Yangon

In der größten Stadt Myanmars haben wir nun drei Nächte verbracht. Leider muss ich sagen, dass ich nach den wunderbaren Tagen am Meer erneut Probleme habe, mich auf die drückende Hitze einzustellen. Daher haben wir es mal ruhig angehen lassen und uns nicht so sehr viel angesehen, wie wir es zuvor gemacht haben.
Die erste Nacht haben wir in einem mäßig schönen Hotel in der Nähe des Flughafens verbracht – da waren wir froh, überhaupt etwas zum schlafen gefunden zu haben. Mittags nahmen wir uns dann schließlich ein Taxi und zogen ins Agga Youth Hostel um – siebter Stock (mit Aufzug!) und Restaurant auf dem Dach. Die Zimmer machen einen sehr guten Eindruck, auch wenn man auf dem zweiten Blick den ein oder anderen Mangel feststellen kann. Immerhin gibt es ganze drei Steckdosen und gutes Internet!

Den ersten richtigen Mittag verbringen wir im Viertel, erkunden die schmalen Gassen (wobei mir Yangon im vergleich zu Mandalay eher etwas großzügiger erscheint) und landen in einem kleinen Restaurant. Leider ist mir die Portion viel zu groß bei der Hitze und so bleibt für Micha an späterer Stelle ein kleiner Mitternachtssnack übrig.
Unser kleines ATM-Spiel geht übrigens wieder von vorne los. Nachdem der letzte ATM in Ngapali nicht funktioniert hat und mir beim drücken der Enter-Taste einen hübschen Stromschlag verpasst hat, verweigern uns auch in Yangon die ATMs wieder Geld. Da wir nicht die einzigen sind, die geldlos von dannen ziehen, ist uns schon bewusst, dass es an den Automaten liegt. Heute habe ich allerdings festgestellt, dass es ebenso an unseren Karten liegt – wir haben im Vorfeld leider verpasst unser Erspartes auf die VISA-Karte zu überweisen und der Kreditrahmen war erschöpft. Man lernt halt nie aus. Schön ist natürlich, wenn man dann auch noch das Passwort für die Tan-App vergessen hat, die App daraufhin komplett gesperrt wird und man Mutti über WhatsApp anrufen muss, damit sie bei der Bank anruft und letztlich beide Telefone aneinander hält, damit ich mit der freundlichen Bankangestellten reden kann und sie mir eine Überweisung fertig macht. An dieser Stelle einen ganz lieben Gruß an die DKB, der Service ist top! (Ihr könnt ja nix für meine eigene Blödheit…)

Nach einer kleinen Nachmittagspause gehen wir abends erneut auf Streifzug und laden letztendlich in der Lions Bar, ein wenig über der Straße. Das Publikum ist hauptsächlich männlich und um unsere Beine streichen zwei wunderschöne Thaikatzen, wenig zurückhaltend beim betteln (ja, natürlich haben sie Erfolg!). In der Bar gibt es irgendwann Livemusik (Keyboard und wechselnde, recht schüchterne Sängerinnen) und eine kleine Modenschau. Ich versuche mich wirklich zusammenzureißen und die süßen Birmaninnen nicht vom Laufsteg zu holen und ihnen mal zu zeigen, wie man das macht. Heidi wäre entsetzt in Ohnmacht gefallen. Es ist ja nicht so, als wären sie nicht alle hübsch gewesen, aber so viel Zurückhaltung und wenig Körpergefühl tun der ganzen Sache nicht gut.
Zu den Pommes gibt es hier übrigens wieder Gabeln :)

Am zweiten Tag beschließen wir „relativ“ früh loszugehen und die große Shwedagon Pagode zu besuchen. Die sollte man ja schon gesehen haben, wenn man schon mal da ist. Eigentlich wollten wir auch zur Post, aber die liegt in der anderen Richtung und das ist bei dem Wetter einfach zu weit.
Unterwegs kommen wir an einem Einkaufszentrum vorbei und wollen gleich mal einen Blick hineinwerfen. Nachdem die Einkaufszentren in Bangkok sehr westlich daher kamen, vor allem, was die Auswahl der Geschäfte angeht, muss schließlich ein Vergleich her. (Hab ich schon erwähnt dass wir an keinem ATM Erfolg haben?) Am Eingang werden unsere Taschen kontrolliert, aber nichtmal Michas Multifunktionsmesser scheint hier ein Problem zu sein. Die untere Etage ist ziemlich elegant, hier gibt es sogar Mango – aber kein H&M. Und im Keller ist – so wie es sich für ein Einkaufszentrum gehört – natürlich ein Supermarkt. Ab der ersten Etage reihen sich dann Läden für Stoffe, Klamotten, Technik und Spielwaren aneinander, die alle recht ähnlich sind. Es gab auch einen süßen Laden mit Aktienfiguren (Svenja, ich hätte Dir echt gern eine mitgebracht, aber ich war leider total out of money :/). Besagtes Geld muss schließlich noch für Essen und Eintritt reichen…

Mit Essen ging es auch gleich weiter, in einem süßen kleinen Restaurant in besagtem Zentrum hatte ich meinen ersten Chickenburger seit gefühlt einer Ewigkeit und er war sogar richtig lecker!
Nach dem Einkaufszentrum kamen wir sehr bald zum People’s Park, fanden aber nicht gleich den Eingang und strandeten schnell noch mal in einem Restaurant wo wir uns eine Eisschokolade schmecken ließen. Bei dem Wetter muss man schließlich viel trinken.
Hinter dem Restaurant fanden wir dann auch endlich den Eingang und nachdem wir brav den Eintritt bezahlt haben, konnten wir gemütlich durch die schön gepflegte Parkanlage schlendern. Mehr als schlendern war auch nicht mehr machbar.
Irgendwann entschied ich, eine Pause wäre sehr angebracht und wir setzten uns auf eine Parkbank in den Schatten. Dort blieben wir nicht lange allein, denn an diesem schönen Tag waren sehr viele junge Leute unterwegs und wie wir da so saßen wurde uns gezeigt, wie die Äffchen im Zoo sich so fühlen müssen. Was aber natürlich keine Kritik sein soll, alle haben stets sehr höflich gefragt und immerhin konnten wir gechillt sitzen bleiben während sich immer mal wieder jemand zwischen uns setzte. Vor allem die Mädchen – und davon gab es viele – haben sich dann immer gern meine Hand geschnappt und hatten nicht die geringste Kontaktscheu. Für meinen nächsten Besuch in Myanmar werde ich mir ein T-Shirt bedrucken lassen: „Photo – 1000 Kyat“ – ich verspreche euch, ich komme mit mehr Geld zurück als ich vorher zusammengespart habe ;)

Nachdem wir nun auf gefühlt jedem Smartphone von Yangon verewigt waren, schlenderten wir weiter zur großen Pagode – nicht ohne vorher nochmal in ein schönes Shoppingcenter zu kommen und leider nichts kaufen zu können, da wieder keiner der ATMs bereit war uns Geld zu geben. Aber immerhin konnten wir die Klimaanlage genießen. Und davor gab es noch mal eine Portion Eis. Es war schön bunt, also war es gut. Der Eismann hatte einen klitzekleinen Hundewelpen an seinem Stand, den er für mich hochhob und ich durfte ihn streicheln. Ab da war der Tag wieder richtig gut :)

Am Eingang der Pagode wurden wir natürlich sofort abgefangen und durften Eintritt bezahlen – Einheimische müssen das nicht. Und da ihnen unsere Kleidung auch nicht so richtig gefiel durften wir zusätzlich zwei Longhys kaufen und direkt anziehen. Immerhin ist meiner lila :)
Ganz modern mit Rolltreppen konnten wir nach oben fahren und uns das prächtige Bauwerk und die ganzen Schreine und Buddhas ansehen. Leider waren die Steine wieder so heiß, dass ich mich meist nur rennend und hüpfend von der Stelle bewegen konnte. Auch hier wurden wir wieder sehr fleißig fotografiert und überaus freundlich angelächelt, wo immer wir auch hinkamen. Ein älterer Herr von stolzen 70 Jahren gesellte sich irgendwann zu uns zeigte uns unsere Wochentags-Buddhas über die man 3 mal Wasser kippt, das soll ein langes Leben bringen. Oder so. Er rannte dabei so schnell über die heißen Steine, dass ich kaum mitkam und befürchtete, mir ernsthaft Brandblasen zu laufen.
Am Ende wollte er natürlich eine ziemlich saftige Spende haben, was wir eher mäßig gut fanden, aber wir waren auch zu erledigt um zu diskutieren.

