Ngapali Beach

Dieser Ort ist so unglaublich schön, dass man es nicht festhalten kann. Am schönsten war, neben der Katze, die Bootstour heute morgen mit Schnorcheln und Pommes essen mit Stäbchen auf der Insel.

Ich hatte etwas Angst um meine Kamera auf dem Boot, daher habe ich nur mit meinem iPhone Bilder gemacht. Aber wie schon gesagt, man kann das nicht festhalten – kommt selber her und seht es euch an!

Hier gibt es frisch gefangenen Fisch nach Sonnenuntergang am Strand, Doris zum fast streicheln (vielleicht vergisst ja doch mal eine dass sie gerade noch Angst hatte?) und Sonne Sonne Sonne. Die Krebse buddeln ihre Löcher am ganzen Strand und es sieht so aus wie wenn Papas bester Freund Herr Maulwurf mal wieder ganz fleißig im Garten war.

Hier ist das Paradis keine 25 m mehr entfernt (lieber Gruß an Fabi ;) ).

~ Jule ~

Pyay

Von Pyay habe ich leider kaum Bilder, was wohl daran lag, dass ich die meiste Zeit mit einer Magenverstimmung im Bett verbracht habe. 

Trotzdem muss ich sagen, dass dieser Ort mir besonder gefallen hat. Also das, was ich auf den Spaziergängen zum Markt und zum Nachtmarkt und zum Fluss gesehen habe. Überall in Myanmar sind wir stets mit sehr viel Freundlichkeit und Respekt behandelt worden. Aber hier in Pyay scheinen die Leute noch eine ganze Portion davon obendrauf zu legen. Allen voran die Betreiber des Panga Bar Guest House, wo wir für 4 Nächte unterkamen. Der Familienbetrieb wird von einer Handvoll liebevoller älterer Herrschaften geführt, die jedem Gast mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit jeden Wunsch zu erfüllen versuchen. Und das für jeweils 1000 Kyat, egal worum es geht. Am ersten Tag bat ich sie um Rat, wo ich mir aus meinem auf dem Markt in Inle gekauften Stoff einen Longhy nähen lassen könnte. Sofort bat der ältere Herr mit Brille an, er könne dies erledigen. Ich staunte nicht schlecht, aber er schwang sich auf sein Fahrrad um kam 30 Minuten später mit fertigem Longhy zurück. Daraufhin versammelte sich die gesamte Familie um mich, um mir zu zeigen wie man den dann auch richtig wickelt. Mit herzzerreißender Hingabe haben sie sich um mich gekümmert als es mir nicht gut ging und haben mit diverse Tees und Elektrolyte-Beutelchen vorgesetzt und ja, beim Thema Essen war mit denen nicht zu spaßen – da sind alle Großeltern auf der ganzen Welt wohl gleich. Haben nur die typischen Oma-Kekse gefehlt. Und wer morgens seinen Tee nicht getrunken hat, der war mit dem Frühstück auch noch nicht fertig. 

Auch die Menschen auf dem Markt waren unheimlich freundlich. Ich sage unheimlich, da es für einen Berliner mitunter tatsächlich unheimlich ist, auf überaus freundliche Menschen zu treffen. Daran muss man sich erst gewöhnen, doch bald ist man gewillt ebenso lächelnd durch die Straßen zu laufen. 

Wahrscheinlich ist man hier noch so neugierig und überaus freundlich und noch nicht so auf verkaufen aus, da es hier einfach deutlich weniger Touristen gibt. Bis auf ein paar weitere die bei uns mit im Panga bar wohnen habe ich keine gesehen. Da verwundert es eigentlich nicht, dass wir von allen angestarrt werden. 

Als wir genug vom Markt haben – dieser stellt sich als sehr viel größer und unübersichtlicher heraus als ursprünglich angenommen – gehen wir zum nächstgelegenen Teeladen und gönnen uns eine kalte Fanta (heißt hier Max). Der Besitzer Than Htun Oo verwickelt mich in ein recht langes Gespräch über Gott und die Welt. Ok, vielleicht nicht über Gott, aber schon ein wenig über die Christen, da er in seiner Kindheit in einer christlichen Schule war und daher für die Verhältnisse hier sehr gebildet. Daher ist ihm die Frage auch sehr wichtig, ob ich selber Christ bin und wenn ja zu welchem Verein ich gehöre. Ich sage einfach mal ja und er freut sich. Im weiteren erzählt er viel von seinem Land und was er von der neuen Regierung erwartet und wie schlecht die Bildung hier leider ist, was er als sehr großes Problem sieht. Trotzdem mag er sein Land sehr gern und er schätzt die Art zu Leben, in der Familie. Denn auch wenn er sein Land nie wirklich verlässt, nur mal zu Kongressen in Thailand, denn er ist ein Mitglied eines Komitees gegen Aids – was er sehr stolz mitteilt – weiß er durchaus, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht. Zum Beispiel dass wir Europäer ständig der Arbeit hinterherlaufen und viel zu wenig Zeit mit der Familie verbringen. Und er hat recht, wenn man sich die Menschen hier ansieht haben sie vielleicht nicht viel, aber alles was sie brauchen. Und ein Smartphone, denn das hat hier wirklich jeder. Die Neuigkeit, dass Deutschland nicht mehr geteilt ist, scheint ihn ein bisschen zu überraschen, aber er nimmt es mit Fassung. Zum Abschied gibt es eine Visitenkarte und auf der Rückseite notiert er seine Mibilfunknummer mit dem Vermerk „Any help“. Habe ich erwähnt dass der gute Herr bereits 68 Jahre alt ist, in diesem Land ein ziemlich stolzes Alter und ihm genauso wie allen Menschen jenseits der 30 bei uns auffällt, verdammt, da bleibt nicht mehr viel Zeit übrig. Auch dies scheint international zu sein. 

