Goodbye Asia

Für mich geht heute diese Reise zu Ende.

Das ist eine Entscheidung, die ich mir nicht leicht gemacht habe, aber über die ich froh bin, sie getroffen zu haben.

Ich hab auf dieser Reise – sei sie nun kürzer als erwartet – einiges gelernt, auch über mich. Es gibt zum Beispiel Menschen, die rauchen, welche, die Alkohol trinken, viel Arbeiten, wenig Arbeiten, reisen und reisen und reisen, und dann gibt es welche, die merken, dass zwar ihr Leben und ihr Zuhause ziemlich prima ohne sie auskommen – aber sie nicht ohne ihr Leben und ihr Zuhause und ihre Freunde. Ich gehöre zu der letzteren Art von Menschen. Und das ist auch gut so. Auch komme ich mit der drückenden Hitze nicht immer so supergut aus.

Trotzdem, ich bin ziemlich überwältigt von all den Dingen, die ich gesehen habe, den vielen Eindrücken die ich sammeln konnte und ich weiß, dies wird nicht meine letzte Reise gewesen sein. Und ich freue mich schon auf die Nächste.

Auch habe ich Myanmar sehr in mein Herz geschlossen. Vor allem die Menschen dort. Ich hoffe, mir ein bisschen von dem Umgang den man da pflegt mit nach Hause nehmen zu können.
Ich habe auch gelernt, dass man von einer Stunde am Stück lächeln Muskelkater bekommen kann. Wahrscheinlich geht das weg, wenn man es nur oft genug übt. Außerdem bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass wir Sylvester abschaffen und dafür das Wasserfestival für Mitte Juli importieren sollten. Das macht viel mehr Spaß!

Erstaunlich wenige Dinge sind in Norfolk gelandet (An all jene unter euch, die nicht wissen was das bedeutet: Ihr lest definitiv zu wenig gute Bücher! Nachzuschlagen in „Alles was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro – und nein, den Film zu sehen zählt nicht…) : lediglich meine Sonnenbrille, die Powerbank und das Kindle-Ladekabel. Könnte schlimmer sein. Ich nehme definitiv mehr mit als ich verloren habe.

An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich fürs Lesen, Kommentieren und Liken. Ich habe mich stets sehr über Feedback gefreut :)
Auch wenn jetzt hier nun etwas Stille einkehren wird, hoffe ich bald von neuen Abenteuern berichten zu können und vielleicht seid ihr ja wieder mit dabei.

~ Jule ~

Grenzen übertreten

Am Donnerstag morgen ging es ganz früh los. Da es keine Bustickets nach Myawaddy zu kaufen gab, sollten wir um 5:30 an der Bushaltestelle warten, da käme dann ein Bus und da in Hpa-an immer ganz viele aussteigen sollte dann auch Platz darin sein.
Der Wecker ging um 4:30, da ich noch packen musste. Schließlich waren die Klamotten am Vorabend noch so nass gewesen, dass das Abends unmöglich war, außer man steht auf Schimmel.

Pünktlich um 5:30 sind wir an der Kreuzung an der irgendwo die Bushaltestelle sein soll. So genau kann man das nicht sagen, die sind nicht markiert, bzw. nicht für uns leserlich. Wir gehen mit Sack und Pack also ein paar Mal hin und her, bis der Busticketshop aufmacht und die gute Dame uns sagt, wir könnten dort warten. Also wird gewartet.
Irgendwann ruft sie irgendwo an und sagt uns dann, der Bus würde heute leider doch nicht hier halten und wir sollen woanders hingehen. Leider verstehen wir ihre Wegbeschreibung nicht und sie kann nicht viel mit unserer Karte anfangen. Plötzlich und für mich unerklärlich sitzen wir dann in einem Auto und uns wird gesagt, wir sollen bitte noch warten. Ich denke zunächst, der fährt uns zur Bushaltestelle, aber er fährt uns tatsächlich bis Myawaddy bis direkt vor den Grenzübergang. Uns und fünf weitere Leute, einer davon Mönch und drei Jugendliche die neben unserem Gepäck im Kofferraum Platz finden. Zugemacht wird der Kofferraum nur, wenn wir wieder an großen Wasserschlachten vorbeikommen, damit das Auto nicht vollläuft.