Die Fotoausstellung über die Pagode, mit vielen alten Bildern überflog ich eher und setzte mich dann davon in den Schatten um eine kleine Pause zu machen. Neben mir saß eine Familie mit einem kleinen Kind, das mich sehr überrascht ansah. Die Mutter ermunterte die kleine, doch zu mir rüber zu gehen und mir Hallo zu sagen. Nach einem kleinen Zögern tat sie das auch, gab mir die Hand und sagte brav mingalaba (Das ist Birmanisch und heißt guten Tag). Dann gab sie mir ein Küsschen auf die Wange und eines auf den Mund, ließ mich ziemlich verdutzt zurück und watschelte zu ihrer Mutter zurück. Da diese aber bis über beide Ohren strahlte schien das wohl ok zu sein ;)

Auf dem Rückweg leisteten wir uns ein Taxi und entschieden, im Hostel zu essen. Dort gab es unglaublich gute Thunfischsandwiches mit Pommes zum Sonnenuntergang.
Nach einer kurzen Pause sind wir nochmal vor die Tür gegangen zu einem nahegelegenen Einkaufszentrum um ein weiteres Mal unser Glück mit dem Geld zu probieren. Ein Mönch in der Schlange vor mir hat einen Riesen Batzen Geld abgeholt und damit wieder den Automat leergemacht. Kann man einem Mönch böse sein oder ist man dann ein schlechter Mensch?
(Das Problem löste sich, indem Micha am nächsten Tag Geld wechseln ging.)
So ging der zweite Tag in Yangon zu Ende, für mich mit ein bisschen Kopfweh, daher ging ich mal so richtig früh schlafen.

Heute mittag haben wir dann ausgecheckt und sind mit den öffentlichen Bussen nach Bago gefahren. Zum Glück hatte uns der nette Hotelangestellte genau aufgeschrieben, wie wir fahren sollten, daher konnten wir den Zettel einfach den Busfahrern zeigen und man sorgte sich auch darum, dass wir pünktlich wieder ausstiegen. Mal sehen, was Bago so zu bieten hat.

Anbei ein paar wenige Fotos von Yangon. Die Hitze und so.

~ Jule ~

Leaving paradise

Leider gehen auch die schönsten Dinge irgendwann zuende, so auch unser Aufenthalt in Ngapali. Schließlich geht auch unser Trip durch Myanmar langsam auf sein Ende zu und der Weg zur Grenze ist noch weit.

Der Abschied fällt mir nicht so leicht, so schön ist es am Meer. Das hat das Meer wohl stets so an sich. Trotzdem geht es am Dienstag Mittag auf die bislang längste Busfahrt nach Yangon. Sagte ich Busfahrt? Karusellfahrt trifft es besser! Die schmale Straße ist für diese Busse einfach nicht gemacht und vor allem in den hinteren Reihen wird man ständig aus dem Sitz geschleudert. Eine sehr interessante Erfahrung. Mitten in der Nacht kommen wir in Yangon an und nehmen das erstbeste Hotel dass uns angeboten wird – zumindest für eine Nacht. Gegen Mittag verlassen wir dieses wieder und lassen uns in die Innenstadt fahren, wo wir in einem Hostel unterkommen. Von hier aus kann man leichter zu den Sehenswürdigkeiten gelangen – das haben wir für morgen vor.

Was kann man bisher über Yangon sagen? Die Stadt ist riesig und kommt um einiges moderner daher als Mandalay. In Ngapali haben wir in einem Pizzarestaurant Joseph aus Kanada kennengelernt, er meinte, er hat Yangon lieben gelernt. Ich bin gespannt!

Anbei noch ein paar letzte Eindrücke vom Meer, Bilder aus Yangon folgen bestimmt morgen – denn ich habe endlich wieder Wifi :)

~ Jule ~

 

Ngapali Beach

Dieser Ort ist so unglaublich schön, dass man es nicht festhalten kann. Am schönsten war, neben der Katze, die Bootstour heute morgen mit Schnorcheln und Pommes essen mit Stäbchen auf der Insel.

Ich hatte etwas Angst um meine Kamera auf dem Boot, daher habe ich nur mit meinem iPhone Bilder gemacht. Aber wie schon gesagt, man kann das nicht festhalten – kommt selber her und seht es euch an!

Hier gibt es frisch gefangenen Fisch nach Sonnenuntergang am Strand, Doris zum fast streicheln (vielleicht vergisst ja doch mal eine dass sie gerade noch Angst hatte?) und Sonne Sonne Sonne. Die Krebse buddeln ihre Löcher am ganzen Strand und es sieht so aus wie wenn Papas bester Freund Herr Maulwurf mal wieder ganz fleißig im Garten war.

Hier ist das Paradis keine 25 m mehr entfernt (lieber Gruß an Fabi ;) ).

~ Jule ~

Pyay

Von Pyay habe ich leider kaum Bilder, was wohl daran lag, dass ich die meiste Zeit mit einer Magenverstimmung im Bett verbracht habe. 

Trotzdem muss ich sagen, dass dieser Ort mir besonder gefallen hat. Also das, was ich auf den Spaziergängen zum Markt und zum Nachtmarkt und zum Fluss gesehen habe. Überall in Myanmar sind wir stets mit sehr viel Freundlichkeit und Respekt behandelt worden. Aber hier in Pyay scheinen die Leute noch eine ganze Portion davon obendrauf zu legen. Allen voran die Betreiber des Panga Bar Guest House, wo wir für 4 Nächte unterkamen. Der Familienbetrieb wird von einer Handvoll liebevoller älterer Herrschaften geführt, die jedem Gast mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit jeden Wunsch zu erfüllen versuchen. Und das für jeweils 1000 Kyat, egal worum es geht. Am ersten Tag bat ich sie um Rat, wo ich mir aus meinem auf dem Markt in Inle gekauften Stoff einen Longhy nähen lassen könnte. Sofort bat der ältere Herr mit Brille an, er könne dies erledigen. Ich staunte nicht schlecht, aber er schwang sich auf sein Fahrrad um kam 30 Minuten später mit fertigem Longhy zurück. Daraufhin versammelte sich die gesamte Familie um mich, um mir zu zeigen wie man den dann auch richtig wickelt. Mit herzzerreißender Hingabe haben sie sich um mich gekümmert als es mir nicht gut ging und haben mit diverse Tees und Elektrolyte-Beutelchen vorgesetzt und ja, beim Thema Essen war mit denen nicht zu spaßen – da sind alle Großeltern auf der ganzen Welt wohl gleich. Haben nur die typischen Oma-Kekse gefehlt. Und wer morgens seinen Tee nicht getrunken hat, der war mit dem Frühstück auch noch nicht fertig. 

Auch die Menschen auf dem Markt waren unheimlich freundlich. Ich sage unheimlich, da es für einen Berliner mitunter tatsächlich unheimlich ist, auf überaus freundliche Menschen zu treffen. Daran muss man sich erst gewöhnen, doch bald ist man gewillt ebenso lächelnd durch die Straßen zu laufen. 

Wahrscheinlich ist man hier noch so neugierig und überaus freundlich und noch nicht so auf verkaufen aus, da es hier einfach deutlich weniger Touristen gibt. Bis auf ein paar weitere die bei uns mit im Panga bar wohnen habe ich keine gesehen. Da verwundert es eigentlich nicht, dass wir von allen angestarrt werden. 