Soviel kann ich zu Pyay sagen. Nach vier Nächten im Panga Bar heißt es aber Abschied nehmen. Und sollten wir gedacht haben, noch kleiner kann ein Bus nicht werden… Ha! Mit dem Minivan geht es durchs Gebiege, geschlagene 8 Stunden geht die Fahrt bis in Wagen nur noch wir – wir sitzen übrigens direkt hinter dem Fahrer, denn nach den Mönchen kommen in der Reihenfolge wohl direkt die Ausländer – übrig sind und bis vors Hostel gefahren werden. 

Und jetzt sitzen wir hier am Ngapali Beach in einer Bucht und genießen die Meerluft. Bilder folgen :)

P.S. Vorhin im Restaurant habe ich mein Herz verloren an das schönste kleine Katzenmädchen auf der ganzen Welt. Weiß jemand ob man die mitnehmen darf? ;) (Auch von ihr folgt ein Bild sobald ich die Fotos von meiner Kamera habe)

~ Jule ~

  

Sonnenaufgang bis Untergang in Bagan

Der Freitag gestaltete sich recht ruhig. Während Micha mit Fahrrad zu heißen Quellen gefahren ist, bin ich gechillt im Hostel geblieben. Bei der Hitze brauche ich nicht noch heiße Quellen.
Zum Mittag habe ich mir beim Inder zwei Papadam gegönnt, da ich bei der Hitze auch nicht viel Essen brauche. Danach habe ich versucht, eine Sim-Karte für mein iPhone zu bekommen, was sich als unmöglich rausstellte, da es keine Nano-Sim gab. Dafür bin ich dann spontan über einen kleinen Markt und dann gemütlich wieder ins Hostel gewandert.
Abends wurden wir dann – witziger Weise mit dem chilenischen Pärchen zusammen – abgeholt und zum Busbahnhof gefahren. Auf nach Bagan!

Die Fahrt gestaltete sich nicht so angenehm wie die letzte, obwohl wir auch diesmal einen „VIP“-Bus gebucht hatten. Unsere Tickets wurden nichtmal kontrolliert, der Bus war viel älter und nicht ganz so komfortabel. Auch lief kein Mad Max im Fernsehen, weil es keinen Fernseher gab. Immerhin wurde der Bus nicht ganz so schlimm runtergekühlt. Oder man merkt es einfach nicht mehr ganz so sehr. Es gab zwar für jeden ein Nackenkissen, aber Schlaf war unmöglich zu finden – die Strecke war zu holperig.
Irgendwann war man halt in Bagan, der Bus spuckte seine Ladung aus – wir bekamen das nur nach und nach mit, weil keiner wirklich mit uns sprach. Und dann standen wir alle da und wurden, obwohl mitten in der Nacht, von tüchtigen Taxifahrern umringt die uns natürlich alle fahren wollten.

Aufgrund der Müdigkeit nahmen wir einfach einen, mit dem Angebot, uns zu einem Hostel in Nyaung U zu bringen und das so lange, bis uns eins gefällt. Wir nahmen das dritte und landeten im Pyinsa Rupa. Bezahlbar, aber schön und sauber geht etwas anders. So steht das auch im Reiseführer, den wir aber erst zur Hand nahmen, als wir schon eingecheckt hatten. Für drei Uhr nachts ok. Ab ins Bett und schlafen – sofern man denn schlafen kann. Die Schlaflosigkeit ist noch immer mein steter Begleiter. Manchmal ist es eher die Frage nach dem Huhn oder dem Ei… was ist zuerst da? Die kreisenden Gedanken oder die Schlaflosigkeit? Jedenfalls folgt eines aufs andere und wieder zurück.

Daher habe ich den Großteil des Samstags auch damit zugebracht, abzuhängen. Micha hat schon mal die Gegend erkundet und was gegessen. Gegen späten Nachmittag sind wir dann zu einem Spaziergang aufgebrochen, haben – oh Wunder ;) – eine Pagode gesehen und sind letztlich am Ufer des Ayeyarwady gelandet um den Sonnenuntergang zu betrachten. Begleitet wurden wir dabei von einer sehr kleinen jungen Frau, die uns den Weg gezeigt und was zur Aussicht erzählt hat und dann immer wieder auf ihr tragisches Leben zu sprechen kam. Natürlich wollte sie Geld haben, aber unsere Herzen hatte sie schon erweicht, daher konnten wir auch nicht mehr nein sagen.
Gerade als die Sonne untergegangen war und wir auf dem Rückweg, kamen ein paar Deutsche des Weges, ärgerten sich über die 5 Minuten zu spät und wir kamen ein bisschen ins Gespräch. Insgesamt gibt es hier sehr viele Deutsche.
Auf dem Heimweg haben wir einen Kutschenfahrer angesprochen, ob er uns am nächsten Tag durch Bagan fahren würde, angefangen mit dem Sonnenaufgang bis hin zum Sonnenuntergang. Wir verabredeten uns auf 5 Uhr in der früh und machten uns – mit einem kleinen Umweg über eine kalte Cola – auf ins Hostel um noch ein wenig Schlaf zu finden. Der, zumindest bei mir, nur schwer zu finden war. (Wahrscheinlich hat der Osterhase ihn zu gut versteckt)

Um halb 5 aufzustehen nach gefühlt keinem Schlaf ist natürlich so eine Sache. Wenn man dann aber in der Kutsche aufgrund der unebenen Wege gut durchgeschüttelt wird, vergisst man schnell wie müde man eigentlich ist. Wir wurden direkt zu einer der pyramidenartigen Pagoden gefahren, die man erklimmen kann um über die gesamte Anlage hinwegzublicken und die Sonne aufgehen zu sehen. (Wer fleißig das Berliner Fenster im letzten Monat verfolgt hat, hat die Information vielleicht auch gesehen, dass die Regierung von Myanmar sämtliches Besteigen der Pagoden in Bagan aufgrund von Fehlverhalten der Touristen verboten hat – Entwarnung: Davon hat man hier offenbar nichts mitbekommen.)