An der Thailändisch-Myanmarischen Freundschaftsbrücke in Myawaddy halten wir, von dort müssen wir laufen. Für die Fahrt nimmt der Fahrer unser letztes Geld, das ist ok, wir hätten für den Bus zwar etwas weniger bezahlt, aber man möchte nicht kleinlich sein. Außerdem ist es weniger, als er eigentlich verlangt, aber als wir ihm sagen, das ist das letzte was wir haben, ist das für ihn auch ok.
Zu Fuß geht es zur Passkontrolle, aufstempeln, dann über die Brücke. Damit habe ich meinen Rucksack immerhin von einem Land in das nächste getragen und das war schon etwas anstrengend ;) Auf thailändischer Seite dürfen wir wieder einen Fragebogen ausfüllen und können weitergehen.
Direkt hinter der Kontrolle gibt es ein Café, und einen Kaffee haben wir uns nun wirklich verdient. Oder eine Eisschokolade.
Auf der Suche nach einem Taxi werden wir von einer Tuktuk-Fahrerin angesprochen, für umgerechnet 50 Cent nimmt sie uns mit. Das Tuktuk ist gefühlt schon voll, aber Platz für ein paar Leute mehr oder weniger ist ja immer. Dies ist unsere letzte gemeinsame Fahrt, Micha möchte zum Busbahnhof und weiter nach Chiang Mai, für mich geht es zum Flughafen und weiter nach Bangkok.
Nach gefühlten 5 Minuten Fahrt wirft man mich raus, und zeigt auf den Flughafen. Der liegt ein kleines Stückchen entfernt und ich darf meinen schweren Rucksack allein dorthin tragen. Sobald ich es über die Straße schaffe.

Der Flughafen von Mae Sot ist wirklich niedlich. Zwar steht in der Flugbestätigungsmail ganz dick der Hinweis, dass der Flug nun ab Terminal 2 geht… Terminal 1 scheint aber auch gar nicht zu existieren. Zunächst setze ich mich draußen in den Schatten um kurz zu verschnaufen, dann entscheide ich, drinnen ein kühles Plätzchen zu finden, schließlich muss ich ca. 5 Stunden auf meinen Flug warten. Da nicht klar war, ob und wann wir den Bus nach Myawaddy bekommen, sind wir extra früh aufgebrochen, damit ich den Flug auch wirklich erwische. Das habe ich jetzt davon.
Beim Betreten des Flughafengebäudes werden meine Taschen durchleuchtet. Im Laufe der nächsten Stunden wiederholen wir diese Prozedur zwei Mal, jedes Mal zuckt die gute Frau von der Kontrolle mit den Schultern, es ist halt Vorschrift.
Drinnen ist es schön kühl und ich vertreibe mir etwas Zeit mit schreiben und lesen (der letzte Blogbeitrag ist dort entstanden) und warte darauf, dass einer der beiden Check-In-Schalter öffnet. An diesem Tag (wie auch wohl jedem weiteren) gibt es von hier aus 4 Flüge – alle nach Bangkok. Der Check-In für den Flug vor meinem öffnet und ich werde schonmal meine Tasche los. Ich hoffe inständig, die verchecken das mit meinem Gepäck nicht und stecken es nicht ins falsche Flugzeug.
Danach kann ich endlich mal wieder rausgehen und mir was zu essen suchen. Immerhin gibt es Thunfisch-Sandwich, davon wird man zwar nicht satt, aber immerhin schmeckt es ganz gut. Ich kaufe auch noch eine Packung Pringles, aber irgendwie schmecken die nicht so gut, wie ich es gehofft habe. Nachdem ich ca. 1/4 gegessen habe, entdecke ich eine indische Familie mit zwei keinen Mädchen und schenke die Packung dem Vater, damit er sie den Kindern geben kann. Später sehe ich sie wieder und das kleinere Mädchen hat Chipskrümmel im Gesicht – also kam das Geschenk wohl gut an.

Die Stunden ziehen sich endlos dahin, so endlos, dass irgendwann nicht mal mehr lesen Spaß macht und ich mein Buch fast durch habe. Endlich geht das Boarding los – sehr schnell und unkompliziert, die kleine Propellermaschine ist schnell gefüllt und los gehts. Die Wolken sind wahnsinnig schön (es gibt ein kleines Foto – leider war die Scheibe sehr dreckig) und der Flug schneller vorbei als gedacht. Immerhin sehe ich noch kurz den Sonnenuntergang und schon landen wir in Bangkok.
Der Vorteil an kleinen Flugzeugen ist wohl, dass das Gepäck auch echt schnell da ist. Kaum komm ich aus der Toilette, sehe ich schon meinen Rucksack auf dem Gepäckband und muss hinlaufen um ihn noch zu erwischen. Dann geht es erstmal raus – und auf die Suche nach einem McDonalds! Ja, ich weiß, eigentlich wollte ich kein Fast Food essen, aber das war wirklich nötig. Der McChicken ist erstaunlich scharf und es ist tatsächlich richtiges echtes Fleisch. Also man sieht es. Ich bin sehr begeistert, auch wenn mir die ganze Geschichte dann doch recht schwer im Magen liegt.