Als wir genug vom Markt haben – dieser stellt sich als sehr viel größer und unübersichtlicher heraus als ursprünglich angenommen – gehen wir zum nächstgelegenen Teeladen und gönnen uns eine kalte Fanta (heißt hier Max). Der Besitzer Than Htun Oo verwickelt mich in ein recht langes Gespräch über Gott und die Welt. Ok, vielleicht nicht über Gott, aber schon ein wenig über die Christen, da er in seiner Kindheit in einer christlichen Schule war und daher für die Verhältnisse hier sehr gebildet. Daher ist ihm die Frage auch sehr wichtig, ob ich selber Christ bin und wenn ja zu welchem Verein ich gehöre. Ich sage einfach mal ja und er freut sich. Im weiteren erzählt er viel von seinem Land und was er von der neuen Regierung erwartet und wie schlecht die Bildung hier leider ist, was er als sehr großes Problem sieht. Trotzdem mag er sein Land sehr gern und er schätzt die Art zu Leben, in der Familie. Denn auch wenn er sein Land nie wirklich verlässt, nur mal zu Kongressen in Thailand, denn er ist ein Mitglied eines Komitees gegen Aids – was er sehr stolz mitteilt – weiß er durchaus, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht. Zum Beispiel dass wir Europäer ständig der Arbeit hinterherlaufen und viel zu wenig Zeit mit der Familie verbringen. Und er hat recht, wenn man sich die Menschen hier ansieht haben sie vielleicht nicht viel, aber alles was sie brauchen. Und ein Smartphone, denn das hat hier wirklich jeder. Die Neuigkeit, dass Deutschland nicht mehr geteilt ist, scheint ihn ein bisschen zu überraschen, aber er nimmt es mit Fassung. Zum Abschied gibt es eine Visitenkarte und auf der Rückseite notiert er seine Mibilfunknummer mit dem Vermerk „Any help“. Habe ich erwähnt dass der gute Herr bereits 68 Jahre alt ist, in diesem Land ein ziemlich stolzes Alter und ihm genauso wie allen Menschen jenseits der 30 bei uns auffällt, verdammt, da bleibt nicht mehr viel Zeit übrig. Auch dies scheint international zu sein. 

Soviel kann ich zu Pyay sagen. Nach vier Nächten im Panga Bar heißt es aber Abschied nehmen. Und sollten wir gedacht haben, noch kleiner kann ein Bus nicht werden… Ha! Mit dem Minivan geht es durchs Gebiege, geschlagene 8 Stunden geht die Fahrt bis in Wagen nur noch wir – wir sitzen übrigens direkt hinter dem Fahrer, denn nach den Mönchen kommen in der Reihenfolge wohl direkt die Ausländer – übrig sind und bis vors Hostel gefahren werden. 

Und jetzt sitzen wir hier am Ngapali Beach in einer Bucht und genießen die Meerluft. Bilder folgen :)

P.S. Vorhin im Restaurant habe ich mein Herz verloren an das schönste kleine Katzenmädchen auf der ganzen Welt. Weiß jemand ob man die mitnehmen darf? ;) (Auch von ihr folgt ein Bild sobald ich die Fotos von meiner Kamera habe)

~ Jule ~

  

Sonnenaufgang bis Untergang in Bagan

Der Freitag gestaltete sich recht ruhig. Während Micha mit Fahrrad zu heißen Quellen gefahren ist, bin ich gechillt im Hostel geblieben. Bei der Hitze brauche ich nicht noch heiße Quellen.
Zum Mittag habe ich mir beim Inder zwei Papadam gegönnt, da ich bei der Hitze auch nicht viel Essen brauche. Danach habe ich versucht, eine Sim-Karte für mein iPhone zu bekommen, was sich als unmöglich rausstellte, da es keine Nano-Sim gab. Dafür bin ich dann spontan über einen kleinen Markt und dann gemütlich wieder ins Hostel gewandert.
Abends wurden wir dann – witziger Weise mit dem chilenischen Pärchen zusammen – abgeholt und zum Busbahnhof gefahren. Auf nach Bagan!

Die Fahrt gestaltete sich nicht so angenehm wie die letzte, obwohl wir auch diesmal einen „VIP“-Bus gebucht hatten. Unsere Tickets wurden nichtmal kontrolliert, der Bus war viel älter und nicht ganz so komfortabel. Auch lief kein Mad Max im Fernsehen, weil es keinen Fernseher gab. Immerhin wurde der Bus nicht ganz so schlimm runtergekühlt. Oder man merkt es einfach nicht mehr ganz so sehr. Es gab zwar für jeden ein Nackenkissen, aber Schlaf war unmöglich zu finden – die Strecke war zu holperig.
Irgendwann war man halt in Bagan, der Bus spuckte seine Ladung aus – wir bekamen das nur nach und nach mit, weil keiner wirklich mit uns sprach. Und dann standen wir alle da und wurden, obwohl mitten in der Nacht, von tüchtigen Taxifahrern umringt die uns natürlich alle fahren wollten.

Aufgrund der Müdigkeit nahmen wir einfach einen, mit dem Angebot, uns zu einem Hostel in Nyaung U zu bringen und das so lange, bis uns eins gefällt. Wir nahmen das dritte und landeten im Pyinsa Rupa. Bezahlbar, aber schön und sauber geht etwas anders. So steht das auch im Reiseführer, den wir aber erst zur Hand nahmen, als wir schon eingecheckt hatten. Für drei Uhr nachts ok. Ab ins Bett und schlafen – sofern man denn schlafen kann. Die Schlaflosigkeit ist noch immer mein steter Begleiter. Manchmal ist es eher die Frage nach dem Huhn oder dem Ei… was ist zuerst da? Die kreisenden Gedanken oder die Schlaflosigkeit? Jedenfalls folgt eines aufs andere und wieder zurück.

Daher habe ich den Großteil des Samstags auch damit zugebracht, abzuhängen. Micha hat schon mal die Gegend erkundet und was gegessen. Gegen späten Nachmittag sind wir dann zu einem Spaziergang aufgebrochen, haben – oh Wunder ;) – eine Pagode gesehen und sind letztlich am Ufer des Ayeyarwady gelandet um den Sonnenuntergang zu betrachten. Begleitet wurden wir dabei von einer sehr kleinen jungen Frau, die uns den Weg gezeigt und was zur Aussicht erzählt hat und dann immer wieder auf ihr tragisches Leben zu sprechen kam. Natürlich wollte sie Geld haben, aber unsere Herzen hatte sie schon erweicht, daher konnten wir auch nicht mehr nein sagen.
Gerade als die Sonne untergegangen war und wir auf dem Rückweg, kamen ein paar Deutsche des Weges, ärgerten sich über die 5 Minuten zu spät und wir kamen ein bisschen ins Gespräch. Insgesamt gibt es hier sehr viele Deutsche.
Auf dem Heimweg haben wir einen Kutschenfahrer angesprochen, ob er uns am nächsten Tag durch Bagan fahren würde, angefangen mit dem Sonnenaufgang bis hin zum Sonnenuntergang. Wir verabredeten uns auf 5 Uhr in der früh und machten uns – mit einem kleinen Umweg über eine kalte Cola – auf ins Hostel um noch ein wenig Schlaf zu finden. Der, zumindest bei mir, nur schwer zu finden war. (Wahrscheinlich hat der Osterhase ihn zu gut versteckt)

Um halb 5 aufzustehen nach gefühlt keinem Schlaf ist natürlich so eine Sache. Wenn man dann aber in der Kutsche aufgrund der unebenen Wege gut durchgeschüttelt wird, vergisst man schnell wie müde man eigentlich ist. Wir wurden direkt zu einer der pyramidenartigen Pagoden gefahren, die man erklimmen kann um über die gesamte Anlage hinwegzublicken und die Sonne aufgehen zu sehen. (Wer fleißig das Berliner Fenster im letzten Monat verfolgt hat, hat die Information vielleicht auch gesehen, dass die Regierung von Myanmar sämtliches Besteigen der Pagoden in Bagan aufgrund von Fehlverhalten der Touristen verboten hat – Entwarnung: Davon hat man hier offenbar nichts mitbekommen.)

Das gute am Müde sein ist, man vergisst vielleicht mal was. Oder man denkt nicht an Konsequenzen. Als ich die Pagode zur Hälfte erklommen habe, und man spricht hier wirklich von Klettern, denn die Stufen sind wirklich sehr hoch (Ich frage mich, was die sich dabei gedacht haben. Mal ehrlich… die Menschen hier sind wirklich nicht groß!), habe ich aus versehen einen Blick nach unten geworfen. Da wurden mir in Windeseile sehr viele Dinge klar. a) Shit, ich habe doch Höhenangst, b) das ist jetzt schon verdammt hoch, c) ich muss das auch wieder runter, d) DAS SCHAFFE ICH NIE RUNTER!
Mir ist tatsächlich erstmal ein bisschen schwummerig geworden, also hab ich kurz Pause gemacht. Die Erfindung der Höhenangst war wirklich nicht gut durchdacht. Man hat Angst vor der Höhe, es wird einem schwindelig – und dann wird’s gefährlich. Macht doch gar keinen Sinn!
Jedenfalls habe ich entschieden nicht mehr runterzusehen und weiter zu klettern. Auch wenn das mulmige (untertrieben) Gefühl jetzt da war. Oben angekommen habe ich mich direkt hingesetzt, so dicht wie möglich am Abstieg und habe mich gegen dann Stein im Rücken gedrückt.