Das gute am Müde sein ist, man vergisst vielleicht mal was. Oder man denkt nicht an Konsequenzen. Als ich die Pagode zur Hälfte erklommen habe, und man spricht hier wirklich von Klettern, denn die Stufen sind wirklich sehr hoch (Ich frage mich, was die sich dabei gedacht haben. Mal ehrlich… die Menschen hier sind wirklich nicht groß!), habe ich aus versehen einen Blick nach unten geworfen. Da wurden mir in Windeseile sehr viele Dinge klar. a) Shit, ich habe doch Höhenangst, b) das ist jetzt schon verdammt hoch, c) ich muss das auch wieder runter, d) DAS SCHAFFE ICH NIE RUNTER!
Mir ist tatsächlich erstmal ein bisschen schwummerig geworden, also hab ich kurz Pause gemacht. Die Erfindung der Höhenangst war wirklich nicht gut durchdacht. Man hat Angst vor der Höhe, es wird einem schwindelig – und dann wird’s gefährlich. Macht doch gar keinen Sinn!
Jedenfalls habe ich entschieden nicht mehr runterzusehen und weiter zu klettern. Auch wenn das mulmige (untertrieben) Gefühl jetzt da war. Oben angekommen habe ich mich direkt hingesetzt, so dicht wie möglich am Abstieg und habe mich gegen dann Stein im Rücken gedrückt.

Der Ausblick war die Mühe natürlich wert. Wir haben eine Weile auf die Sonne gewartet und viele Fotos gemacht. Solange ich Fotos mache, denke ich nicht viel nach, das tut ganz gut. Sobald ich die Kamera aber wieder sicher verpackt hatte, ging eine leichte Panik in mir auf. Punkt d) wiederholte sich wie ein Mantra in meinem Kopf. Aber es bleibt einem ja keine Möglichkeit. Sobald die meisten weg waren und der Weg frei, begann ich den langsamen Abstieg – rückwärts und stets nur auf die nächste Stufe schauend, immerzu irgendwo festhaltend. Als ich endlich unten war, war ich schon ein wenig stolz auf mich. Ob sich das ganze gegen Sonnenuntergang noch mal wiederholen ließe ließ ich in diesem Moment erst einmal offen.

Nun begann die eigentliche Tour – kreuz und quer (gefühlt – das hat sicher schon Sinn gemacht so) mit der Kutsche durch Bagan. Kutschfahrten sind nicht wirklich bequem. Also auch wenn die Kutsche gepolstert ist, bequem geht anders. Trotzdem ist es ein schöner Ausflug gewesen – mit vielen Pagoden! Nicht selten waren einmal mehr wir die Attraktion und Wunschmotiv auf den Bildern der hauptsächlich asiatischen Touristen. Diesmal habe ich gleich mein eigenes Handy mit ins Spiel gebracht und auch Fotos machen lassen. Meistens wurde dabei aus einem Foto je ein Foto mit jedem Familienmitglied. Und wir reden hier von großen Familien. Dann wird einfach mal durchgelächelt und am Ende sind alle glücklich und zutiefst Dankbar.
Bei einer Pause bei Wasser und Melone haben wir unsere erste Schlange gesehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es beruhigend oder beunruhigend finden soll, dass die Einheimischen genauso erschrocken aufgesprungen und rumgekreischt haben wie wir. Ok, wir haben nicht gekreischt, aber die schon! Wir reden hier übrigens von einer kleinen 1-1,5m langen, grünen Schlange. Also keine riesige. Dass die auch einfach so auf Stühle und Tische klettern kann, hat allerdings vorher keiner gesagt!
Riesige Aufregung im Restaurant, alle Angestellten auf den Beinen, einer macht sich einen Spaß, er steht neben Micha und zwickt ihn und lacht sich herzlichst darüber kaputt. Ein Spaß, den sich in Folge mehrere machen. Er erzählt von seinem kleinen Streich auch zweimal in unserem Beisein. Nicht, dass wir seine Worte verstehen, aber die Zeichensprache für „zwicken“ und „erschrecken“ ist international.

Nach dem Schreck können wir sehr gern weiterfahren. Wir merken auf unserer knapp siebenstündigen Tour schnell, dass die ganzen Souvenierverkäufer, die sich um die Pagoden gesammelt haben, eine kleine List verwenden um einen mehr oder weniger zum kaufen zu überreden. Meistens schicken sie ihre wirklich süßen Kinder vor, oftmals sprechen sie einige Sätze in den gängigen Sprachen und erklären einem alles über die Pagode in der man sich befindet, wo der schönste Aussichtspunkt ist und welche Pagoden man umliegend sieht. Danach wollen sie einem „nur noch schnell“ ihren Verkaufsstand zeigen und lassen so bald auch nicht locker. Erst gegen Abend wird man dieser Masche wirklich müde und ignoriert die freundlichen Anfragen auch mal.