Von McDonalds aus geht es direkt zum Taxi. Am Taxistand muss man eine Nummer ziehen. Ich bekomme die 103 – und die 65 ist gerade dran. Die ganze Wartehalle ist voller Menschen. Dennoch geht es erstaunlich schnell und dann darf ich vortreten und sagen wo es hingehen soll. Ich habe extra die Adresse vom Hostel rausgesucht, aber man kann nicht so wirklich was damit anfangen. Es dauert eine Weile, bis wir das Problem geklärt haben, dann aber darf ich einsteigen und werde bis vor die Haustür gefahren.
Im ETZ Hostel sitzt wie beim letzten Mal der aufmerksame und überaus nette Bursche und als ich sage, ich war schon einmal da, erinnert er sich und strahlt und sagt „beim letzten Mal waren deine Haare so schön!“. Ich erkläre ihm, dass die ganze Farbe von der Sonne und vom waschen leider raus ist und er lacht und sagt, ja das geht ihm gerade auch so. Ich wollte es nicht sagen, aber auch seine Haare sehen schlimm aus ;) Er gibt mir meinen Schlüssel und warnt mich schon mal vor, dass in dem gebuchten 4-Bett-Zimmer schon zwei andere Leute sind. Als ich das Zimmer betrete ist jedoch von den beiden anderen nichts zu sehen. Ich setze mich noch kurz an den Computer und telefoniere, als Mitbewohner Nummer 1 reinkommt, lächelnd nickt und direkt ins Bett verschwindet und schläft. Mitbewohner Nummer 2 erscheint etwas später, macht das Licht nochmal an, rumpelt rum und hört auch die ganze Nacht nicht so recht damit auf. Immer, wenn ich denke, ich schlafe gleich ein, dreht er sich energisch um, das Bett wackelt und ich bin wieder wach.
Immerhin hat er sich heute früh, und dann heute Nachmittag nochmal dafür entschuldigt. Er hatte so einen Jetlag dass er nicht schlafen konnte. Er heißt übrigens Max und ist Ire und kurz vorher war er noch in Berlin gewesen, nicht weit entfernt von meinem Zuhause. Das macht ihn gleich sehr sympathisch. Allerdings sind beide heute abgereist und ich habe nun das Zimmer für mich allein.

Meinen ersten Tag allein habe ich mit Shopping verbracht – das lässt jedes Frauenherz höher schlagen ;) Auf dem Weg zum CentralWorld, den ich ganz mutig zu Fuß laufen wollte, habe ich zwei pakistanische Frauen mit ihren Söhnen getroffen. Eigentlich wollte ich mich nur schnell an sie hängen, als sie eine größere Straße überquerten, aber dann kam ich mit der einen ins Gespräch. Ihr Name war so ähnlich wie Sarah, ich weiß nur nicht recht wie er geschrieben wird. Als sie erfuhr, wohin ich wollte, bestand sie darauf, dass ich mit ihr mitkäme, sie würde auch in die Richtung wollen. Den Bus wollte sie auch bezahlen, was ich sehr lieb von ihr fand. Vor dem Shoppingcenter verabschiedeten wir uns und ich betrat endlich das kühle Shoppingparadis, wo ich es ganze 5 Stunden aushielt und die meiste Zeit durch die 7 Etagen irrte. Aber ich habe alles bekommen, was ich haben wollte und zusätzlich noch eine extrem köstliche Portion Sushi.
Obwohl es in dem Center einige Touristen gab, in dem Restaurant war ich die einzige Ausländerin (zumindest Nicht-Asiatin). Das war für einen Moment ein komisches Gefühl, allein unter völlig Fremden zu sein. Vor allem, da die Thailänder viel mehr an Touristen gewöhnt sind als die Menschen in Myanmar und einen daher nicht so sehr beachten und ständig auf einen zugehen.
Am skurrilsten fand ich die Eisbahn, die ich inmitten des Centers gefunden habe. Dort liefen einige Kinder und Jugendliche mehr schlecht als recht mit ihren Schlittschuhen über das Eis, während ein paar andere versuchten sowas wie Eishockey zu spielen. Und das bei draußen über 40°.

Zurück zum Hostel habe ich mir dann ein Tuktuk geleistet. Ich musste allerdings drei Fahrer fragen, bis ich einen fand, der mich auch fahren wollte. Denn obwohl ich ihnen die genaue Adresse zeigen konnte UND eine Karte von Bangkok dabei hatte, in der das Shoppingcenter sowie das Hostel eingezeichnet war, war es für sie offensichtlich unmöglich, zu sehen wohin sie fahren sollten. (Dabei ist es ganz einfach: geradeaus, rechts, ein Stück fahren, am Park links, der Straße folgen und dann wieder rechts) Und selbst mein Fahrer, der sehr selbstsicher daher kam hat sich einmal verfahren und musste zweimal nach dem Weg fragen.

Nach der erfolgreichen Shoppingtour habe ich zur Entspannung meiner geplagten Füße erstmal ein bisschen nichts gemacht, oben im Aufenthaltsraum lief 21 und ich hab nebenbei ein bisschen Mails geschrieben. Zum Abendessen habe ich direkt um die Ecke einen guten Inder gefunden, da musste ich zum Glück auch gar nicht mehr weit laufen.

~ Jule ~

Anbei noch zwei letzte Eindrücke von der Landschaft in Myanmar, aus dem Auto aufgenommen, ein paar Wolken und eine Aufnahme aus Bangkok.