Der Ausblick war die Mühe natürlich wert. Wir haben eine Weile auf die Sonne gewartet und viele Fotos gemacht. Solange ich Fotos mache, denke ich nicht viel nach, das tut ganz gut. Sobald ich die Kamera aber wieder sicher verpackt hatte, ging eine leichte Panik in mir auf. Punkt d) wiederholte sich wie ein Mantra in meinem Kopf. Aber es bleibt einem ja keine Möglichkeit. Sobald die meisten weg waren und der Weg frei, begann ich den langsamen Abstieg – rückwärts und stets nur auf die nächste Stufe schauend, immerzu irgendwo festhaltend. Als ich endlich unten war, war ich schon ein wenig stolz auf mich. Ob sich das ganze gegen Sonnenuntergang noch mal wiederholen ließe ließ ich in diesem Moment erst einmal offen.

Nun begann die eigentliche Tour – kreuz und quer (gefühlt – das hat sicher schon Sinn gemacht so) mit der Kutsche durch Bagan. Kutschfahrten sind nicht wirklich bequem. Also auch wenn die Kutsche gepolstert ist, bequem geht anders. Trotzdem ist es ein schöner Ausflug gewesen – mit vielen Pagoden! Nicht selten waren einmal mehr wir die Attraktion und Wunschmotiv auf den Bildern der hauptsächlich asiatischen Touristen. Diesmal habe ich gleich mein eigenes Handy mit ins Spiel gebracht und auch Fotos machen lassen. Meistens wurde dabei aus einem Foto je ein Foto mit jedem Familienmitglied. Und wir reden hier von großen Familien. Dann wird einfach mal durchgelächelt und am Ende sind alle glücklich und zutiefst Dankbar.
Bei einer Pause bei Wasser und Melone haben wir unsere erste Schlange gesehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es beruhigend oder beunruhigend finden soll, dass die Einheimischen genauso erschrocken aufgesprungen und rumgekreischt haben wie wir. Ok, wir haben nicht gekreischt, aber die schon! Wir reden hier übrigens von einer kleinen 1-1,5m langen, grünen Schlange. Also keine riesige. Dass die auch einfach so auf Stühle und Tische klettern kann, hat allerdings vorher keiner gesagt!
Riesige Aufregung im Restaurant, alle Angestellten auf den Beinen, einer macht sich einen Spaß, er steht neben Micha und zwickt ihn und lacht sich herzlichst darüber kaputt. Ein Spaß, den sich in Folge mehrere machen. Er erzählt von seinem kleinen Streich auch zweimal in unserem Beisein. Nicht, dass wir seine Worte verstehen, aber die Zeichensprache für „zwicken“ und „erschrecken“ ist international.

Nach dem Schreck können wir sehr gern weiterfahren. Wir merken auf unserer knapp siebenstündigen Tour schnell, dass die ganzen Souvenierverkäufer, die sich um die Pagoden gesammelt haben, eine kleine List verwenden um einen mehr oder weniger zum kaufen zu überreden. Meistens schicken sie ihre wirklich süßen Kinder vor, oftmals sprechen sie einige Sätze in den gängigen Sprachen und erklären einem alles über die Pagode in der man sich befindet, wo der schönste Aussichtspunkt ist und welche Pagoden man umliegend sieht. Danach wollen sie einem „nur noch schnell“ ihren Verkaufsstand zeigen und lassen so bald auch nicht locker. Erst gegen Abend wird man dieser Masche wirklich müde und ignoriert die freundlichen Anfragen auch mal.

Gegen 12 bringt uns unser Fahrer zurück zum Hostel. Nicht nur er und seine tapfere Stute, auch wir haben eine Pause mehr als verdient. Die Mittagshitze macht sich langsam breit und nun duschen und in ein Zimmer mit Klimaanlage verschwinden – das ist ein Traum! In der Hotellobby treffe ich auf Lars, nach einem kleinen Schwatz auf Englisch frage ich ihn woher er kommt und er meint so halt aus Deutschland. Wir fachsimpeln über die Frage, was die ganzen Deutschen hier eigentlich wollen. Er hat einen guten Tipp für unseren Trip zum Strand im Süden und kommt später vorbei um uns die exklusivste und detaillierteste Karte der Gegend zu geben – selbstgezeichnet.

Wie verabredet holt uns unser Fahrer um 4 Uhr wieder ab. Er ist nicht mehr unser Fahrer, wahrscheinlich ein Verwandter, vielleicht der Vater. Aber Pferd und Kutsche sind gleich und er lächelt uns gleich zu. Wir sind noch schnell beim Essen, aber gleich startklar.
Es gibt noch ein paar kleinere Pagoden zum aufwärmen und dann geht es zur größten Erkletterbaren um den Sonnenuntergang zu sehen.
Da oben ist es schon reichlich voll ist, müssen wir uns ein bisschen beeilen, um noch einen annehmbaren Platz zum fotografieren zu finden. Ein weiteres Mal stelle ich mich der Herausforderung und wir schaffen es immerhin bis zur zweithöchsten Ebene. Ein Glück, dass es hier an der Treppe ein mehr oder minder sicheres Geländer gibt an dem ich mich festklammern kann.
Oben wimmelt es von deutschsprachigen Touristen. Wir quetschen uns in eine Ecke und können einige schöne Aufnahmen machen. Leider ist der Sonnenuntergang nicht so spektakulär. Eher so, als hätte jemand einfach das Licht ausgeknipst.
Ein ganz mutiger Spaßvogel klettert auf die Brüstung und lässt sich dort fotografieren. Mir wird schon vom hinsehen schlecht.

Zurück am Hotel verabreden wir uns mit Lars und Lisset (für Richtigkeit der Schreibweise übernehme ich mal keine Verantwortung), seiner philippinischen Mitbewohnerin noch was trinken zu gehen und lassen den langen Tag ausklingen.

~ Jule ~

Bild

Inle See

Am Donnerstag haben wir den ganzen Tag auf dem Inle See verbracht. Um acht Uhr frühs wurden wir zusammen mit einem süßen Pärchen aus Chile am Hostel abgeholt und sind zu Fuß zur Bootsanlegestelle gegangen. Dort bestiegen wir eines der schmalen langen Boote, wie sie zu Hauf über den See die Touristen und Einheimischen hin und herfahren und wurden den ganzen Tag zu allen möglichen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten gefahren.
Unter anderem haben wir eine Silberschmiede, eine Weberei, eine Zigarettendreherei (nennt man das so? ), eine Werkstatt für Holzarbeiten und eine Schirmwerkstatt gesehen. Wir waren bei den schwimmenden Gärten und auch die Pagoden durften nicht fehlen. Zum Abschluss gab es noch einen wunderschönen Sonnenuntergang direkt auf dem See.

Ich hoffe, ich schaffe es, die Bilder hochzuladen, dann könnt ihr euch selber ein Bild davon machen.

~ Jule ~

Drei mal rechts ist einmal links, warum es kein Geld gibt und auf zum Inle See

Nach dem Wasserfall-Fall hat mich erstmal eine schöne Erkältung erwischt. Mir war das in dem Moment klar, als der Laster losfuhr und ich im Zug saß.
Scheinbar ist das eine meiner speziellen Geheimkräfte, denn ich habe offenbar ein Talent dazu, bei besonders hohen Temperaturen eine Erkältung zu bekommen.
Das ist einer der Gründe für die vorübergehende Funkstille, denn trotz Erkältung geht das Leben ja weiter und einfach im Bett liegen ist nicht drin. Deswegen haben wir nur etwas langsamer gemacht, aber nicht nichts.

Am Montag haben wir uns Fahrräder geliehen. Das Problem mit den Fahrrädern habe ich ja beim Königspalast schon mal angeschnitten. Meins war so klein, dass meine Knie fast an den Lenker kamen und der Sattel so blöd platziert, dass ich stets vorn runterzurutschen begann. Meine von Gliederschmerzen und oder Muskelkater (woher der Schmerz kommt, ist ja dann eigentlich auch egal) geplagten Beine hatten also besonders gut zutun. Aber, laut Micha, ist Fahrradfahren viel weniger anstrengend als durch die Stadt zu laufen. Bei der Hitze und so.
Mein Ziel war es, noch einmal zu den Steinmetzen zu fahren, denn in dieser wundersamen Straße, die ganz von weißem Staub überzogen ist, hatte ich etwas gesehen, das ich gern mitnehmen würde. Darüber hinaus liefen wir langsam Gefahr, an die Grenzen unseres Bargeldes zu stoßen und so beschlossen wir, unterwegs noch nach ATMs zu suchen um dieses Problem schnell zu beheben. Außerdem hätten wir gern die Post besucht.
Da wir vom Guest House eine kleine Karte mit vermerkten ATMs bekommen hatten, beschlossen wir, dies als erstes anzugehen. Auf die Räder geschwungen und los!
Eine sehr wackelige Angelegenheit, vor allem in einem Verkehr, dessen Regeln wir noch lernen müssen.