Gegen 12 bringt uns unser Fahrer zurück zum Hostel. Nicht nur er und seine tapfere Stute, auch wir haben eine Pause mehr als verdient. Die Mittagshitze macht sich langsam breit und nun duschen und in ein Zimmer mit Klimaanlage verschwinden – das ist ein Traum! In der Hotellobby treffe ich auf Lars, nach einem kleinen Schwatz auf Englisch frage ich ihn woher er kommt und er meint so halt aus Deutschland. Wir fachsimpeln über die Frage, was die ganzen Deutschen hier eigentlich wollen. Er hat einen guten Tipp für unseren Trip zum Strand im Süden und kommt später vorbei um uns die exklusivste und detaillierteste Karte der Gegend zu geben – selbstgezeichnet.

Wie verabredet holt uns unser Fahrer um 4 Uhr wieder ab. Er ist nicht mehr unser Fahrer, wahrscheinlich ein Verwandter, vielleicht der Vater. Aber Pferd und Kutsche sind gleich und er lächelt uns gleich zu. Wir sind noch schnell beim Essen, aber gleich startklar.
Es gibt noch ein paar kleinere Pagoden zum aufwärmen und dann geht es zur größten Erkletterbaren um den Sonnenuntergang zu sehen.
Da oben ist es schon reichlich voll ist, müssen wir uns ein bisschen beeilen, um noch einen annehmbaren Platz zum fotografieren zu finden. Ein weiteres Mal stelle ich mich der Herausforderung und wir schaffen es immerhin bis zur zweithöchsten Ebene. Ein Glück, dass es hier an der Treppe ein mehr oder minder sicheres Geländer gibt an dem ich mich festklammern kann.
Oben wimmelt es von deutschsprachigen Touristen. Wir quetschen uns in eine Ecke und können einige schöne Aufnahmen machen. Leider ist der Sonnenuntergang nicht so spektakulär. Eher so, als hätte jemand einfach das Licht ausgeknipst.
Ein ganz mutiger Spaßvogel klettert auf die Brüstung und lässt sich dort fotografieren. Mir wird schon vom hinsehen schlecht.

Zurück am Hotel verabreden wir uns mit Lars und Lisset (für Richtigkeit der Schreibweise übernehme ich mal keine Verantwortung), seiner philippinischen Mitbewohnerin noch was trinken zu gehen und lassen den langen Tag ausklingen.

~ Jule ~

Mandalay, Ava und Amarapura

Die letzten beiden Tage haben wir uns vertrauensvoll in die Hände unserer Mopedfahrer Kyaw Soe und, nennen wir ihn Mr. Aung, das ist der Name, der auf seiner Karte steht, die er sich wahrscheinlich mit seinem Bruder teilt, genauso wie seinen Job, denn Mr. Aung 1 war unser Mann am Donnerstag, sowie heute, sein Bruder, Mr. Aung 2 war gestern mit von der Partie. Alle drei waren unglaublich freundlich und immerzu bemüht uns unsere Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. Egal wie lange wir sie haben warten lassen, sobald wir nur in die Nähe vom Ausgang kamen, standen sie mit strahlendem Lächeln bereit. Da stellt sich die Frage… woher wissen die das?

Die genaue Reihenfolge lässt sich für uns leider nicht mehr ganz Revue passieren… dazu haben wir gefühlt zu viele Pagoden gesehen und, seien wir ehrlich, für uns ist eine Pagode eine Pagode, lediglich in der Art ihrer Bausubstanz für uns zu unterscheiden. Vielleicht, ja vielleicht, lernen wir ja noch dazu, ein paar Tage haben wir ja noch. Da, wie gesagt, die Reihenfolge sowieso hinfällig ist, berichtet ich nun nicht chronologisch sondern thematisch zusammenhängend. :)

Beeindruckend waren die Werkstätten. In akribischer Feinarbeit wird hier stundenlang Holz zu feinen Schnitzereien verarbeitet, aufwändige Muster in Stoffe verwebt und Gold zu Blattgold geschlagen. Ein Straßenzug kam ganz in weiß daher – dort wurden die Buddhafiguren aus weißem Stein (?) gemeißelt. Man fragt sich, wie das sein kann. Wieso dieses Volk so arm ist, warum die Waren so günstig, wo sie so viel Mühe und Arbeit in so liebevoll gemachte Stücke investieren. Unsere maschinell hergestellten Produkte können dagegen doch gar nicht ankommen, sie wirken langweilig und fade.

Recht zu Anfang waren wir am Sagaing Hill. Bestimmt ist die Aussicht von dort oben super, für mich waren es aber nach dem Mandalay Hill am Abend zuvor einfach zu viele Stufen und die Luft zu heiß, ich habe mich schließlich auf halber Höhe auf eine Bank gesetzt, den Ausblick genossen, ein bisschen Musik gehört, während ich auf Micha gewartet habe. Belohnt wurde ich mit einem sehr netten Gespräch mit einem Mönch in seiner wunderschönen dunkelroten Robe. Er war sehr neugierig und aufgeschlossen und hat mir zum Abschied die Hand gegeben. Mich hat das ein wenig verwundert, so hatte ich nach ausgiebiger Lektüre meiner Reiseführer gelesen, dass gerade Frauen nicht unbedingt die Leute anfassen sollen, gerade bei Kindern (vor allem deren Köpfen) und Mönchen sei Vorsicht geboten.
Wahrscheinlich haben die Mönche aber diese Reiseführer nicht gelesen, denn auch später stellten sie sich als recht körperkontaktfreudig heraus ;)

