick – aber bei weiten nicht das Ziel. Auf der nächsten Ebene folgen Bögen aus glänzenden und spiegelnden Mosaiken. Ich kenne jemanden, dem das gefallen würde.
Noch ein Aufstieg… und wir sind tatsächlich da. Die Aussichtsplattform ist erreicht. Touristen werden aufgefordert, hier oben 1000 Kyat zu zahlen. Natürlich zahlen alle – wer läuft schließlich so weit – nur um kurz vor dem Ziel umzudrehen?

Aus Lautsprechern schallt ununterbrochen ein Gebetsingsang. Die gesamte Pagode ist golden und mit Spiegelmosaiken bestückt und glitzert im Licht der untergehenden Sonne. Man hat eine wundervolle Aussicht auf Mandalay und die Shan-Berge. Während wir auf den Sonnenuntergang warten fotografieren wie die niedlichen kleinen Eichhörnchen die in einer Baumkrone über dem Abgrund nach Futter suchen. Mittlerweile haben sich alle Passagiere des Flugzeugs eingefunden. Der Sonnenuntergang ist atemberaubend. Der Abstieg auch. Denn wie vorhin erwähnt, die Stufen waren teilweise sehr hoch. Und wo ich nun oben stehe, fällt es mir schwer weiterzugehen – Höhenangst lässt grüßen.
Sobald die Sonne weg ist, wird es angenehm kühler. Also nicht kalt. Nur ein bisschen kühler. Bevor wir zu unseren Schuhen kommen, möchte Micha erwähnt haben, dass er einen Hahn gesehen hat. Auch die leben am Berg.

Wir werden von unseren freundlichen Fahrern in Empfang genommen und genießen die rasante Fahrt durch die frische Brise nach Hause. Langsam verstehe ich auch das ständige gehupe. Hier ist davon niemand genervt, und niemand hupt, weil er genervt ist. Es ist ein einfaches „Hallo, hier bin ich, bitte überfahr mich nicht!“ Es scheint zu funktionieren, denn der Verkehr fließt reibungslos. An einer Kreuzung kommen von allen Seiten zur gleichen Zeit Mopedfahrer und jeder weiß genau wie er zu fahren hat, dass sie einfach aneinander vorbeikommen. Vielleicht entwickeln wir ja sowas wie ein Gefühl dafür. Momentan trauen wir uns nicht mal zu Fuß da rein ;)

Nach einem kurzen frischmachen (und dem halben Verfassen dieses Textes) gehen wir noch mal auf die Straße und suchen was zu essen. Der einzige Laden den wir finden ist kurz vorm Königspalast, ein „Europäisches Restaurant“. Wir bestellen grünes Thaicurry mit Lamm und sind froh, dass unsere Zungen nicht ganz verbrannt sind, so scharf war das. Aber – trotzdem sehr lecker! Micha bekommt sein erstes Myanmar-Bier und wir können nun endlich nach Hause gehen und uns vom Tag erholen.

Mal sehen, was wir morgen sehen.

Anbei die Eindrücke vom Tag :)

P.S.: Ja Mama, wir sind gut angekommen ;)

~ Jule ~