Am Anfang ist es am einfachsten, sich beim Überqueren einer Straße an das dickste Auto zu hängen, dass sich finden lässt. Naja, Hauptsache Auto. Alle halten, wenn ein Auto fährt. Links abbiegen war auch nicht gleich unsere bevorzugte Richtung, daher probierten wir es so lange mit rechts um den Block fahren, bis wir links angekommen waren. Geht doch auch.
Beim ATM wieder das gleiche Spiel wie am Flughafen… der erste nimmt die Karte nicht, der zweite hat gar kein Geld, was sich erst durch mehrfaches ausprobieren rausfinden lässt, beim dritten haben wir Glück. Wir bekommen zwar nicht so viel wie erhofft, aber immerhin so viel, dass wir das Hotel bezahlen können. Vielleicht finden wir ja unterwegs einfach nochmal einen.
Die eingezeichnete Post gibt es schon gar nicht mehr. Dafür sind wir sogar einmal links abgebogen!
Dafür müssen wir jetzt erstmal was Essen und halten beim nächst besten Stand an um erstmal eine Pause zu machen und uns zu erholen. Es gibt irgendwas mit Hühnchen und Reis. Schmeckt.
Auf dem Weg zu den Steinmetzen, Micha ist sich ziemlich sicher, dass er weiß wo es langgeht, kommen wir an einer Eisdiele vorbei. Ich kann nicht anders, selbst als Nicht-Eis-Fan muss ich das ausprobieren. Es gibt Tuttifrutti-Eis in schillernden Farben. Ich stehe nicht auf Tuttifrutti aber wer kann bei der Farbe nein sagen? Als Creme-De-La-Creme streut der liebe Eismann noch bunte Streusel oben drauf!
Der Popo fängt langsam an wehzutun vom Fahrradsitz. Oder noch von gestern, lässt sich nicht so klar definieren. Wir kommen bei der Pagode an, neben der die Steinmetze ihre Straße haben. Natürlich fahren wir so, dass wir einmal drumrum fahren müssen. Nun ist es so spät, dass die guten Steinmetze ihre Stände schon abgebaut haben und ich weiß nicht mehr so recht, wo genau ich das gute Stück gefunden habe. Ich hole meine Kamera aus dem Gepäck, denn ich habe den Stand ja fotografiert, und schaue, was in etwa so aussehen könnte. Mit dem Foto gehe ich auf eine junge Frau zu und zeige darauf. Sie fängt an zu strahlen, bedeutet mir reinzukommen und die ganze Familie steht strahlend um mich rum. Sie packen nochmal alles aus, bis ich finde, was ich suche. Am Ende sagen sie mir, wie schön ich bin und bedanken sich. Ich strahle auch, denn mein Ziel ist erreicht. Nun kann es zurück gehen und ich gut schlafen.
Wir geben die Fahrräder ab (und wie gern ich das mache!) und essen noch einmal zu Abend im Shan-Buffet.

Am Dienstag wollen wir nur noch mal zu Fuß nach weiteren ATMs suchen. Wir mussten das Zimmer bis 12 Uhr räumen, da wir entschieden haben, abends zum Inle See zu fahren. Das Busticket haben wir im Guest House bekommen und werden da um 18:30 abgeholt.
Das mit dem Geld haben wir uns irgendwie anders vorgestellt. An wie vielen Automaten wir waren, kann ich gar nicht mehr sagen. Zweimal hat Micha eine kleine Summe bekommen. ALLE anderen waren LEER. Selbst das Personal der Banken konnte uns nicht weiterhelfen. Nach dem Gefühlt 100. Versuch wurde mir die Sache zu bunt, ich war sichtlich genervt und schlug vor, zurück zum Guest House zu gehen. Fahren wir halt ohne Geld zum Inle See. (Das Problem war, dass ich mich nicht erinnern konnte, was im Reiseführer bezüglich Geldautomaten am Inle See stand. In einigen Orten bekommt man halt einfach kein Geld) Ich setzte mich in die Hotellobby und schlief da tatsächlich auch ein. Micha ging nochmal allein los um Geld zu holen… und kam mit leeren Händen zurück. Leeren waren sie nicht, er hatte einen Stapel ATM-Quittungen dabei auf denen stand „Automat leer“ (das stand da natürlich nicht… aber vom Sinn her das gleiche). Jetzt war sogar er genervt.

Um 18:30 wurden wir wie versprochen abgeholt und mit einem Kleinbus zum Busbahnhof gefahren. Dort durften wir dann bis 20:30 warten, bis unser Reisebus losfuhr. Die Wartezeit versüßte uns eine kleine Einheimische Familie, die ihren Jüngsten dazu anstiftete, Fotos von und mit uns zu machen. Der kleine Mann, vielleicht 3 Jahre alt, traute sich natürlich nicht so recht. Aber er hielt sein riesiges Smartphone tapfer in der Hand.
Die Reise war eine Wohltat. Der Sitze sehr bequem, mit viel Beinfreiheit, es gab Wasser und Snacks und eine Decke. Die Decke war das wichtigste – der Bus wurde auf 18° runtergekühlt und wir froren wie im Winter. Warum die das machen? Man weiß es nicht!
Anfangs habe ich versucht, mein neues Buch mit dem Kindle zu lesen, leider verschwammen irgendwann die Buchstaben im ewigen Auf und Ab. Dann habe ich den Bericht über den Wasserfall-Fall angefangen, aber auch da verschwamm irgendwann alles. Also habe ich geschlafen. Irgendwann wurde ich geweckt und es hieß, wir müssen den Bus wechseln. Mitten in der Nacht, im absoluten Nirgendwo steigen also wir und ein paar andere Leute aus und sitzen dann in einer kleinen Hütte und warten.
Und, als hätte ich es nicht geahnt, kommt ein Pritschenwagen! Immerhin waren die Sitze diesmal gepolstert… ein kleiner Trost. Wir werden gefragt, wo wir hin wollen. Micha antwortet, wir haben nichts gebucht. Kurzes Lachen, dann wird uns was empfohlen. Den Wagen teilen wir uns mit einem italienischen Pärchen und dem Besitzer des indischen Restaurants „Diamond“, der uns erzählt, dass er zwar Birmane ist, aber 17 Jahre in Thailand gelebt hat und nun mit seiner Thailändischen Frau und den zwei Kindern zurückgekommen ist um das Restaurant zu führen. Er steigt als erstes aus und wir erhaschen einen kurzen Blick auf sein Lokal.
Als nächstes sind wir dran. Das Hostel Win Nyunt Inn gefällt uns auf den ersten Blick, auch wenn es keine Klimaanlage gibt und das Licht im Bad nicht funktioniert. Aber das Zimmer hat so schöne Steine an den Wänden. Es ist 5 Uhr früh als ich ins Bett falle. So ungefähr. Internet funktioniert nicht. Aber darum wird sich morgen gekümmert.

Dass das Internet dann doch irgendwann ging, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Sonst hätte ich ja nicht posten können.
Der Mittwoch war dann ganz entspannt. Lange schlafen – hatte ich ja auch echt mal nötig – und dann nur ein bisschen durch den Ort laufen. Und siehe da, hier steht einfach so ein ATM und wir bekommen die Höchstsumme ohne murren und knurren ausgezahlt. *Ohne Worte*
Essen gibts dann indisch. Natürlich im Diamond. Die thailändische Frau des Besitzers ist der Hammer, eine unglaublich sympathische Mischung aus durchgeknallt und verrückt. Sie spricht ein paar Sätze Deutsch (wie sich später herausstellt spricht sie von gefühlt JEDER Sprache zumindest ein paar Sätze) und man möchte sie gleich ins Herz schließen. Beim Bestellen schreit sie nach jedem geäußerten Wunsch in die Küche und klatscht in die Hände.  Nach dem vorzüglichen Mahl nimmt sie uns das Versprechen ab, am nächsten Tag wiederzukommen.
Als wir zurückgehen, geht gerade der rote Mond auf. Wir holen schnell die Stative und versuchen unser Glück. Er ist zwar nicht mehr rot, als wir bereit sind, aber voll und wunderschön.
Insgesamt ist die Gegend hier wunderschön. Zwar immer noch staubig, aber sehr viel ruhiger als das hektische Mandalay.
Jetzt sind wir fast wieder up to date :)

Anbei ein Foto vom Eis und eins vom Mond. Viel Freude :)

~ Jule ~

Der Wasserfall-Fall

Ich habe jetzt ein paar Tage nicht geschrieben, aber das heißt nicht, dass wir nichts erlebt haben. Ehrlich gesagt, haben wir eine ganz nette Geschichte erlebt, aber Micha hat mir das Versprechen abgenommen, dass ich diese nicht poste, bis er nicht mit seiner Mutter (an dieser Stelle einen lieben Gruß) gesprochen hat und ihr versichern konnte, dass wir noch am Leben sind.