Schließlich ging es nach Ava. Kyaw Soe und Mr. Aung fuhren uns zur Fähre, die uns ans andere Ufer brachte. Dort nahmen wir, zusammen mit Anna aus Tschechien eine Pferdekutsche und wurden ca. 2 Stunden durch Ava gefahren mit vielen Stopps an diversen Pagoden und einem Wachturm. Die erste Zeit wurden wir von der süßen Ay-Ay (variable Schreibweise) auf ihrem Fahrrad begleitet, die sich in den Kopf gesetzt hatte, uns Souvenirs „ganz günstig“ zu verkaufen. Sie entpuppte sich als prima Guide, da sie ziemlich gut Englisch sprach und uns über alles mögliche etwas zu erzählen hatte. Wir begannen den Fehler, ihr zu früh etwas abzukaufen – dann war unser freundlicher Guide dahin.
Insgesamt ist das Leben in Ava sehr einfach und landwirtschaftlich geprägt. Überall laufen Hunde und Katzen herum und am Straßenrand stehen Kühe. Es gibt eine Schule, aber die schien gerade geschlossen zu haben. Alternativ bekommen die Kinder Zugang zur Bildung, wenn sie in das Bagaya-Kloster gehen.

Den Sonnenuntergang haben wir uns auf der U Bein Brücke angesehen. Ich versuche, die richtigen Worte zu finden, damit Papa sich nachträglich keine Sorgen machen muss, aber es ist gar nicht so einfach. Laut Wikipedia ist sie die älteste (von 1850) und längste (1200m) Teakholzbrücke der Welt. Der Zustand ist „generell gut“, aber eine zunehmende Anzahl verfaulender Pfähle gibt Anlass zu Sorge. Einige werden bereits nur noch über seitliche Querträger gehalten, ihr unterer Teil ist gänzlich verrottet. Gut, dass ich das nicht vorher gewusst habe!
Trotzdem habe ich es nicht geschafft, weit zu gehen. Die Brücke ist ca. 2m breit, gefühlt 10m hoch (ok, ist übertrieben) und von einem Geländer gibt es keine Spur. Ja, die Menschen gehen sehr respektvoll miteinander um und man wird nicht angerempelt. Trotzdem, wenn man kurz stehenbleibt spürt man wie sehr der Bau wackelt. Zu meinem Glück fand ich Platz auf einer der Bänke, neben zwei netten Herren aus Deutschland. Lars versprach, die Brücke würde die nächsten Jahre nicht einstürzen, aber ich wollte dennoch lieber dort sitzen bleiben. Micha ging derweil weiter.
Spektakel wurde mir auch so genug geboten. Die vorbei ströhmenden Menschenscharen brachten viel Unterhaltung, ein junges Pärchen wollte gern mit uns fotografiert werden und prompt saß das Mädchen fast auf meinem Schoß und hatte die Arme um mich geschlungen. Soviel zur Zurückhaltung ;)

Abendessen gab es an einem indischen Straßenstand. Dort sitzt man auf Plastikstühlen am Straßenrand und bekommt serviert, was vor unseren Augen zubereitet wird. Meinem Vorhaben, vegetarisch zu essen zum trotz gab es für uns beide Chicken Curry. Man möchte ja vergleichen können mit dem Essen zuhause. Was uns da für umgerechnet 3,70€ serviert wurde steht in keinem Verhältnis, wir haben bei weitem nicht alles geschafft – und es war unglaublich lecker. (Toitoi, der Magen hält sich auch ganz gut, siehst Du Thomas – alles kein Problem ;) )

Heute gab es dann wieder ganz viele Pagoden und Klöster. Also nicht falsch verstehen, die sind wirklich alle unglaublich beeindruckend und es ist unfair, dass sie hier nur kurz Erwähnung finden. Aber ich müsste die ganze Nacht durchschreiben, würde ich jede einzelne ausreichend beschreiben.
Wovon ich aber berichten möchte, ist der Königspalast. Dieses riesige Areal ist nahe unseres Guest House gelegen und durch eine Mauer und einen Wassergraben von der restlichen Stadt abgegrenzt. Für Ausländer ist nur ein kleiner Bereich des Geländes begehbar da der größte Teil Militärgelände und somit verboten ist. Schon am Eingang wird man von den strengen Blicken der Militärs mit ihren Waffen begrüßt, was sicher nicht nur mir ein mulmiges Gefühl bereitet. Der Weg zum Palast ist sehr einfach – wir dürfen ja nur gerade aus. Kaum haben wir das Tor passiert, werden uns Fahrräder angeboten. Was irgendwie witzig ist, denn diese Fahrräder dürften sich bei uns zuhause kaum als solche schimpfen. Wir sind nur minimal schneller als zu Fuß und Bremsen sind zwar netterweise verbaut – funktionieren aber nicht. Aber gut, wenigstens sitzen ;)
Kurz vor dem Palast kehren wir in eines der Straßenlokale ein und genießen eine kalte Pepsi. Ein Militär gesellt sich zu uns und stellt sich als echt nette Type raus, sehr kontaktfreudig und bemüht Englisch zu reden. Bald dazu kommt auch sein Kumpel dazu, Taxifahrer, der ein bisschen übersetzt und uns erklärt, wie wenig so ein Soldat verdient.

Im Palast selber waren erstaunlich wenig Europäer vertreten. Wir kamen uns vor, als seien wir die Sehenswürdigkeit, nicht die Anlage selbst. Ich will gar nicht wissen, auf wie vielen Fotos meine grünen Haare nun gelandet sind. Am skurrilsten war ein Mönch, der uns mit Zeichensprache fragte, ob er ein Foto mit uns mit seinem Smartphone machen könnte. Bald machen wir uns T-Shirts mit der Aufschrift „Foto = 1000 Kyat“, dann kommen wir mit mehr Geld nach Hause als wir vorher hatten.

Zum Abendessen gab es dann typisches lokales Essen im Shan Buffet. Wir haben keine Ahnung, was wir da gegessen haben, aber es war unglaublich gut. Vor allem die Suppe, die hat es mir angetan.

Und nun ist es kurz vor elf und ich hoffe, ja ich hoffe wirklich, diese Nacht kann ich mal vernünftig schlafen.

Anbei sende ich ein paar Bilder von gestern, die von heute warten noch auf Selektion und Bearbeitung. Folgt vielleicht, wenn die Nacht wieder schlaflos bleibt.

@ Thomas: Leider habe ich noch keine Fotos von Bussen oder Haltestellen, da ich mich nicht traue, auf dem Moped mit der Kamera zu hantieren. Ich hoffe, das Pferde-Taxi tut es auch erstmal ;)

~ Jule ~

Welcome to Mandalay

Heute früh um 6:45 klingelt der Wecker. Aufstehen, fertigpacken, auch nichts vergessen?
Eine halbe Stunde später verlassen wir das gemütliche ETZ-Hostel Bangkok. Vielen Dank, ich fand es wunderbar! Um die Ecke gleich ein Taxi gefunden. Das sollte in Berlin mal so einfach sein… Die Fahrt zum Bangkok Don Mueang Airport vergeht schneller als gedacht und kostet auch weniger. Wir sind wirklich früh dran, aber sicher ist sicher.

Check-in ist schnell erledigt, leider muss Micha seine Powerbank abgeben. Die hat wohl zu viel Power. Oder die konnten die gerade gut gebrauchen ;) Noch schnell was zu Essen und nen Kaffee, und dann gehts zum Gate 6 – Flug FD 244 nach Mandalay.

Für mich fühlt es sich an, als würde die Reise jetzt erst beginnen. Bangkok war schön, aber es war auch nur ein Zwischenstopp, zum ankommen, eingewöhnen, lernen, was Hitze bedeutet.

Im Flieger hinter uns sitzt eine junge Familie mit kleinem Kind. Das schreit und zieht mir an den Haaren. Papa tritt scheinbar zur Entschuldigung ständig in meine Rücklehne. Kaum bin ich eingeschlafen, stupst mich die – wirklich sehr hübsche und in ihrem feuerrotem Kostüm sehr adrett gekleidete – Stewardess an. Einreiseformular. Zum ausfüllen. Hätte man nicht direkt Micha in die Hand drücken können, der direkt neben mir sitzt. Gut, wird gemacht. Leider haben wir keine Ahnung, ob wir wirklich eine Adresse angeben müssen. Wir haben natürlich noch kein Hostel gefunden. Also bleibt das Feld frei. (Für Thailand funktioniert das übrigens nicht – bei Einreise stand neben uns ein Paar dass kein Hotel eingetragen hatte, das fanden die Thailänder nicht sehr witzig.)
Wer glaubt, nun würde ich endlich zum Schlafen kommen – nein, natürlich gibt es vorher noch was zu essen. Aber jetzt. Leider muss ich feststellen, dass mein Nackenkissen ein Loch hat. Es ist zweimal die Luft rausgegangen. So muss fliegen sein ;)

Als wir über Mandalay langsam landen, fällt gleich ins Auge, wie trocken es ist, kaum Grün zu sehen. Wir sind gespannt und haben ein wenig Respekt vor der Hitze die da über uns hineinbrechen mag. Gewonnen haben wir eine halbe Stunde Zeit. Die Uhren gehen hier nämlich anders als in Bangkok. Die Einreise gestaltet sich sehr einfach. Keinen stört es, dass wir kein Hostel eingetragen haben. Auch als beim Gepäck-Check auffällt dass wir einen wohl wichtigen Zettel nicht haben, wird zwar zweimal nachgefragt, aber letztendlich werden wir mit einem offenen Lachen durchgewunken. Das ist dann halt so.

Geldbeschaffung ist ein anderes Thema. Wir haben zwei Automaten probiert, der erste nimmt unsere VISA Karten nicht, der zweite gibt uns aus uns unerklärlichen Gründen kein Geld. Micha ist genervt und geht zum Wechselschalter um seine Dollar zu tauschen. Ich probiere es mit Automat Nummer 3. Aha, offenbar ist das Problem, dass wir mehr Geld haben wollten, als die Automaten haben. Beide mit frischen Kyat ausgestattet wagen wir einen ersten Schritt nach draußen. Es ist heiß, sehr heiß, aber nicht drückend. Ein Glück – es ist erträglich!

Irgendjemand hat behauptet, in Myanmar wären die Menschen nicht so arg aufdringlich wie in Thailand. Das wissen die guten Taxifahrer am Flughafen offenbar aber nicht. Nachdem wir alle abgewehrt haben, spricht uns ein junger Mann an und möchte uns mit dem Bus mit in die Stadt nehmen. Der Preis scheint fair und er hat sogar einen Übernachtungstipp für uns. Wir lassen uns darauf ein, denn eine bessere Idee haben wir nicht und wie sich rausstellt, war dass das beste was wir machen konnten.