Da dies nun geschehen ist, kann ich nun also allen berichten, was wir erlebt haben. Am Sonntag, nachdem wir endlich einmal ausgeschlafen haben, wollte Micha Wasserfälle sehen. Dies gestaltete sich nicht so einfach, wie vielleicht erwartet. Kyaw Soe hatte ihm auf unserer letzten Tour davon berichtet, aber da wir schon viel zu viel Geld ausgegeben haben, wollten wir diesmal den lokalen Busverkehr testen. An der Rezeption nachgefragt, wusste man dort nicht gleich, was wir sehen wollen, meinte dann, dass sei ganz schön weit und wir sollten zur Bushaltestelle 82/27 gehen.

Dort angekommen verstanden wir nur Bahnhof, denn von einer Haltestelle war weit und breit nichts zu sehen. Also in den Elektronikmarkt reinspaziert, nachfragen. Sofort scharte sich das gesamte weibliche Personal um mich, neugierig, nichts verstehend. Einer der Angestellten konnte mit ein bisschen Englisch weiterhelfen, bat mich, ihm zu folgen, begleitete mich auf die Straße und sagte „da sind wird“. Also waren wir soweit wie vorher. Micha hatte sich in der Zwischenzeit auf die andere Straßenseite gewagt, Cola kaufen und ich wartete auf ihn. Der freundliche Elektromarktfachangestellte gesellte sich kurz darauf wieder zu mir, fragte, ob er mir helfen könne und ob alles ok sei. Ich frage ihn, woran ich denn bitte einen Bus erkennen könnte und wann der fährt. Das war wohl zu viel Englisch auf einmal. Er entschuldigte sich lächelnd und zog sich in seinen Laden zurück.
Auf der Gegenüberliegenden Straßenseite sah ich schließlich ein Hotel und hielt die Idee für ganz angebracht. Dort versteht man uns vielleicht besser und weiß wo eine Bushaltestelle ist. Der freundliche Hotelier schickte und zurück und deutete auf einen kleinen Laster mit Holzbänken auf der Ladefläche. Das ist also der Bus.

Der Chef des Busunternehmens saß im Schatten und sprang gleich motiviert auf, als wir Interesse kund taten. Leider verstand er das Wort Wasserfall nicht. Das größte Problem in der Kommunikation mit den Einheimischen ist vor allem, meiner Meinung nach, die etwas alternative Aussprache. Vielleicht verwechseln sie gern Englisch mit Französisch und denken, 2/3 des Wortes einfach zu verschlucken, wäre der richtige Weg. Am schönsten ist mein Beispiel mit Mr. Aung 1, der dachte, wenn er „Bädeee“ einfach 20 mal wiederholt, wird es klarer. Er mit ein bisschen rumrätseln wurde klar, dass er „Birthday“ meinte. Naja, nicht mal nah dran, aber die Franzosen würden ihn lieben! ;)
Schließlich versuchte ich es ihm aufzuzeichnen und ihm ging ein Licht auf. Ja, für 1500 Kyat pro Person (ca. 1,11€) würden wir in 1 ½ Stunden zum Wasserfall kommen. Er bot uns zwei Plastikhocker an und wir hockten uns an die Straße, bis nach und nach weitere Mitreisende auftauchten. Darunter eine junge Mutter mit ihren beiden Söhnen. Der Laster wurde mit Paketen und Beuteln beladen und schließlich wurde uns zu verstehen gegeben, wir sollten einsteigen. Man hielt respektvoll Abstand zu uns und auf ging das Abenteuer nach wir wissen auch nicht wohin.

Bereits nach einer halben Stunde tat mir mein Popo von der Holzbank und der Rücken von der unglücklich platzierten Rückenlehne so weh dass ich mich fragte, was ich hier eigentlich mache. Micha wirkliche nicht sehr viel glücklicher. Ich versuchte meinen Körper irgendwie sinnvoll zu verkeilen, ohne dass diverse Körperteile dabei einzuschlafen drohten und versuchte selber ein wenig Schlaf zu finden. Bei der jungen Mutter sag das so einfach aus. Ein paar mal hielten wir irgendwo im Nirgendwo an, Leute stiegen ein, Leute stiegen aus, es wurde mal eng, dann mal wieder leerer. Die junge Mutter kaufte ihren Kids Eis. Mit Angry Birds drauf. Kleine Kinder freuen sich überall gleichermaßen über Eis.

Nach drei Stunden wurde uns das alles ein bisschen suspekt. Wir beschlossen, den nächsten Halt auf jeden Fall auszusteigen und nach Mandalay zurückzufahren solange wir noch die Chance dazu hätten. Ulkigerweise hielt just in dem Moment der „Bus“ an, der Fahrer stieg aus und deutete auf uns. Ah, wir sind also doch da. Nur doppelt so lange gebraucht wie versprochen. Na macht ja nix.
Kaum war der Bus weg, sprachen uns Mopedfahrer an, wohin wir denn wollten. Auch diesmal wieder ein kleines Rätselraten was „waterfalls“ sein könnten, dann hatten wir aber die Auswahl aus „dem Kleinen“ oder „dem Großen“. Wir entschieden uns für den Großen und gaben unsere Leben in die Hände der beiden Fahrer. Wirklich. Unser Leben. Und gefahren sind sie wie die Teufel. Die Hügel runtergeheizt, durch Schlaglöcher und über kaputte Straßen. Ich habe mich bereits tot auf der Straße liegen sehen oder mit nur einem Bein nach Hause kommend. Auch wenn ich mich mit aller Kraft am Rücksitz festgekrallt habe (ich befürchtete  schon, das Metall durchzubrechen), bin ich einmal fast vom Sitz gefallen. Fast hätte ich den Boden geküsst, als wir endlich da waren.
Dort, wo der Abstieg zum Wasserfall begann, ließen uns die Fahrer endlich absteigen und auf die Frage, ob sie auf uns warten sollen, konnten wir einstimmig mit „Nein danke“ antworten. Um nichts auf der Welt würde ich da wieder aufsteigen! Wir mussten auch gar nicht diskutieren über die Frage, ob wir mit Taxi nach Mandalay zurückfahren. So ein richtiges, ein Auto, mit Sitzen, bequem halt.

Als wir losgefahren sind, hat leider niemand was von Bergsteigen gesagt. Daher hatten wir beide nur unsere FlipFlops an, die sich nun als nicht die optimalste Wahl herausstellten. Es ging bergab auf einem unebenen Weg mit schön vielen Steinen und Ausrutschmöglichkeiten. Bereits an der ersten Serpentinenbiegung bei einer Hütte fand Micha einen noch aufregenderen Abstieg zu einem kleinen Wasserfall. Ich versprach zu warten, denn auf gebrochene Beine hatte ich noch immer keine Lust. Ich setzte mich zu einer kleinen Familie in die Hütte und genoss eine kalte Cola während sich die beiden kleinen Mädels gestritten haben, wie kleine Mädels sich manchmal eben streiten wenn sie Geschwister sind.
Micha kam, nass wie ein begossener Pudel zurück und wir machten uns auf den gesamten Berg hinunterzuklettern. Wie oft ich beinahe hingefallen bin, kann ich nicht zählen. Und die ganze Zeit ging mir zunehmend auf, dass wir a) das ja auch alles wieder hochlaufen müssen. In FLIPFLOPS und b) es dann aller Wahrscheinlichkeit nach stockfinster sein wird. Und hier ist ja auch nirgends Licht.
Unterwegs stießen wir auf einige weitere Touristen und viele Einheimische, die uns stets anlächelten und auch gern mit uns fotografiert werden wollten. Seit ich auf eine Gruppe junger Birmanen gestoßen bin, die alle einzeln Fotos mit mir haben wollten, führe ich die Liste nun wohl an ;)
Mitunter waren auch einige Mopedfahrer unterwegs, die anboten, die Leute den Berg runter oder auch wieder rauf zu fahren. Mir kam das nach unserem letzten Mopederlebnis mehr als fragwürdig aber durchaus sinnvoll vor. Ich machte mir im Hinterkopf eine Notiz „unbedingt nutzen“.