Wie lange die Fahrt bis zur Stadt dauert, kann ich nicht mehr sagen. Ich schaue aus dem Fenster und überlege mir, wie ich den Anblick später am besten beschreibe. Erstaunlicherweise habe ich bereits begonnen, auf Englisch zu denken und muss jetzt versuchen, einen sinnvollen deutschen Text zusammenzuschreiben und nicht alles zu vergessen, was ich eigentlich sagen wollte.
Auffällig ist, wie schon der Blick aus dem Flugzeug versprach, die große Trockenheit. Alles scheint in Sand und Staub versunken. Trotzdem, dann und wann, scheinen die goldenen Dächer der Pagoden durch die Bäume. Was für ein Kontrast, das saftige, glänzende Goldgelb zu dem staubigen Rest. Am Straßenrand stehen einige sehr einfache Überdächer. Micha meint, es sind Bushaltestellen (für sehr kleine Leute? ;) ), ich denke, es sind Verkaufsstände. Quasi das birmanische Äquivalent zur Erdbeerbox. Vielleicht finden wir ja noch raus, wer recht hat.
Schließlich erreichen wir die Stadt. Ein Mix aus alt und heruntergekommen – mehr noch als in Bangkok – und neu und hochglanzpoliert. Dazwischen ein paar Bauten im Kolonialstil. Es herrscht Rechtsverkehr – auch wenn die meisten Autos das Steuer auf der rechten Seite haben. Wer würde da nicht verrückt werden.

Der Bus nimmt seinen Weg durch die Straßen, Orientierung gibt es für uns keine. Nach und nach steigen unsere Mitreisenden aus bis fast nur noch wir übrig bleiben. Wir warten einfach, bis man uns anspricht. Auch das scheint vernünftig, denn beim nächsten Halt wird uns freundlich zugenickt – wir sind da. Das Royal Guest House. Der Beifahrer steigt mit aus um sicher zu gehen, dass wir mit der Auswahl zufrieden sind (und um wahrscheinlich eine Provision klarzumachen?). Das Guest House ist gepflegt, sehr eng und gemütlich. Wir entscheiden zu bleiben und nehmen das minimal teurere Zimmer mit eigenem Bad. Vielleicht einfach auch deshalb, weil wir dann eine Etage weniger hoch laufen müssen ;)
Zum Zimmer dazu gibt es freies Wifi und Frühstück und um unsere Wäsche kümmert man sich auch. Was will man mehr? Gut, ab und an möge der Strom ausfallen, und das Internet ist nicht das stärkste, wir haben auch keine Schränke, aber die Wertsachen kann man zur Aufsicht bei der freundlichen Damen am Empfang abgeben.
Wer es genau wissen möchte, das Royal Guest House liegt quasi um die Ecke vom Königspalast, 41, 25th St. (82/83).

Nachdem wir uns kurz gesammelt haben, beschließen wir noch kurz vor die Tür zu gehen und mal zu schauen, was es hier so im Viertel gibt. Wirklich nur kurz. Sie Verkehrssituation ist nicht so leicht zu durchschauen und wir wechseln ein paar mal die Straßenseite, keine Ahnung wohin wir wollen. Schließlich werden wir von zwei sehr freundlichen Mopedfahrern angesprochen, natürlich wollen die uns irgendwo hin fahren. Wir lassen uns in ein Gespräch verwickeln, auch wenn wir versuchen direkt deutlich zu machen, dass wir gerade erst angekommen sind und „nur mal schauen“ wollen. Der Tipp, zum Mandalay Hill zu fahren, da ja bald Sonnenuntergang ist, ist aber leider zu verlockend. Und die beiden ja auch so nett. Sie versprechen uns, uns für einen Spottpreis (gefühlt) dorthin zu fahren, auf uns zu warten und uns zurück zum Guest House zu bringen. Ja, warum eigentlich nicht. Ich bin zwar etwas nervös, weil ich noch nie auf einem Moped mitgefahren bin (hoffentlich falle ich nicht runter?!), aber wir bekommen einen Helm geliehen und los gehts.

Schnell wird mir bewusst, die Jungs wissen was sie tun und auch das festhalten klappt ganz gut. Wir kommen allerdings nicht weit, da braucht mein Fahrer frisches Benzin. Hier fährt man dazu nicht an eine klar erkennbare Tankstelle sondern zur nächsten Kreuzung und winkt hektisch den Leuten am Stand zu. Die kommen mit einer alten Wasserflasche voll Benzin an und befüllen den Tank. So gehts auch.
Es geht an zwei Seiten des Königspalastes vorbei – mit kurzer Fotopause am schönsten Aussichtspunkt – und schon sind wir am Mandalay Hill. Begrüßt werden wir von zwei riesigen weißen Löwen die allein schon unheimlich beeindruckend sind.
Unsere Fahrer versprechen zu warten, erklären uns, man käme in optimistischen 20 Minuten den Berg hoch (ca. 240 Meter – 1700 Stufen) und wir sollen uns bitte keine Gedanken um die Zeit und um die beiden machen, sie werden auf jeden Fall warten.