Der Wasserfall war ganz klar die Strapazen wert. Also schon irgendwie. Ja, er war wirklich schön. Allerdings begann es bereits zu dämmern als wir unten waren und viel Zeit zum Fotografieren blieb nicht. Micha ist noch kurz schwimmen gegangen und ich hab mich mit ein paar Langzeitbelichtungen versucht. Im Nachhinein ist mir aufgegangen dass ich dort dann wohl meine wundervolle lila Sonnenbrille verloren haben muss. Wenigstens liegt sie nun an einem schönen Ort.
Viel zu bald mussten wir uns wieder an den Aufstieg machen. Zwei Mopedfahrer fragten uns, ob sie uns hochbringen sollten. Ich verstehe gar nicht, warum wir nein gesagt haben und hätte ich gewusst dass es die letzte Möglichkeit ist, wäre ich ihnen schreiend nachgelaufen (zumindest drei Meter…). Schnell stellte sich heraus, dass die Dunkelheit viel schneller kommt, als erwartet und wie die Letzten waren, die den Aufstieg noch vor sich hatten. Plötzlich war alles wie ausgestorben, nur ab und zu sahen wir einen der vielen Hunde die uns vorher schon aufgefallen waren. Einer sah uns an als seien wir was zu essen, ich bin mir ganz sicher. Wie ich den Aufstieg geschafft habe, ist mir ein Rätsel. Jeder weiß, wie unsportlich ich bin. Besonders in FlipFlops. Micha musste meine Tasche zusätzlich tragen (man nennt das auch Gewichtsausgleich…) und wir mussten ständig anhalten, damit ich sowas wie Luft bekomme. Wo sind die ganzen Fahrer, wenn man sie wirklich braucht? Die letzte Motivation, die mich oben ankommen ließ war, nicht im Dreck zu schlafen und möglicherweise Hundefutter zu werden. Oder Schlangenfutter, das wäre gar schlimmer.
Leider bedeutete das Ende des Berges noch nicht das Ende des Weges für uns. Der schien irgendwie erst begonnen zu haben. Schließlich mussten wir noch zur Straße nach Mandalay kommen, und die schien noch sehr weit weg, wir konnten sie nicht mal hören. Und sehen ja auch nicht viel, nur das, was der Mond uns zu sehen gab. Es waren auch kaum Menschen unterwegs, und die, die unterwegs waren, verstanden uns nicht. Schließlich fanden wir einen Taxifahrer. Der musste erst seine Gäste wegbringen, versprach dann aber zu wenden und zurückzukommen. Also blieben wir auf dem kleinen Platz stehen wo nicht lange zuvor noch Leben war und warteten. Ein älterer Herr gesellte sich zu uns und bat um Feuer.
Der Taxifahrer kam zu uns zurück, aber die Frage, uns nach Mandalay zu bringen verneinte er. Morgen. Er könne uns aber zur Straße fahren. Wir fanden, dass wir das Stück auch noch laufen könnten.
Zurück zur Straße sah die Welt schon wieder etwas lebendiger aus. Wir fragten zwei junge Männer auf ihrem Moped, ob es irgendwo ein Taxi nach Mandalay gäbe. Sie waren wirklich hilfsbereit und bemüht und dachten wirklich darüber nach. Stellten dann aber fest, dass es keins gäbe und zogen von dannen. Also liefen wir weiter, bis wir an eine Tankstelle kamen. Also eine richtige, mit Zapfsäulen statt Wasserflaschen. Da müsste man uns doch helfen können. Wir sprachen einen Mann mittleren Alters an. Er erklärte uns, es würde kein Taxi nach Mandalay geben. Er könne uns zu einem Hotel bringen. Aber das hatten wir ja schon. In Mandalay. Schließlich bot er uns an für ca. 30$ selbst nach Mandalay zu fahren. Damit wäre unsere Idee, mal etwas günstiger über den Tag zu kommen zwar zunichte gewesen, aber auch das war mit in dem Moment egal. Hauptsache zurück ins Bett und nicht wieder auf Holzbänken reisen.
Letztlich fand sich eine aufgeregte Familie – hier kommen alle hilfsbereiten Menschen stets im Rudel – und bedeutete uns, ihr Sohn (an dieser Stelle mal so angenommen) würde mit seinem kleinen Laster nach Mandalay fahren und wir sollen bitte einsteigen. Wir durften von auf der Bank sitzen, eine richtige, so bequem und so. Es dauerte noch eine kleine Weile, bis es losging und Mutti lächelte uns stets an und freute sich. Der junge Mann sah aus wie 15, zeigte uns aber bereitwillig seinen Führerschein und es stellte sich heraus, er war schon 19 und durfte tatsächlich Autofahren. Die Fahrt zurück dauerte genau die mittags angedeuteten 1 ½ Stunden und was so unglaublich angenehm, weil bequem und recht zügig, auch wenn wir mit offenen Fenstern fuhren und mir absolut klar war, dass ich, die ich im Zug saß, davon krank werden würde. Unser Fahrer war stets bemüht mit uns zu reden. Leider war sein Englisch auf ein paar Worte beschränkt. Er hielt ein paarmal an und jedes mal schien es, als würden ihn alle dazu beglückwünschen, uns als Beifahrer zu haben. An einem Halt ließ er sich auf Englisch Fragen an uns in sein Handy tippen. Wohin wir genau wollten, wo er uns rauslassen kann. Wir gaben ihm die Karte von unserem Hotel und er fuhr uns bis vor die Haustür. Ganz selbstverständlich. Als wir ihm zum Dank etwas Geld gaben, sah er uns total verdutzt an. Wir wussten nicht, wie wir ihm sonst zeigen sollten, wie dankbar wir ihm waren.
Stelle sich einer diese Situation in Deutschland vor. Wie wären dort im Nirgendwo gestrandet. Und dann ausgeraubt und verprügelt worden. Weil wir ein bisschen fremd aussehen und die Sprache nicht sprechen. So oder so ähnlich.

Auch wenn es noch gar nicht so spät war, war der ganze Tag eine ziemliche Odyssee und wir wollte nur noch was essen und dann ins Bett. Leider hatte das tolle Shan-Buffett vom Vortag schon zu, daher gingen wir ins Rainbow Restaurant wo ich mein bestes Hähnchen süß-sauer überhaupt hatte. Ich werde wahrscheinlich zuhause nie wieder Spaß an asiatischem Essen haben. Es ist halt einfach nicht das gleiche.

Und so ging unser Fall mit dem Wasserfall zum Glück glücklich zu Ende.

~ Jule ~

Da wir nun schon am Inle See sind und hier das Netz leider sehr… unzuverlässig und langsam, kann ich leider nicht so viele Bilder hochladen. Daher nur eins von besagtem Wasserfall.

0825

Mandalay, Ava und Amarapura

Die letzten beiden Tage haben wir uns vertrauensvoll in die Hände unserer Mopedfahrer Kyaw Soe und, nennen wir ihn Mr. Aung, das ist der Name, der auf seiner Karte steht, die er sich wahrscheinlich mit seinem Bruder teilt, genauso wie seinen Job, denn Mr. Aung 1 war unser Mann am Donnerstag, sowie heute, sein Bruder, Mr. Aung 2 war gestern mit von der Partie. Alle drei waren unglaublich freundlich und immerzu bemüht uns unsere Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. Egal wie lange wir sie haben warten lassen, sobald wir nur in die Nähe vom Ausgang kamen, standen sie mit strahlendem Lächeln bereit. Da stellt sich die Frage… woher wissen die das?