Am Eingang geben wir einem süßen kleinen Mädchen unsere Schuhe für umgerechnet je 15 Cent und machen uns barfuß an den Aufstieg. An das barfuß laufen kann man sich gewöhnen, bis auf die Stellen, wo den ganzen Tag die Sonne scheint und die Steine so heiß sind, dass Europäer nur hüpfend vom Fleck kommen. Unterwegs treffen wir die Hälfte aller Mitreisenden aus unserem Flugzeug. Oder vielleicht auch alle. Es geht vorbei an allerlei kleinen Ständen mit kalten Getränken, Schuhen, Stoffen, Essen und allen möglichen Kleinigkeiten. Jede Treppe führt zu einer kleinen Sehenswürdigkeit, einem besonders großem Buddha oder einer Stupa, oder Pagode… wo ist der Unterschied? An jedem Ende einer Treppe kommt der Gedanke auf, das könnte es doch gewesen sein… oder? Lange werden wir enttäuscht, denn nach jedem Aufstieg finden wir einen weiteren. Die Aussicht ist unglaublich, selbst für Höhenängstliche. Schnell wird klar, die vielen Leute die an den Ständen ihre Ware feil bieten, die wohnen hier auch. Hinter kleinen Holz- oder Blechhütten findet man aufgehängte Wäsche, Kochstellen und alles was man zum Leben braucht. Überall spielen kleine Kinder, schlafen Katzen und Hunde und freundliche Menschen lächeln einem entgegen. Natürlich sehen sie uns unsere Qual an, gerade mir, die ich mit hochrotem Kopf versuche tapfer durchzuhalten.
Wir kommen an einer großen, etwas verfallenen Halle an, die auf vielen Metallsäulen steht. Ich hoffe, dies ist das Ende unseres Weges. Doch kaum biegen wir um die Ecke taucht eine weitere Treppe auf. Die Stufen sind so hoch, ich frage mich, wie die kleinen Menschen hier die Treppe erklimmen können. Am Ende der Treppe landen wir auf einer Plattform mit Steinsäulen in deren Bögen Schriften gemeißelt sind. Ein beeindruckender Anblick – aber bei weiten nicht das Ziel. Auf der nächsten Ebene folgen Bögen aus glänzenden und spiegelnden Mosaiken. Ich kenne jemanden, dem das gefallen würde.
Noch ein Aufstieg… und wir sind tatsächlich da. Die Aussichtsplattform ist erreicht. Touristen werden aufgefordert, hier oben 1000 Kyat zu zahlen. Natürlich zahlen alle – wer läuft schließlich so weit – nur um kurz vor dem Ziel umzudrehen?

Aus Lautsprechern schallt ununterbrochen ein Gebetsingsang. Die gesamte Pagode ist golden und mit Spiegelmosaiken bestückt und glitzert im Licht der untergehenden Sonne. Man hat eine wundervolle Aussicht auf Mandalay und die Shan-Berge. Während wir auf den Sonnenuntergang warten fotografieren wie die niedlichen kleinen Eichhörnchen die in einer Baumkrone über dem Abgrund nach Futter suchen. Mittlerweile haben sich alle Passagiere des Flugzeugs eingefunden. Der Sonnenuntergang ist atemberaubend. Der Abstieg auch. Denn wie vorhin erwähnt, die Stufen waren teilweise sehr hoch. Und wo ich nun oben stehe, fällt es mir schwer weiterzugehen – Höhenangst lässt grüßen.
Sobald die Sonne weg ist, wird es angenehm kühler. Also nicht kalt. Nur ein bisschen kühler. Bevor wir zu unseren Schuhen kommen, möchte Micha erwähnt haben, dass er einen Hahn gesehen hat. Auch die leben am Berg.

Wir werden von unseren freundlichen Fahrern in Empfang genommen und genießen die rasante Fahrt durch die frische Brise nach Hause. Langsam verstehe ich auch das ständige gehupe. Hier ist davon niemand genervt, und niemand hupt, weil er genervt ist. Es ist ein einfaches „Hallo, hier bin ich, bitte überfahr mich nicht!“ Es scheint zu funktionieren, denn der Verkehr fließt reibungslos. An einer Kreuzung kommen von allen Seiten zur gleichen Zeit Mopedfahrer und jeder weiß genau wie er zu fahren hat, dass sie einfach aneinander vorbeikommen. Vielleicht entwickeln wir ja sowas wie ein Gefühl dafür. Momentan trauen wir uns nicht mal zu Fuß da rein ;)

Nach einem kurzen frischmachen (und dem halben Verfassen dieses Textes) gehen wir noch mal auf die Straße und suchen was zu essen. Der einzige Laden den wir finden ist kurz vorm Königspalast, ein „Europäisches Restaurant“. Wir bestellen grünes Thaicurry mit Lamm und sind froh, dass unsere Zungen nicht ganz verbrannt sind, so scharf war das. Aber – trotzdem sehr lecker! Micha bekommt sein erstes Myanmar-Bier und wir können nun endlich nach Hause gehen und uns vom Tag erholen.

Mal sehen, was wir morgen sehen.

Anbei die Eindrücke vom Tag :)

P.S.: Ja Mama, wir sind gut angekommen ;)

~ Jule ~

Ich packe…

Ichpacke2.jpg

… meinen Rucksack und nehme mit…

Nach gefühlten 100mal Probepacken wird es nun ernst. Ich glaube, nun habe ich auch langsam alles zusammen… und was jetzt noch fehlt kommt halt nicht mit.

Überraschender Zwischenstand: Ganz frauenuntypisch ist a) der Rucksack noch nicht ganz voll und b) fällt der Klamottenanteil echt klein aus… trotzdem wiegt er viel zu viel. Aber das MUSS WIRKLICH ALLES mit! ;)

Noch hält sich die Nervosität in Grenzen, auch wenn es schon in unglaublichen zwei Tagen los geht. Wo ist die ganze Zeit geblieben?

~ Jule ~