Die genaue Reihenfolge lässt sich für uns leider nicht mehr ganz Revue passieren… dazu haben wir gefühlt zu viele Pagoden gesehen und, seien wir ehrlich, für uns ist eine Pagode eine Pagode, lediglich in der Art ihrer Bausubstanz für uns zu unterscheiden. Vielleicht, ja vielleicht, lernen wir ja noch dazu, ein paar Tage haben wir ja noch. Da, wie gesagt, die Reihenfolge sowieso hinfällig ist, berichtet ich nun nicht chronologisch sondern thematisch zusammenhängend. :)

Beeindruckend waren die Werkstätten. In akribischer Feinarbeit wird hier stundenlang Holz zu feinen Schnitzereien verarbeitet, aufwändige Muster in Stoffe verwebt und Gold zu Blattgold geschlagen. Ein Straßenzug kam ganz in weiß daher – dort wurden die Buddhafiguren aus weißem Stein (?) gemeißelt. Man fragt sich, wie das sein kann. Wieso dieses Volk so arm ist, warum die Waren so günstig, wo sie so viel Mühe und Arbeit in so liebevoll gemachte Stücke investieren. Unsere maschinell hergestellten Produkte können dagegen doch gar nicht ankommen, sie wirken langweilig und fade.

Recht zu Anfang waren wir am Sagaing Hill. Bestimmt ist die Aussicht von dort oben super, für mich waren es aber nach dem Mandalay Hill am Abend zuvor einfach zu viele Stufen und die Luft zu heiß, ich habe mich schließlich auf halber Höhe auf eine Bank gesetzt, den Ausblick genossen, ein bisschen Musik gehört, während ich auf Micha gewartet habe. Belohnt wurde ich mit einem sehr netten Gespräch mit einem Mönch in seiner wunderschönen dunkelroten Robe. Er war sehr neugierig und aufgeschlossen und hat mir zum Abschied die Hand gegeben. Mich hat das ein wenig verwundert, so hatte ich nach ausgiebiger Lektüre meiner Reiseführer gelesen, dass gerade Frauen nicht unbedingt die Leute anfassen sollen, gerade bei Kindern (vor allem deren Köpfen) und Mönchen sei Vorsicht geboten.
Wahrscheinlich haben die Mönche aber diese Reiseführer nicht gelesen, denn auch später stellten sie sich als recht körperkontaktfreudig heraus ;)

Schließlich ging es nach Ava. Kyaw Soe und Mr. Aung fuhren uns zur Fähre, die uns ans andere Ufer brachte. Dort nahmen wir, zusammen mit Anna aus Tschechien eine Pferdekutsche und wurden ca. 2 Stunden durch Ava gefahren mit vielen Stopps an diversen Pagoden und einem Wachturm. Die erste Zeit wurden wir von der süßen Ay-Ay (variable Schreibweise) auf ihrem Fahrrad begleitet, die sich in den Kopf gesetzt hatte, uns Souvenirs „ganz günstig“ zu verkaufen. Sie entpuppte sich als prima Guide, da sie ziemlich gut Englisch sprach und uns über alles mögliche etwas zu erzählen hatte. Wir begannen den Fehler, ihr zu früh etwas abzukaufen – dann war unser freundlicher Guide dahin.
Insgesamt ist das Leben in Ava sehr einfach und landwirtschaftlich geprägt. Überall laufen Hunde und Katzen herum und am Straßenrand stehen Kühe. Es gibt eine Schule, aber die schien gerade geschlossen zu haben. Alternativ bekommen die Kinder Zugang zur Bildung, wenn sie in das Bagaya-Kloster gehen.

Den Sonnenuntergang haben wir uns auf der U Bein Brücke angesehen. Ich versuche, die richtigen Worte zu finden, damit Papa sich nachträglich keine Sorgen machen muss, aber es ist gar nicht so einfach. Laut Wikipedia ist sie die älteste (von 1850) und längste (1200m) Teakholzbrücke der Welt. Der Zustand ist „generell gut“, aber eine zunehmende Anzahl verfaulender Pfähle gibt Anlass zu Sorge. Einige werden bereits nur noch über seitliche Querträger gehalten, ihr unterer Teil ist gänzlich verrottet. Gut, dass ich das nicht vorher gewusst habe!
Trotzdem habe ich es nicht geschafft, weit zu gehen. Die Brücke ist ca. 2m breit, gefühlt 10m hoch (ok, ist übertrieben) und von einem Geländer gibt es keine Spur. Ja, die Menschen gehen sehr respektvoll miteinander um und man wird nicht angerempelt. Trotzdem, wenn man kurz stehenbleibt spürt man wie sehr der Bau wackelt. Zu meinem Glück fand ich Platz auf einer der Bänke, neben zwei netten Herren aus Deutschland. Lars versprach, die Brücke würde die nächsten Jahre nicht einstürzen, aber ich wollte dennoch lieber dort sitzen bleiben. Micha ging derweil weiter.
Spektakel wurde mir auch so genug geboten. Die vorbei ströhmenden Menschenscharen brachten viel Unterhaltung, ein junges Pärchen wollte gern mit uns fotografiert werden und prompt saß das Mädchen fast auf meinem Schoß und hatte die Arme um mich geschlungen. Soviel zur Zurückhaltung ;)

Abendessen gab es an einem indischen Straßenstand. Dort sitzt man auf Plastikstühlen am Straßenrand und bekommt serviert, was vor unseren Augen zubereitet wird. Meinem Vorhaben, vegetarisch zu essen zum trotz gab es für uns beide Chicken Curry. Man möchte ja vergleichen können mit dem Essen zuhause. Was uns da für umgerechnet 3,70€ serviert wurde steht in keinem Verhältnis, wir haben bei weitem nicht alles geschafft – und es war unglaublich lecker. (Toitoi, der Magen hält sich auch ganz gut, siehst Du Thomas – alles kein Problem ;) )

Heute gab es dann wieder ganz viele Pagoden und Klöster. Also nicht falsch verstehen, die sind wirklich alle unglaublich beeindruckend und es ist unfair, dass sie hier nur kurz Erwähnung finden. Aber ich müsste die ganze Nacht durchschreiben, würde ich jede einzelne ausreichend beschreiben.
Wovon ich aber berichten möchte, ist der Königspalast. Dieses riesige Areal ist nahe unseres Guest House gelegen und durch eine Mauer und einen Wassergraben von der restlichen Stadt abgegrenzt. Für Ausländer ist nur ein kleiner Bereich des Geländes begehbar da der größte Teil Militärgelände und somit verboten ist. Schon am Eingang wird man von den strengen Blicken der Militärs mit ihren Waffen begrüßt, was sicher nicht nur mir ein mulmiges Gefühl bereitet. Der Weg zum Palast ist sehr einfach – wir dürfen ja nur gerade aus. Kaum haben wir das Tor passiert, werden uns Fahrräder angeboten. Was irgendwie witzig ist, denn diese Fahrräder dürften sich bei uns zuhause kaum als solche schimpfen. Wir sind nur minimal schneller als zu Fuß und Bremsen sind zwar netterweise verbaut – funktionieren aber nicht. Aber gut, wenigstens sitzen ;)
Kurz vor dem Palast kehren wir in eines der Straßenlokale ein und genießen eine kalte Pepsi. Ein Militär gesellt sich zu uns und stellt sich als echt nette Type raus, sehr kontaktfreudig und bemüht Englisch zu reden. Bald dazu kommt auch sein Kumpel dazu, Taxifahrer, der ein bisschen übersetzt und uns erklärt, wie wenig so ein Soldat verdient.

Im Palast selber waren erstaunlich wenig Europäer vertreten. Wir kamen uns vor, als seien wir die Sehenswürdigkeit, nicht die Anlage selbst. Ich will gar nicht wissen, auf wie vielen Fotos meine grünen Haare nun gelandet sind. Am skurrilsten war ein Mönch, der uns mit Zeichensprache fragte, ob er ein Foto mit uns mit seinem Smartphone machen könnte. Bald machen wir uns T-Shirts mit der Aufschrift „Foto = 1000 Kyat“, dann kommen wir mit mehr Geld nach Hause als wir vorher hatten.

Zum Abendessen gab es dann typisches lokales Essen im Shan Buffet. Wir haben keine Ahnung, was wir da gegessen haben, aber es war unglaublich gut. Vor allem die Suppe, die hat es mir angetan.

Und nun ist es kurz vor elf und ich hoffe, ja ich hoffe wirklich, diese Nacht kann ich mal vernünftig schlafen.

Anbei sende ich ein paar Bilder von gestern, die von heute warten noch auf Selektion und Bearbeitung. Folgt vielleicht, wenn die Nacht wieder schlaflos bleibt.

@ Thomas: Leider habe ich noch keine Fotos von Bussen oder Haltestellen, da ich mich nicht traue, auf dem Moped mit der Kamera zu hantieren. Ich hoffe, das Pferde-Taxi tut es auch erstmal ;)

~ Jule ~